1932 – 2001
Mongo Beti
Kurzbiografie↑
Der kamerunische Schriftsteller Mongo Beti, mit bürgerlichem Namen Alexandre Biyidi Awala, gehört zu den schärfsten literarischen Kritikern des Kolonialismus und des Neokolonialismus in Afrika. 1932 geboren, ging er nach dem Abitur zum Studium nach Frankreich und blieb dort mehr als drei Jahrzehnte. 1956 sorgte sein Roman Le pauvre Christ de Bomba für einen Skandal, weil er die Welt der Missionare mit satirischen Mitteln vorführte. Sein politisches Buch Main basse sur le Cameroun wurde 1972 in Frankreich verboten; erst nach einem langen Rechtsstreit erreichte Beti 1976 die Aufhebung des Verbots. 1991 kehrte er nach Kamerun zurück, eröffnete in Yaoundé eine Buchhandlung und mischte sich bis zu seinem Tod 2001 als Publizist und Bürgerrechtler ein.
Biografie↑
Geboren wurde Alexandre Biyidi Awala am 30. Juni 1932 als Sohn von Oscar Awala und Régine Alomo. Als Geburtsort nennen die Angaben teils das Dorf Akométam, teils den etwa 45 Kilometer von der Hauptstadt Yaoundé entfernten Ort Mbalmayo, in dessen Nähe Akométam liegt. Zunächst besuchte er eine von Missionaren geleitete Grundschule in Mbalmayo. 1945 wechselte er auf das Gymnasium Leclerc in Yaoundé. Nach dem Abitur 1951 ging er nach Frankreich und studierte Literatur in Aix-en-Provence, später an der Sorbonne in Paris.
Seine literarische Arbeit begann 1953 mit der Geschichte Sans haine et sans amour, die in der von Alioune Diop geleiteten Zeitschrift Présence Africaine erschien. Ein Jahr darauf folgte der erste Roman Ville cruelle, den er unter dem Pseudonym Eza Boto veröffentlichte. 1956 erschien Le pauvre Christ de Bomba. Das Buch erregte großes Aufsehen, weil es die Welt der Missionare und die Kolonialherrschaft satirisch beschrieb. Es folgten Mission terminée (1957), das 1958 mit dem Prix Sainte-Beuve ausgezeichnet wurde, und Le Roi miraculé (1958).
Neben dem Schreiben arbeitete Beti als Journalist für die Zeitschrift Preuves, für die er aus Afrika berichtete. Zugleich verdiente er sein Geld als Hilfslehrer am Gymnasium von Rambouillet. 1959 wurde er als Lehrer am Gymnasium Henri Avril in Lamballe angestellt. 1966 bestand er die Agrégation, den französischen Staatswettbewerb für das höhere Lehramt, im Fach klassische Sprachen. Von da an unterrichtete er bis 1994 am Corneille-Gymnasium in Rouen.
1972 meldete er sich mit einem Buch zurück, das für erhebliches Aufsehen sorgte: Main basse sur le Cameroun, autopsie d'une décolonisation. Der französische Innenminister Raymond Marcellin verbot die Schrift auf Betreiben von Jacques Foccart, der damit einer Bitte der kamerunischen Regierung nachkam. Das Verbot stützte sich auf ein altes Gesetz, das das Untersagen von aus dem Ausland eingeführten Schriften erlaubte. Damit geriet auch Betis eigener Status ins Wanken. Als Lehrer war er Beamter, und Beamter konnte in Frankreich nur werden, wer die französische Staatsangehörigkeit besaß; nun wurde seine Staatsangehörigkeit angezweifelt. Nach einem langen juristischen Verfahren erreichten Beti und sein Verleger François Maspéro 1976 die Aufhebung des Verbots. 1974 hatte er unterdessen die Romane Perpétue und Remember Ruben veröffentlicht.
Ab 1978 gab Beti gemeinsam mit seiner Frau Odile Tobner die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift Peuples noirs, peuples africains heraus. Den Vertrieb mussten die beiden selbst organisieren. Das Blatt benannte und geißelte über Jahre hinweg das Unrecht, das neokolonialistische Regime in Afrika anrichteten. 1991 wurde die Zeitschrift eingestellt. In diesen Jahren entstanden weitere Bücher: die Romane La ruine presque cocasse d'un polichinelle (1979), Les deux mères de Guillaume Ismaël Dzewatama futur camionneur (1983) und La revanche de Guillaume Ismaël Dzewatama (1984), dazu die politische Streitschrift Lettre ouverte aux Camerounais ou la deuxième mort de Ruben Um Nyobè (1984) und das gemeinsam mit Odile Tobner und Mitarbeitern der Zeitschrift erarbeitete Dictionnaire de la négritude (1989).
1991 kehrte Beti nach 32 Jahren im Exil nach Kamerun zurück. 1993 veröffentlichte er La France contre l'Afrique, retour au Cameroun. Im Jahr darauf ließ er sich pensionieren. In Yaoundé eröffnete er die Buchhandlung La Librairie des Peuples noirs. In seinem Dorf Akométam organisierte er landwirtschaftliche Arbeiten. Daneben gründete er Vereinigungen zur Verteidigung der Bürgerrechte und schrieb zahlreiche Protestartikel für die Presse.
Diese Rückkehr verlief nicht friedlich. Im Januar 1996 wurde Beti auf offener Straße in Yaoundé von der Polizei angegriffen. Bei einer Demonstration im Oktober 1997 hielt ihn die Polizei fest. Literarisch blieb er in diesen Jahren produktiv: 1994 erschien L'histoire du fou, danach mit Trop de soleil tue l'amour (1999) und Branle-bas en noir et blanc (2000) die ersten beiden Bände einer Trilogie, die unvollendet blieb.
Am 6. Oktober 2001 wurde Beti in das Krankenhaus von Yaoundé eingeliefert. Dort konnte er nicht ausreichend behandelt werden, weil keine Dialyse möglich war. Noch am selben Tag brachte man ihn in ein Krankenhaus nach Douala, wo er starb. Über das genaue Sterbedatum gehen die Angaben auseinander: Wikidata und die Deutsche Nationalbibliothek nennen den 7. Oktober 2001, andere Darstellungen den 8. Oktober 2001.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Betis Bücher ist die Satire. Schon Le pauvre Christ de Bomba führte die Welt der Missionare und die Kolonialherrschaft mit spöttischen Mitteln vor und löste damit 1956 einen Skandal aus. Beti schrieb auf Französisch und bewegte sich zwischen zwei Formen: dem Roman auf der einen Seite, der politischen Streitschrift und dem journalistischen Artikel auf der anderen. Beide Stränge zielen auf dasselbe. Immer wieder benennt er die Schäden, die Kolonialismus und neokoloniale Herrschaft in Afrika angerichtet haben. Seinen ersten Roman veröffentlichte er unter dem Pseudonym Eza Boto, später schrieb er als Mongo Beti; sein bürgerlicher Name Alexandre Biyidi Awala trat dahinter zurück.
Rezeption↑
Aufsehen erregten Betis Bücher von Anfang an. Le pauvre Christ de Bomba galt 1956 als Skandal, und Mission terminée erhielt 1958 den Prix Sainte-Beuve. Wie unbequem seine politischen Schriften waren, zeigte sich 1972: Main basse sur le Cameroun wurde in Frankreich verboten, angestoßen aus dem Umfeld der kamerunischen Regierung. Erst 1976 setzten Beti und sein Verleger die Aufhebung des Verbots durch. Auch nach der Rückkehr in seine Heimat blieb er den Behörden ein Ärgernis. 1996 wurde er in Yaoundé von der Polizei auf der Straße angegriffen, 1997 bei einer Demonstration festgehalten. Sein Name ist in den Normdaten der deutschen Bibliotheken unter zahlreichen Schreibweisen verzeichnet, unter anderem als Alexandre Biyidi, Biyidi-Awala und Eza Boto.
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