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Werkseintrag · Oberon
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Oberon
1780
– Werkseintrag –

Oberon

1780 · Epik

Ein verbannter Ritter, eine schier unlösbare Aufgabe in Bagdad und ein zerstrittenes Elfenpaar, das ein Liebespaar auf die Treueprobe stellt – Wielands Versepos verbindet Ritterabenteuer und Märchen zwischen Morgen- und Abendland.

Überblick

Das Versepos Oberon von Christoph Martin Wieland erschien 1780 zum ersten Mal. Es greift die Sagengestalt des Elfenkönigs Oberon auf und verbindet sie mit der Erzählung vom Ritter Hüon von Bordeaux. Wieland feilte lange an dem Werk: Insgesamt überarbeitete er es siebenmal, bis es 1796 seine endgültige Gestalt fand. Die Dichtung wirkte weit in die Literatur und Musik ihrer Zeit hinein und gehört zu den bekanntesten Versdichtungen Wielands.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der Ritter Hüon von Bordeaux. Weil er den Sohn Karls des Großen erschlägt, wird er aus dem Reich verbannt. Seine Rückkehr ist an eine fast unlösbare Bedingung geknüpft: Er soll bis nach Bagdad reisen, dem Kalifen Barthaare und Backenzähne abnehmen, dessen Tochter dreimal küssen und einen bestimmten Mann an dessen Seite töten.

Hüon bricht zu dieser gefährlichen Fahrt auf. An seiner Seite reist Scherasmin, ein treuer Begleiter, der einst seinem Vater gedient hat. Im Hintergrund waltet zugleich eine andere Macht: Der Elfenkönig Oberon und seine Gemahlin Titania liegen im Streit. Titania will sich erst versöhnen, wenn ein Liebespaar gefunden ist, das sich allen Widerständen zum Trotz die Treue hält. Oberon wählt Hüon und Rezia, die Tochter des Kalifen, als sein Prüfungspaar aus und stattet den Ritter mit einem zauberkräftigen Horn aus. So wird aus einer Ritterfahrt zugleich eine Geschichte über Liebe, Treue und Standhaftigkeit, deren Helden zwischen Morgenland und Abendland auf harte Proben gestellt werden.

Die Handlung im Detail

Hüon von Bordeaux erschlägt den Sohn Karls des Großen und wird dafür aus dem Reich verbannt. Der Kaiser knüpft seine Rückkehr an eine schwere Aufgabe: Hüon soll dem Kalifen von Bagdad eine Handvoll Barthaare und vier Backenzähne abnehmen, dessen Tochter dreimal küssen und den Mann zu dessen Linken töten. Hüon macht sich auf den Weg und trifft auf Scherasmin, einen früheren Gefolgsmann seines verstorbenen Vaters, der ihm fortan als treuer Begleiter zur Seite steht.

Unterdessen streiten der Elfenkönig Oberon und seine Gattin Titania. Titania will sich erst versöhnen, wenn Oberon ein Liebespaar findet, das sich allen Widrigkeiten zum Trotz treu bleibt. Er erwählt Hüon und Rezia, die Tochter des Kalifen, als sein Prüfungspaar und überreicht Hüon ein verzaubertes Horn. Im Traum zeigt er Rezia das Bild des Ritters, während Hüon zugleich von Rezia träumt.

Kurz vor Bagdad rettet Hüon den Prinzen Babekan vor einem Löwen. Doch statt Dank erntet er Beschimpfungen gegen sich und die Christenheit. Der Kalif hat angeordnet, dass Rezia Babekan heiraten soll. Als Hüon in den Thronsaal stürmt, tötet er Babekan, der zur Linken des Kalifen sitzt. Er küsst Rezia dreimal und entkommt mit ihr und seinem Begleiter mithilfe des Zauberhorns, das die Gegner zum Tanzen zwingt. Gemeinsam mit Scherasmin und Rezias Dienerin Fatme fliehen sie zur Küste.

Auf der Schiffsreise brechen Hüon und Rezia ein Keuschheitsgelübde. Daraufhin entfesselt Oberon einen Sturm. Das Paar wird getrennt und auf eine einsame Insel gespült. Dort bringt Rezia unter dem Beistand Titanias ihr Kind zur Welt, wird aber bald von Piraten entführt. Hüon folgt ihr, während Titania das Kind in ihre Obhut nimmt.

Hüon und Rezia werden als Sklaven an den Sultan von Marokko verkauft und treffen dort Scherasmin und Fatme wieder. Die vernachlässigte Lieblingsfrau des Sultans versucht, Hüon zu verführen, doch er weist sie ab. Rezia wird vom Sultan selbst bedrängt, widersteht ihm aber. Zur Strafe ordnet er ihre Hinrichtung an.

Im letzten Augenblick greift Oberon ein. Er befreit das Paar, gibt ihm das Kind zurück und versöhnt sich mit Titania. Hüon und Rezia kehren nach Frankreich zurück, wo der Kaiser sie freudig empfängt. Auch Scherasmin und Fatme finden zueinander und heiraten.

Stil

Geschrieben ist das Werk als Versepos, also als längere Erzählung in gebundener, gereimter Sprache. Wieland verknüpft darin zwei Überlieferungen miteinander: die Sagengestalt des Elfenkönigs Oberon und die Erzählung vom Ritter Hüon von Bordeaux. Daraus entsteht eine bunte Mischung aus Ritterabenteuer, Liebesgeschichte und Märchen, in der Schauplätze des Morgen- und Abendlandes aufeinandertreffen. Dass Wieland sein Epos über Jahre hinweg siebenmal überarbeitete, bis es 1796 seine endgültige Fassung erhielt, zeigt, wie sorgfältig er an Form und Sprache feilte.

Rezeption

Die Dichtung übte einen breiten Einfluss auf das literarische und musikalische Leben ihrer Zeit aus. Zu den Werken, die von ihr Anregungen empfingen, zählen Schillers Don Karlos, Goethes Faust II und Mozarts Zauberflöte. Besonders dauerhaft wirkte der Stoff in der Musik fort: Carl Maria von Weber griff ihn für seine letzte Oper Oberon auf, die 1826 entstand. So lebte Wielands Erfindung über die Versdichtung hinaus auf den Bühnen weiter.

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