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Autoreneintrag · Christoph Martin Wieland
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Porträt Christoph Martin Wieland
Christoph Martin Wieland
1733 – 1813
– Autorenporträt –

Christoph Martin Wieland

1733 – 1813 · 79 Jahre

Ältester des Weimarer Viergestirns und einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Aufklärung – Shakespeare-Übersetzer und Schöpfer des ersten modernen deutschen Romans.

Kurzporträt

Christoph Martin Wieland war einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Aufklärung. Er gilt als der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar. Zu diesem werden neben ihm Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller gezählt. Wieland trat als Dichter, Romanautor, Übersetzer und Herausgeber hervor. Mit seiner Übertragung von zweiundzwanzig Stücken William Shakespeares ins Deutsche prägte er das deutsche Theater nachhaltig. Mit der Geschichte des Agathon schrieb er nach Lessings Urteil den ersten modernen deutschen Roman „von klassischem Geschmack". 1772 berief ihn die verwitwete Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar zur Erziehung ihrer Söhne nach Weimar. Dort blieb er bis zu seinem Tod. Schon zu Lebzeiten wurde er von den Göttinger Hainbündlern und den Brüdern Schlegel angefeindet. Darin zeigt sich der Generationenkonflikt zwischen weltbürgerlicher Aufklärung und junger Romantik.


Biografie

Geboren wurde Wieland am 5. September 1733 im Pfarrhaus von Oberholzheim. Das Dorf gehörte damals zur freien Reichsstadt Biberach an der Riß. Die Angaben zum Geburtsort gehen auseinander. Die Deutsche Biographie und das Wikipedia-Material nennen Oberholzheim, andere Nachschlagewerke geben Biberach an der Riß an. Der Grund ist vermutlich, dass Oberholzheim damals zum Biberacher Hoheitsgebiet zählte. Sein Vater Thomas Adam Wieland war evangelischer Pfarrer in Oberholzheim, später Siechenprediger und Frühprediger in Biberach. Mit der Versetzung des Vaters zog die Familie 1736 nach Biberach.

Den ersten Unterricht erhielt Wieland von seinem Vater und Privatlehrern, später besuchte er die Biberacher Stadtschule. Mit zwölf Jahren versuchte er sich in lateinischen und deutschen Versen, mit sechzehn hatte er fast alle römischen Klassiker gelesen. Von 1747 bis 1749 besuchte er das pietistische Internat Kloster Berge bei Magdeburg. Dort wurde er zu einem Verehrer Friedrich Gottlieb Klopstocks. Ohne Abschluss verließ er die Schule und schrieb sich 1749 an der Universität Erfurt zum Studium der Philosophie ein. Dort las er bei seinem Verwandten Johann Wilhelm Baumer den Don Quijote und lernte die Philosophie von Leibniz und Wolff kennen. Im Sommer 1750 brach er das Studium ab und kehrte nach Biberach zurück. Er verlobte sich mit seiner Cousine zweiten Grades Sophie Gutermann, der späteren Sophie von La Roche. Verlobungsgeschenk war sein Lehrgedicht Die Natur der Dinge, 1752 anonym veröffentlicht.

Im Herbst 1750 begann er in Tübingen ein Jurastudium, das er bald zugunsten der Literatur vernachlässigte. 1752 folgte er einer Einladung Johann Jakob Bodmers nach Zürich und wohnte bis 1754 in dessen Haus. Acht Jahre blieb er in der Schweiz, zunächst als Schüler Bodmers, später als Hauslehrer in Zürich und ab Ende der 1750er Jahre in Bern. Ende 1753 löste Sophie die Verlobung und heiratete den kurmainzischen Hofrat Georg Michael Anton La Roche. In dieser Phase schrieb Wieland fromme Werke wie die Hymnen (1754) und die Empfindungen eines Christen (1755). Diese wandten sich ausdrücklich gegen jede erotische Poesie. Bald jedoch vollzog sich eine vollständige Umkehr. Dazu trug der Einfluss von Lukian, Horaz, Cervantes, Shaftesbury, d'Alembert und Voltaire bei. 1758 erschien sein Trauerspiel Lady Johanna Gray, das erste deutsche Drama in Blankversen. In Bern verlobte er sich mit Julie Bondeli, der späteren Freundin Jean-Jacques Rousseaus.

1760 kehrte Wieland nach Biberach zurück, wurde dort zum Senator gewählt und zum Kanzleiverwalter ernannt. Eine Beziehung zu Christine Hogel brachte 1764 eine uneheliche Tochter hervor, die früh starb. Eine Heirat mit der Katholikin verhinderte die Familie. 1765 heiratete er die Augsburger Kaufmannstochter Anna Dorothea von Hillenbrand, mit der er vierzehn Kinder hatte. Auf dem Schloss Warthausen des Grafen Stadion fand er weltmännische Bildung. Dort begegnete er Sophie von La Roche wieder. In diesem Biberacher Jahrzehnt entstanden seine bahnbrechenden Werke: die Übersetzung von zweiundzwanzig Shakespeare-Stücken in acht Bänden (1762–1766), der vom Don Quijote inspirierte Roman Don Sylvio von Rosalva (1764) und die Geschichte des Agathon (1766/67). Es folgten die Verserzählungen Musarion und Idris (1768) sowie Die Grazien (1770).

1769 nahm Wieland einen Ruf an die Universität Erfurt als kurmainzischer Regierungsrat und Professor der Philosophie an. Sein dortiges Lehrprogramm begründete laut der Deutschen Biographie eine universalistisch verstandene Kulturgeschichte, die ihn später mit Herder verband. In Erfurt entstanden der Diogenes-Roman (1770) und der politisch-philosophische Staatsroman Der goldne Spiegel oder die Könige von Scheschian (1772). Letzterer ebnete ihm den Weg nach Weimar. 1772 berief ihn die verwitwete Herzogin Anna Amalia zur Erziehung ihrer beiden Söhne, darunter des künftigen Herzogs Carl August. Bis zu dessen Volljährigkeit 1775 hatte Wieland ein Hofamt inne und konnte danach mit lebenslänglicher Pension als freier Schriftsteller leben. Er gründete das Kultur- und Nationaljournal Der Teutsche Merkur (1773–1810). Er schrieb Opernlibretti wie Alceste (1773), übersetzte Horazens Briefe und Satiren (1782 und 1786) sowie sämtliche Werke Lukians (1788/89). 1780 erschien sein Stanzenepos Oberon, das Goethe mit Lorbeer krönte, 1786–1789 die Märchensammlung Dschinnistan.

1798 erwarb er aus dem Honorar einer Werkausgabe das Gut Oßmannstedt bei Weimar. Dort wollte er sich „eine Insel des Friedens und des Glücks" schaffen. Hier besuchten ihn Sophie von La Roche mit ihrer Enkelin Sophie Brentano und Heinrich von Kleist, der ihm den Robert Guiscard aus dem Manuskript vorlas. Der Tod seiner Frau im November 1801 und finanzielle Belastungen führten 1803 zum Verkauf des Guts. Wieland kehrte nach Weimar zurück und gehörte bis zu deren Tod dem Kreis um Anna Amalia an. 1808 lud ihn Napoleon zu einer Unterredung am Rande des Erfurter Fürstenkongresses ein. Im selben Jahr begann er seine kommentierte Übersetzung der Cicero-Briefe, die bis zu seinem Tod unvollendet blieb. Mit 76 Jahren trat er der Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia bei und hielt dort zahlreiche Vorträge. Am 20. Januar 1813 starb Wieland an den Folgen einer Erkältung. Seinem Wunsch gemäß wurde er im Schlossgarten von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben.


Literarische Merkmale

Wielands Schreiben durchläuft eine markante Wandlung. Die frühen Werke aus dem Zürcher Bodmer-Kreis zeigen ihn als leidenschaftlichen Klopstockianer, der eine spezifisch christliche Dichtung anstrebt. Das Hexameterepos Der gepryfte Abraham (1753), die Hymnen (1754) und die Empfindungen eines Christen (1755) wenden sich ausdrücklich gegen jede erotische Poesie. Unter dem Einfluss von Lukian, Horaz, Cervantes, Shaftesbury, d'Alembert und Voltaire vollzieht sich danach eine vollständige Umkehr. Wieland wird zum klassischen Vertreter der Aufklärung. Er verkündet eine Philosophie der heiteren Sinnlichkeit, der weltlichen Freuden und der leichten Anmut.

Charakteristisch ist seine Hinwendung zur Antike und zugleich sein europäisches Ausgreifen in die Nationalliteraturen, zunächst in die englische. Lessing erkannte in der Geschichte des Agathon den ersten modernen deutschen Roman „von klassischem Geschmack". Die Einflüsse von Cervantes, Laurence Sterne und Henry Fielding sind in den Romanen nachweisbar. Julie Bondeli wies Wieland 1764 folgenschwer auf Sternes Tristram Shandy hin. In den Verserzählungen Idris und Musarion (1768) sowie den Grazien (1770) verbindet sich diese Antike-Lektüre mit der französisch geprägten Adelskultur, die er auf Schloss Warthausen kennengelernt hatte.

Wieland ist als „einer der großen Virtuosen der aufklärerisch empfindsamen Freundschaftskultur" bezeichnet worden. Er pflegte zahlreiche Freundschaften zu Männern und Frauen. Darüber hinaus prägt das Thema der Freundschaft auch sein literarisches Werk. Er hatte erheblichen Anteil an der Neugestaltung von Emotions- und Beziehungsverhältnissen im ausgehenden 18. Jahrhundert. Zugleich hielt er an der Dominanz der Erfahrungswelt gegenüber der Phantasiewelt fest. Das brachte ihn, wie die Deutsche Biographie betont, in scharfe Opposition zu den Romantikern.

Sein Werk umfasst Lehrgedichte, Versepen, Romane, Erzählungen, Dramen, Singspiele, Opernlibretti, Märchen, philosophische Dialoge und Übersetzungen. Mit der Übertragung von zweiundzwanzig Shakespeare-Stücken in acht Bänden (1762–1766) schuf er die Grundlage für das deutsche Shakespeare-Theater. 1762 wurde im Biberacher Komödienhaus erstmals in Deutschland ein Shakespeare-Stück in seiner deutschen Übersetzung aufgeführt: die Komödie Der Sturm. Seine Lukian-Übersetzung (1788/89) und die Cicero-Briefe (1808–1812) belegen seine lebenslange Arbeit am Vermitteln antiker Literatur. Auch buchkünstlerisch setzte er neue Maßstäbe, und zwar mit den nach Zeichnungen Adam Friedrich Oesers gestochenen Illustrationen seiner Leipziger Werke.


Rezeption

Wielands Rezeption war von Beginn an gespalten. Lessing begrüßte das Trauerspiel Lady Johanna Gray mit der Bemerkung, Wieland habe „die ätherischen Sphären verlassen und wandle wieder unter Menschen". Das Stück selbst hielt er allerdings für ein missglücktes Plagiat nach Nicholas Rowe. Die Geschichte des Agathon galt Lessing als der erste moderne deutsche Roman „von klassischem Geschmack". Goethe krönte das Stanzenepos Oberon (1780) mit Lorbeer.

Schon zu Lebzeiten wurde Wieland aber auch heftig angefeindet. Die Göttinger Hainbündler verbrannten 1773 sein Bildnis. 1799 betrieben die Brüder Schlegel seine literarische „Annihilation". Diese Angriffe konterkarieren, wie die Deutsche Biographie urteilt, seine weltbürgerliche Gesinnung und weltliterarische Bedeutung. Sie sind Ausdruck zweier Generationenkonflikte zwischen Aufklärung und Romantik. Die aus romantischem Geist begründete Germanistik trug demnach bis weit in das 20. Jahrhundert nur wenig zu Wielands Kanonisierung bei.

Akademisch und höfisch war Wieland gleichwohl hoch geehrt. Er war Gründungsmitglied der Mainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften (1754, heute Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt), Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1786) und des Pegnesischen Blumenordens (1807) sowie auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1808). 1808 erhielt er den Orden der Ehrenlegion und den russischen St.-Annen-Orden. Im selben Jahr lud ihn Napoleon zu einer Unterredung in Erfurt ein.

Die institutionelle Pflege seines Andenkens ist in Biberach besonders dicht verankert. 1905 wurde dort das Wieland-Museum gegründet (eröffnet 1907), 1953 das Wieland-Archiv. Seit 1979 wird zweijährlich der C.-M.-Wieland-Übersetzerpreis verliehen. 2006 entstand die Wieland-Gesellschaft, 2009 die C. M. Wieland-Stiftung Biberach, 2012 das Wieland-Forschungszentrum in Oßmannstedt.

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