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Cover Grashalme
Grashalme
1855
– Werkseintrag –

Grashalme

1855 · Lyrik

Ein großer, vielstimmiger Gesang auf das Leben, den Menschen und das weite Amerika, an dem Whitman fast sein ganzes Leben lang weiterschrieb.

Überblick

Das Werk Grashalme ist das Hauptwerk von Walt Whitman, einem der bedeutendsten US-amerikanischen Lyriker. Im Original heißt es Leaves of Grass. Im Deutschen erschien es als Grashalme, später auch als Grasblätter. Die erste Fassung dieses Gedichtzyklus veröffentlichte Whitman 1855 im Selbstverlag. Über 36 Jahre hinweg arbeitete er die Sammlung immer wieder um und erweiterte sie beträchtlich. Aus anfangs zwölf Gedichten wurden in der Ausgabe von 1892 fast 400. Das Werk entwirft selbstbewusst ein eigenes, von Europa gelöstes Lebensgefühl der Neuen Welt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Eine Sammlung von Gedichten erwartet den Leser, die im Lauf der Jahrzehnte immer weiter angewachsen ist. Den Grundton bestimmt eine kraftvolle, hymnische und optimistische Stimmung. Whitman besingt das Leben, den Menschen, den eigenen Körper, die Natur und das weite Land Amerikas. Viele Gedichte tragen den Charakter eines Lobgesangs: auf die offene Straße, auf die Arbeit der einfachen Menschen, auf das Meer und auf die Verbundenheit aller Wesen. Eine Ausnahme von diesem zuversichtlichen Klang bilden die bedrückenden Gedichte aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. In diesem Krieg half der Dichter selbst als Krankenpfleger. Wer das Buch zur Hand nimmt, begegnet keinem fortlaufenden Geschehen, sondern einem großen, vielstimmigen Gesang auf die Welt und das Dasein.

Die Handlung im Detail

Anders als ein Roman erzählt das Werk keine zusammenhängende Geschichte, sondern versammelt eine Vielzahl von Gedichten, oft selbst zu kleineren Zyklen geordnet. Die Sammlung begann 1855 mit zwölf noch unbetitelten Gedichten und wuchs bis zur neunten Auflage von 1892, der sogenannten Deathbed Edition, auf nahezu 400 Gedichte an.

In dieser letzten Ausgabe ist das Werk in zahlreiche Bücher gegliedert. Es beginnt mit den Inscriptions, gleichsam einleitenden Widmungsgedichten. Es folgen große Zyklen wie Song of Myself, ein Gesang in zweiundfünfzig Teilen, sowie Children of Adam und Calamus. Weitere Abschnitte feiern die Welt und das Unterwegssein, darunter Salut au Monde!, Song of the Open Road und Crossing Brooklyn Ferry. Andere Bücher widmen sich der Arbeit, der Erde und der Natur, etwa Song of the Broad-Axe, Song of the Redwood-Tree und A Song for Occupations.

Eine besondere Stellung nehmen die Gedichte des Bürgerkriegs ein. Das Buch Drum-Taps versammelt dreiundvierzig Gedichte aus dieser Zeit, darunter O Captain! My Captain! und das Gedicht When Lilacs Last in the Dooryard Bloom’d, Whitmans Totenklage um den Präsidenten Abraham Lincoln. Diesem gedenkt auch das Buch Memories of President Lincoln.

Gegen Ende führt das Werk in nachdenklichere Bereiche. Bücher wie Whispers of Heavenly Death und Songs of Parting wenden sich Tod und Abschied zu. Whitman fügte später noch zwei Anhänge hinzu, Sands at Seventy und Good-Bye my Fancy, sowie ein Nachwort mit dem Titel A Backward Glance o’er Travel’d Roads, einen Rückblick auf den langen Weg seines Schaffens.

Stil

Bestimmend für das Werk ist die Form des freien Verses. Whitman verzichtet weitgehend auf festes Versmaß und gleichmäßigen Reim. Er lässt die Zeilen frei und atemvoll fließen. Daraus entsteht ein hymnischer, an Lobgesang und Aufzählung erinnernder Tonfall. Der Grundton ist kraftvoll und optimistisch, getragen von einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Ausdrücklich versteht sich das Werk als amerikanische Dichtung. Sie löst sich von den europäischen Vorbildern und sucht eine eigene Sprache für das Lebensgefühl der Neuen Welt. Nur die Gedichte aus dem Bürgerkrieg verlassen diesen zuversichtlichen Ton und schlagen leise, bedrückte Klänge an.

Rezeption

Bis heute gilt das Werk als Hauptwerk Whitmans. Es hat ihm den Ruf eines der bedeutendsten US-amerikanischen Lyriker eingetragen. Seine fortdauernde Wirkung zeigt sich nicht zuletzt in der Musik. Zahlreiche Komponisten haben Texte aus der Sammlung vertont. Ralph Vaughan Williams schuf zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts seine Chorsinfonie A Sea Symphony. Paul Hindemith wandte sich Whitmans Versen mehrfach zu, unter anderem in einem Requiem auf das Gedicht über die letzte Fliederblüte. Auch Franz Schreker, Kurt Weill, Hans Werner Henze und George Crumb griffen seine Dichtung auf. Bis in jüngere Zeit reichen die musikalischen Bezüge, etwa in einem gemeinsamen Projekt von Alva Noto, Tarwater und Iggy Pop aus dem Jahr 2016. Ins Deutsche wurde das Werk mehrfach übertragen, früh etwa in einer Auswahl von Wilhelm Schölermann.

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