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Werkseintrag · Des Sängers Fluch
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Cover Des Sängers Fluch
Des Sängers Fluch
1814
– Werkseintrag –

Des Sängers Fluch

1814 · Lyrik

Zwei Sänger ziehen vor den finsteren König – und Uhlands Ballade zeigt, wie ein Lied einem Tyrannen gefährlich werden kann.

Überblick↑

Die Ballade Des Sängers Fluch von Ludwig Uhland erschien 1814. Sie gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Balladen des 19. Jahrhunderts. Sie erzählt vom Zusammenstoß zwischen der Macht der Kunst und der rohen Gewalt eines Herrschers. Uhland verband darin mittelalterlich anmutende Form mit einer Botschaft, die im Vormärz politisch gelesen wurde: Der Sänger ist die sittliche Instanz gegen den Tyrannen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Vor einem prächtigen Schloss treffen zwei Sänger ein, ein alter Spielmann und sein junger Schüler. Sie kommen in das Reich eines finsteren Königs. Dessen Land ist zwar schön, dessen Gemüt aber wirkt hart. An seiner Seite steht die Königin, sanft und gütig. Die beiden Sänger treten vor das Königspaar und tragen ihre Lieder vor. Sie hoffen, das Herz des Herrschers zu rühren. Ihr Gesang ergreift den Hof, die Krieger und vor allem die Königin. Nur der König bleibt unbewegt. Aus dieser Begegnung erwächst ein Konflikt, der die Geschichte in eine schicksalhafte Richtung treibt.

Die Handlung im Detail↑

Die Ballade beginnt mit einem Bild des Reiches: Das Land ist schön, das Schloss steht „so hoch und hehr“. Doch der König, der darin herrscht, ist finster und grausam. In diese Welt treten ein altes, edles Sängerpaar – ein bejahrter Spielmann und sein blutjunger Schüler. Sie ziehen vor das Königspaar: An der Seite des düsteren Herrschers sitzt die Königin, „süß und milde“.

Die beiden Sänger beginnen ihren Vortrag. Ihr Gesang ist so eindringlich, dass er die Höflinge und Krieger bewegt, vor allem aber die Königin – sie wirft den Sängern eine Rose zu, als Zeichen ihres Dankes. Der König jedoch bleibt nicht nur ungerührt, er gerät über die Zuwendung seiner Gemahlin in Zorn. Er schleudert sein Schwert, und die Klinge trifft den jungen Schüler tödlich.

Der alte Meister steht über dem Leichnam und spricht den Fluch aus. Über drei Strophen steigert sich seine Verwünschung. Zuerst trifft sie das stolze Schloss: Musik und Gesang sollen darin für immer verstummen. Dann gilt sie den duftenden Gärten: Sie sollen verdorren. Zuletzt richtet sie sich gegen den König selbst – trotz allen Strebens „nach Kränzen blut'gen Ruhms“ soll sein Name vergessen werden.

Dann springt die Ballade in die Zukunft und zeigt, dass der Fluch sich erfüllt hat. Das Schloss ist eine Ruine, nur eine einzige hohe Säule zeugt noch von der einstigen Pracht, und auch sie kann jeden Augenblick stürzen. Die Gärten sind eine wasserlose Ödnis geworden. Den König aber kennt keiner mehr. Die berühmten Schlussverse fassen das Geschehene zusammen: „Versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch.“

Stil↑

Uhlands Text verbindet dramatische, lyrische und epische Züge. Damit ist er klar als Ballade zu erkennen. Dialoge treiben die Handlung voran. Eine erzählende Stimme führt durch das Geschehen. Der Ton bleibt lyrisch gehoben. Als Versmaß wählt Uhland die Nibelungenstrophe, die vierzeilige hochmittelalterliche Strophe mit Paarreim. Jeder Langvers hat eine Mittelzäsur. In ihr treffen zwei dreihebige Halbverse mit je zwei Senkungen aufeinander. Die Verse enden durchgehend männlich, also auf einer betonten Silbe.

Diese Formwahl war kein Zufall. Uhland war auch Philologe und hatte sich um die Erforschung des mittelalterlichen Nibelungenliedes verdient gemacht. Neben Dichtern wie Adelbert von Chamisso und Franz von Gaudy trug er entscheidend zur Wiederbelebung der Nibelungenstrophe in der deutschen Dichtung des 19. Jahrhunderts bei. Allerdings verwendete er eine regelmäßigere Form, als sie das mittelalterliche Vorbild gekannt hatte.

Rezeption↑

Die Ballade Des Sängers Fluch wurde rasch zu einem politischen Text. Im Vormärz diente die Ballade dem bürgerlichen Protest als Ausdrucksform. Die Geschichte vom Sänger, der dem Tyrannen die Stirn bietet, ließ sich unmittelbar auf die eigene Zeit übertragen.

Die Ballade hat zahlreiche Komponisten angezogen. Robert Schumann vertonte sie 1852 als opus 139 für Soli, Chor und Orchester. Martin Plüddemann folgte 1885. Im 20. und 21. Jahrhundert griffen Bands aus dem Rock- und Folk-Bereich den Stoff auf: Reifrock 1981, In Extremo 1999 unter dem Titel Spielmannsfluch, Equilibrium 2008, dazu Hans-Eckardt Wenzel und die Band Falkenstein.

Beleg für die Popularität der Ballade sind auch die Parodien. Um 1906 erschienen in der Kunden-Zeitschrift „Bruder Straubinger“ gleich zwei Travestien, darunter Des Kunden Fluch von Carl Salm. Hugo E. Luedecke sammelte für die volkskundliche Reihe Anthropophyteia eine erotische Fassung unter dem Titel Der Laura Fluch.

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