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Werkseintrag · Des Teufels Wörterbuch
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Cover Des Teufels Wörterbuch
Des Teufels Wörterbuch
1906
– Werkseintrag –

Des Teufels Wörterbuch

1906 · Essay

Ein Wörterbuch, das rund tausend Wörter nicht erklärt, sondern entlarvt: Ambrose Bierce ersetzt die vertraute Bedeutung durch den Beweggrund, den er dahinter vermutet.

Überblick↑

Das Buch Des Teufels Wörterbuch ist eine Sammlung satirischer Aphorismen von Ambrose Bierce. Der Originaltitel lautet The Devil's Dictionary; im Deutschen sind Übersetzungen auch unter dem Titel Aus dem Wörterbuch des Teufels erschienen. Die Sammlung stammt in ihrer ersten Buchfassung aus dem Jahr 1906 und versammelt Definitionen für rund tausend Wörter. Diese Erklärungen sind meist schwarzhumorig oder sarkastisch. Für „Gehirn“ etwa notiert Bierce: „Ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken“.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Wer das Buch aufschlägt, findet kein durchlaufendes Erzählwerk, sondern ein Nachschlagewerk von A bis Z. Rund tausend Stichwörter stehen darin, jedes mit einer knappen Erklärung versehen. Die Form ahmt ein gewöhnliches Wörterbuch nach, die Inhalte tun das Gegenteil dessen, was ein Wörterbuch soll: Statt den üblichen Sprachgebrauch festzuhalten, entlarven die Definitionen, was hinter den schönen Wörtern wirklich steckt.

Bierce nimmt sich dabei vor allem die großen Begriffe des öffentlichen Lebens vor. Politik, Medizin, Geldwesen, Moral und Philosophie kommen ebenso vor wie alltägliche Wörter. Immer wieder trifft die Spitze den Eigennutz, die Eitelkeit und die Selbsttäuschung der Menschen. So wird „Diplomatie“ zur „vaterländischen Kunst, zum Wohle des eigenen Landes zu lügen“, und „Bewunderung“ zur „höflichen Anerkennung der Ähnlichkeit des anderen mit uns selbst“.

Das Buch lässt sich an jeder beliebigen Stelle aufschlagen. Es gibt keinen Handlungsfaden, den man verpassen könnte, und keine Reihenfolge, an die man sich halten müsste.

Die Handlung im Detail↑

Die Vorgeschichte des Buches reicht weit zurück. Bierce war seit 1868 beim News Letter in San Francisco Redakteur einer Satirekolumne mit dem Titel The Town Crier. Die Wochenzeitschrift selbst war ernsthaft angelegt, seine Texte waren es nicht. Für seinen schwarzen Humor wurde er als laughing devil, als „lachender Teufel“ aus San Francisco, bekannt.

Ein Jahr später gingen ihm die Themen aus. Er kaufte sich ein Webster-Wörterbuch, und dabei kam ihm zum ersten Mal der Gedanke, selbst ein satirisches Wörterbuch zu schreiben. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in London wollte er 1875 seinen alten Arbeitsplatz beim News Letter zurückhaben. Er schickte zwei Bewerbungen unter Pseudonymen ein und legte 48 satirische Wortdefinitionen bei. Man lehnte ihn ab.

Bei seiner nächsten Zeitschrift, dem Argonaut, erschienen keine Aphorismen aus seiner Sammlung. Erst nach dem Wechsel zur satirischen Wochenzeitschrift The Wasp schrieb er wieder neue Definitionen, und diese wurden rasch populär. Zwischen 1881 und 1886 kamen 88 Ausgaben mit je fünfzehn bis zwanzig Definitionen zusammen.

Aus dieser Popularität entstand das Buch. 1906 veröffentlichte Bierce beim Verlag Doubleday das Cynic's Word Book, zu Deutsch „Wörterbuch des Zynikers“, mit etwa 500 Definitionen zu Wörtern von A bis L. Die fehlenden 500 Wörter von M bis Z folgten 1911 im siebten Band der gesammelten Werke. 1967 brachte Ernest J. Hopkins eine erweiterte Fassung unter dem Titel The Devil's Dictionary heraus, die auch jene Definitionen enthielt, die Bierce nur in den Wochenzeitungen veröffentlicht hatte.

Der Ton des Buches lässt sich an den Stichwörtern selbst ablesen. „Abstinenzler“ ist bei Bierce „ein schwacher Mensch, der der Versuchung erliegt, sich selbst ein Vergnügen zu versagen“, und ein Vollabstinenzler einer, der sich „von allem abstinent“ hält, „außer von Abstinenz, besonders jedoch davon, sich aus andrer Leute Angelegenheiten herauszuhalten“. Die „Diagnose“ nennt er „die ärztliche Voraussage des Krankheitsverlaufs, gegründet auf den Pulsschlag und den Geldbeutel des Patienten“. Das „Finanzwesen“ ist „die Kunst oder Wissenschaft, Einkünfte oder Gelder so zu verwalten, dass der Verwalter am meisten davon hat“. Und der „Roman“ wird in vier Wörtern abgetan: „Eine aufgebauschte Kurzgeschichte.“

Auch vor der Politik und der Geschichte macht Bierce nicht halt. „Emanzipation“ heißt bei ihm „der Wechsel eines Sklaven aus der Tyrannei eines anderen unter den Despotismus seiner selbst“. Besonders bitter fällt der Eintrag „Ureinwohner“ aus: „Menschen von geringem Wert, die vor dem Grund und Boden eines neuentdeckten Landes im Wege stehen. Sie sind nicht lange im Wege; danach düngen sie.“ Hier zielt der Spott auf die Landnahme und ihre Beschönigung.

Am Ende steht Bierce mit seinem eigenen Verfahren selbst zur Debatte. Den „Zyniker“ definiert er als „einen Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten“. Die „Absurdität“ ist ihm „eine Meinungsäußerung, die der eigenen Ansicht offenkundig widerspricht“. Und die „Wahrheit“ nennt er eine „einfallsreiche Vermengung von Wünschbarkeit und Anschein“; ihre Suche sei das einzige Ziel der Philosophie, die „gute Aussichten“ habe, „bis zum Ende der Zeit mit wachsender Betriebsamkeit fortzudauern“.

Stil↑

Im Aufbau folgt das Buch genau den Regeln, die es unterläuft. Stichwort, Wortartangabe, Erklärung: alles sieht aus wie in einem gewöhnlichen Wörterbuch. Die Anregung dazu kam von einem Webster-Wörterbuch, das Bierce sich gekauft hatte.

Die Wirkung entsteht aus der Kürze. Viele Definitionen bestehen aus einem einzigen Satz, manche aus wenigen Wörtern. Bierce arbeitet mit der überraschenden Wendung am Satzende, mit dem Gleichklang der Wörter und mit der scheinbar sachlichen Miene, hinter der die Bosheit sitzt. Schwarzer Humor und Sarkasmus prägen den Ton durchgehend.

Kennzeichnend ist auch, dass Bierce die vertraute Bedeutung eines Wortes nicht bestreitet, sondern durch den Beweggrund ersetzt, der seiner Ansicht nach dahintersteckt. Aus der Sache wird das Motiv, aus dem Begriff die Absicht.

Rezeption↑

Bereits vor der Buchveröffentlichung fanden die Definitionen ihr Publikum. In der satirischen Wochenzeitschrift The Wasp wurden sie schnell populär, und gerade diese Beliebtheit gab den Anstoß zur Sammlung in Buchform. 1906 erschien das Cynic's Word Book, 1911 folgte der zweite Teil im Rahmen der gesammelten Werke.

Das Interesse an dem Buch hielt lange an. 1967 legte Ernest J. Hopkins eine erweiterte Fassung vor, die auch die verstreut in Zeitungen erschienenen Definitionen aufnahm. 2008 kam bei Bloomsbury in London eine Ausgabe mit Illustrationen von Ralph Steadman heraus.

Im deutschen Sprachraum ist das Werk in einer ganzen Reihe von Übersetzungen greifbar. 1964 erschien bei Sanssouci in Zürich eine Ausgabe mit einem Nachwort von Hugo Lötscher und Illustrationen von Willi Rieser. 1966 folgte im Insel Verlag eine Auswahl in der Übersetzung von Dieter E. Zimmer. 1981 legte dtv eine zweisprachige Ausgabe in der Übertragung von Richard Fenzl vor, 1984 erschien bei Eulenspiegel in Berlin eine Fassung von Hans Petersen. Die Neuübersetzung von Gisbert Haefs kam 1986 bei Haffmans in Zürich heraus und wurde später bei Manesse sowie in zahlreichen Lizenzauflagen weiterverbreitet.

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