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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Ambrose Bierce
Ambrose Bierce
1842 – 1914
– Autorenporträt –

Ambrose Bierce

1842 – 1914 · 71 Jahre

Amerikanischer Erzähler und Journalist, der den Schrecken des Bürgerkriegs in knappe, bitter-spöttische Kurzgeschichten fasste – 1913/14 verschwand er spurlos im revolutionären Mexiko.

Biografie↑

Aufgewachsen ist Bierce in einer kinderreichen Farmerfamilie. Er kam als zehntes von dreizehn Kindern des Farmers Marcus Aurelius Bierce (1799–1876) und dessen Frau Laura Sherwood Bierce zur Welt, einer Nachfahrin des Pilgervaters William Bradford. Der Geburtsort war die Siedlung Horse Cave Creek im Meigs County. Mit fünfzehn Jahren verließ er das Elternhaus und zog nach Warsaw. Dort arbeitete er als Setzerlehrling für die Zeitung Northern Indiana, die für die Abschaffung der Sklaverei eintrat.

Anfang 1859 lebte er bei seinem Onkel Lucius Verus Bierce (1801–1876), dessen Haltung gegen die Sklaverei ihn prägte. Im April 1861 meldete er sich in Elkhart County als Freiwilliger bei der Unionsarmee und folgte damit dem Aufruf Abraham Lincolns. Im Krieg war er als Kundschafter tätig. Für seine Tapferkeit wurde er ausgezeichnet und schließlich bis zum Titular-Major befördert. Er geriet in Gefangenschaft und wurde zweimal verwundet.

Die schwerste Verletzung erlitt er während des Atlanta-Feldzugs. Als Anführer einer Gruppe von Plänklern traf ihn im Juni 1864 die Kugel eines Scharfschützen an der linken Schläfe. Das Geschoss verletzte das Schläfenbein und blieb hinter dem linken Ohr stecken. Generalmajor William Babcock Hazen beschrieb die Wunde als „gefährlich und kompliziert“. Bierce überlebte, erholte sich aber lange nicht davon. So erlebte er den Bürgerkrieg mit all seinen blutigen Seiten und mit den tiefgreifenden Folgen für die amerikanische Gesellschaft.

Nach dem Krieg schlug er zunächst einen anderen Weg ein. 1866 nahm er als Landvermesser an einer Expedition durch das Indianerterritorium teil. Danach wurde er Journalist beim San Francisco Examiner. Im Hearst-Pressekonzern stieg er rasch auf und wurde ein national einflussreicher Hauptstadt-Korrespondent, zunächst in London, dann in Washington, D.C.

Am 25. Dezember 1871 heiratete er die begüterte Mary Ellen „Mollie“ Day (1850–1905). Das Paar hatte drei Kinder: die Söhne Day (1872–1889) und Leigh (1874–1901) sowie die Tochter Helen (1875–1940). Nachdem Bierce kompromittierende Briefe eines Verehrers an seine Frau entdeckt hatte, trennte er sich 1888 von ihr. Geschieden wurde die Ehe 1904.

Die späteren Jahre standen im Schatten schwerer Krankheit und persönlicher Verluste. Bierce litt an schwerem Asthma, beide Söhne starben vor ihm, die Ehe war gescheitert, und er hatte Alkoholprobleme. Auch als Mensch blieb er umstritten. Manche Zeitgenossen schalten ihn einen Menschenfeind und nannten ihn „the wickedest man of San Francisco“; andere rühmten seine Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft.

Als Siebzigjähriger reiste Bierce in das von der Revolution aufgewühlte Mexiko. Im Gefolge des Revolutionärs Pancho Villa verlor sich seine Spur um die Jahreswende 1913/14. Sein letzter erhaltener Brief lässt vermuten, dass er mit seiner standrechtlichen Erschießung rechnete. Sein Tod ist bis heute ungeklärt: Als Todesjahr wird 1914 angenommen, ein genaues Datum ist jedoch weder bei Wikidata noch in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet. Als Sterbeort wird Chihuahua in Mexiko genannt, doch auch diese Angabe ist nicht durchgehend belegt.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Bierce ist eine knappe, verdichtete Prosa. Sein Erzählton wird als sarkastisch, schwarzhumorig und häufig zynisch beschrieben. Aus diesem Ton bezieht seine unheimliche Kurzgeschichte ihre Wirkung: Er berichtet nüchtern und trocken vom Schrecken, statt ihn auszumalen.

Der Amerikanische Bürgerkrieg bildet den inhaltlichen Kern seines Werkes, und zwar sowohl in den Erzählungen als auch in seinen journalistischen Arbeiten. Bierce hatte den Krieg als Soldat unmittelbar erlebt, mit Gefangenschaft, Verwundung und einem schweren Kopfschuss. Diese Erfahrung schlägt sich in seiner Prosa nieder. Neben der Erzählung pflegte er auch die Lyrik und den Aphorismus.


Rezeption↑

Nur ein kleiner Teil seines Werkes wurde gründlich rezipiert. Dieser Teil aber begründete seinen Rang: Bierce gilt neben Edgar Allan Poe als Meister der unheimlichen Kurzgeschichte. Sein Einfluss reicht bis zu Autoren wie Ernest Hemingway.

Schon zu Lebzeiten schieden sich an ihm die Geister. Ein Teil der Zeitgenossen hielt ihn für einen Menschenfeind, ein anderer hob seine Liebenswürdigkeit und seine Hilfsbereitschaft hervor. Der Spottname „Bitter Bierce“ hat sich als Namensform bis in die bibliothekarischen Verzeichnisse gehalten, ebenso das Pseudonym Dod Grile. Zu seinem Nachruhm trug schließlich auch sein Verschwinden bei: Dass sich die Spur eines Siebzigjährigen im Bürgerkrieg eines Nachbarlandes verliert, ohne dass sein Tod je geklärt wurde, hat den Autor selbst zur Legende gemacht.

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