1931
Schloß Gripsholm
Überblick↑
Mit Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte legte Kurt Tucholsky 1931 eine seiner bekanntesten Erzählungen vor. Die heiter-melancholische Liebesgeschichte knüpft an sein erfolgreiches Debüt Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte an. Sie gehört zu jenen Texten, mit denen Tucholsky bis heute dem breiten Publikum vertraut ist. Sie verbindet leichte Sommerstimmung mit dunkleren Tönen. Entstanden ist sie in den letzten Jahren der Weimarer Republik.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Eingeleitet wird das Buch durch einen fingierten Briefwechsel zwischen Tucholsky und seinem Verleger Ernst Rowohlt. Rowohlt drängt ihn, wieder einmal eine leichte und heitere Liebesgeschichte zu schreiben. Tucholsky bietet stattdessen eine kleine Sommergeschichte an und feilscht um ein höheres Honorar.
Die eigentliche Erzählung schildert den Sommerurlaub des Erzählers Kurt, genannt Peter, mit seiner Freundin Lydia. Er nennt sie meist nur „die Prinzessin". Nach Zug- und Fährfahrt und einigem Suchen kommen die beiden im schwedischen Schloss Gripsholm an. Dort verbringen sie etwa drei Wochen. Bald bekommen sie Besuch: erst von Peters altem Freund Karlchen, später von Lydias bester Freundin Billie.
Aus dem leichten Ferienton heraus geraten die Urlauber unversehens an eine ernste Geschichte. Auf einem Spaziergang werden sie auf ein kleines Mädchen aufmerksam. Es leidet in einem nahegelegenen Kinderheim unter der harten deutschen Leiterin. Wie die Sommerfrischler darauf reagieren, ist der Strang, der die heitere Episodenfolge mit nachdenklicheren Tönen verbindet.
Die Handlung im Detail↑
Den Auftakt bildet ein fiktiver Briefwechsel zwischen dem Autor und seinem Verleger Ernst Rowohlt, dessen Unterschrift Tucholsky mit „(Riesenschnörkel) Ernst Rowohlt" wiedergibt. Rowohlt regt Tucholsky an, doch mal wieder eine leichte und heitere Liebesgeschichte zu schreiben. Tucholsky weicht aus, bietet stattdessen eine kleine Sommergeschichte an („In der heutigen Zeit Liebe? Lieben Sie? Wer liebt denn heute noch?") und feilscht um ein höheres Honorar.
Die anschließende Erzählung handelt vom Sommerurlaub des Erzählers Kurt, genannt Peter, mit seiner Freundin Lydia, die er meist nur „die Prinzessin" nennt. Nach Zug- und Fährfahrt und einigem Suchen kommen die beiden in Schloss Gripsholm in Schweden an. Dort verbringen sie etwa drei Wochen. In dieser Sommerfrische erhalten sie nacheinander Besuch: zuerst von Peters altem Kameraden und Freund Karlchen, dann von Lydias bester Freundin Billie.
Die Episodenerzählung enthält ein erotisches Abenteuer zu dritt zwischen Peter, Lydia und Billie, das für die Spätzeit der Weimarer Republik als kühn anzusehen war. Daneben stehen nachdenklich stimmende Szenen. Auf einem Spaziergang werden die Sommerfrischler auf ein kleines Mädchen aufmerksam, das in einem nahegelegenen Kinderheim lebt und unter der sadistischen deutschen Leiterin des Instituts leidet. Die Besucher beschließen, das drangsalierte Kind zu retten. Sie nehmen Verbindung zur Mutter auf, die in der Schweiz lebt, und arrangieren mit ihr, dass die Kleine der Heimleiterin entrissen und nach Hause gebracht wird.
Stil↑
Stilistisch knüpft Tucholsky an seine erste, höchst erfolgreiche Liebesgeschichte Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte an. Schloß Gripsholm ist deutlich stärker ausgefeilt, weniger unbeschwert heiter und nicht ohne dunkle Farben. Tucholsky verwebt witz- und geistreiche Berliner Dialoge mit plattdeutschen Einsprengseln beziehungsweise Missingsch. Dazu kommen scharf beobachtete Kleinerlebnisse und literarische Kabinettstückchen. Zu Letzteren gehört eine sprachmächtige Darstellung antiker Grausamkeitsrituale im römischen Circus Maximus.
Rezeption↑
Schloß Gripsholm zählt bis heute zu den bekanntesten Werken Tucholskys. In seiner Literaturgeschichte behandelt Helmuth Kiesel den Text unter der Überschrift „Ausschweifungen in eine heile Welt". Dennoch gewinnt Kiesel dem Idyll am Ende ein Positivum ab. Er zitiert dabei Günter Kunert, der wiederum auf Ernst Bloch verweist: Das Buch sei „‹Vorschein› dessen ..., was erst werden soll".
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