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Werkseintrag · Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug
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Cover Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug
Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug
1969
– Werkseintrag –

Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug

1969 · Roman

Ein amerikanischer Soldat überlebt im Keller eines Dresdner Schlachthofs den Feuersturm – und verliert danach den Halt in der Zeit, die ihn ohne Vorwarnung zwischen Krieg, Nachkriegsleben und einem fernen Planeten hin und her wirft.

Überblick↑

Der Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug von Kurt Vonnegut (1922–2007) erschien 1969. Sein englischer Originaltitel lautet Slaughterhouse-Five or The Children's Crusade: A Duty-Dance with Death. Das Buch ist stark autobiographisch geprägt. Es handelt von den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945, die Vonnegut als Kriegsgefangener der Deutschen selbst miterlebt hatte. Der Titel verweist auf den Städtischen Vieh- und Schlachthof: In dessen Keller überlebte Vonnegut mit etwa hundert anderen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern den Feuersturm, der die Stadt in Trümmer legte. Der Roman verbindet nüchterne Schilderungen des Kriegs mit schwarzem Humor und mit Elementen der Science-Fiction, etwa fliegenden Untertassen und Zeitreisen. Vor allem wegen seines Spiels mit der eigenen Gemachtheit gilt er als eines der Hauptwerke der amerikanischen literarischen Postmoderne.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der amerikanische Soldat Billy Pilgrim, desorientiert und krank. Als Kriegsgefangener wird er in Dresden festgehalten, in einem behelfsmäßigen Gefängnis im Keller eines stillgelegten Schlachthofs. Für Billy gerät aus unerklärlichen Gründen die Zeit aus den Fugen. Nach dem Zufallsprinzip besucht er einzelne Abschnitte seines eigenen Lebens.

So findet er sich bald in den Ardennen wieder, wo er vor seiner Gefangennahme wie betäubt durch tiefen Schnee watet, bald in seinem Nachkriegsleben als verheirateter Mann in Amerika. Weil er nie weiß, welcher Teil seines Lebens als Nächster an der Reihe ist, begleitet ihn ein ständiges Lampenfieber.

Hinzu kommt eine zweite, gänzlich andere Erfahrung: Billy begegnet Außerirdischen vom Planeten Tralfamadore. Sie entführen ihn und stellen ihn zusammen mit einer irdischen Frau in einem Zoo aus. Die Tralfamadorianer sehen in vier Dimensionen, deren vierte die Zeit ist. Sie haben jeden Augenblick ihres Lebens bereits gesehen, können nichts entscheiden und ihr Schicksal nicht ändern. Dafür dürfen sie sich in jedem Moment ihres Lebens aufhalten, den sie sich wünschen. Was Billy aus dieser Weltsicht macht, bestimmt den weiteren Verlauf des Buches.

Die Handlung im Detail↑

Der kranke und desorientierte amerikanische Soldat Billy Pilgrim gerät in deutsche Kriegsgefangenschaft und wird in Dresden im Keller eines stillgelegten Schlachthofs festgehalten. Zugleich löst sich für ihn die Ordnung der Zeit auf. Ohne erkennbare Regel springt er zwischen den Abschnitten seines Lebens hin und her und erlebt Ereignisse ein weiteres Mal. Auch seinen eigenen Tod sucht er auf diese Weise auf.

Zu den Stationen gehört die Ardennenoffensive des Zweiten Weltkriegs, während der Billy vor seiner Gefangennahme wie betäubt durch tiefen Schnee watet. Dazu kommt sein Leben nach dem Krieg: Er ist verheiratet und lebt in Amerika. Und dazu kommt die Zeit auf Tralfamadore, wohin ihn Außerirdische entführen. Dort wird er mit einer irdischen Frau in einem Zoo ausgestellt. Die Tralfamadorianer sehen in vier Dimensionen; die vierte ist die Zeit. Sie kennen jeden Augenblick ihres Lebens bereits, können nichts entscheiden und ihr Schicksal nicht ändern, dürfen sich aber in jedem gewünschten Moment aufhalten. Ein Tralfamadorianer begründet diese Haltung so: „Ich habe einunddreißig bewohnte Planeten im Weltall besucht und die Berichte über weitere hundert studiert. Nur auf der Erde wird von freiem Willen geredet.“

Billys eigener Fatalismus scheint im bekannten Gelassenheitsgebet begründet, das gerahmt in seinem Büro hing: „zu den Dingen, die Billy Pilgrim nicht ändern konnte, gehörten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Viele Jahre nach dem Krieg wird Billy auf der Erde ermordet. Zu diesem Zeitpunkt hat er sich die tralfamadorische Weltsicht ganz zu eigen gemacht, und sie verschafft ihm seinen persönlichen Frieden. Er hatte diese Philosophie unter Millionen Menschen verbreitet, was ihn zur berühmtesten Person der Erde machte.

Neben Billys Geschichte verfolgt das Buch eine Reihe von Ereignissen aus Vonneguts eigenem Leben: den Tod seiner Schwester, seine Gefangennahme durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und die Bombardierung Dresdens, die den Bezugsrahmen des Ganzen bildet.

Stil↑

Bestimmend ist die Mischung der Tonlagen. Realistische Schilderungen des Kriegsgeschehens stehen unmittelbar neben schwarzem Humor. Dazu treten Elemente der Science-Fiction, etwa fliegende Untertassen und Zeitreisen, die den Kriegsstoff in einen ganz anderen Rahmen rücken.

Die Erzählweise folgt keiner geraden Linie. Weil Billy Pilgrim nach dem Zufallsprinzip zwischen Lebensabschnitten springt, zerfällt die Handlung in Bruchstücke, die der Leser selbst zusammensetzen muss. Der Krieg, das Nachkriegsleben in Amerika und der fremde Planet stehen dabei gleichrangig nebeneinander.

Hinzu kommt, dass der Roman seine eigene Machart offenlegt und den Autor mitsamt seiner Kriegserfahrung in das Erzählte hineinzieht. Gerade dieser Zug hat ihm den Rang eines Hauptwerks der amerikanischen literarischen Postmoderne eingetragen.

Rezeption↑

Nach der Veröffentlichung nahm die Literaturkritik den Roman überwiegend positiv auf. Er wurde rasch zum Bestseller, stand sechzehn Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times und erreichte dort Platz vier.

Trotz dieses Erfolgs zählte das Buch in den Vereinigten Staaten lange zu den verbotenen literarischen Werken. Anstoß erregten die realistische und wiederholte Wiedergabe der vulgären Sprache amerikanischer Soldaten sowie einzelne deutlich sexuelle Inhalte. Der Roman wurde häufig aus Schulen, Bibliotheken und Lehrplänen verbannt. Auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten befasste sich mit Vonneguts Büchern: Sie waren Gegenstand des Verfahrens Island Trees School District v. Pico 457 US 853 (1982). Besonders eine Szene, in der die Kreuzigung Christi dargestellt wird, brachte zum Erscheinungszeitpunkt viel Kritik von amerikanischen Kirchen ein.

Aus heutiger Sicht bedeutete das Werk den Durchbruch für Vonnegut als Autor. Literaturgeschichtlich wird es zu den bedeutendsten Romanen der amerikanischen Literatur nach 1945 gezählt. George Roy Hill verfilmte den Stoff 1972 unter dem Titel Schlachthof 5.

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