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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Kurt Vonnegut
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Porträt Kurt Vonnegut
Kurt Vonnegut
1922 – 2007
– Autorenporträt –

Kurt Vonnegut

1922 – 2007 · 84 Jahre

Amerikanischer Satiriker, der als Kriegsgefangener die Zerstörung Dresdens überlebte und daraus 1969 „Schlachthof 5“ schrieb – ein Schlüsselbuch der Kriegsgegner.

Kurzbiografie↑

Kurt Vonnegut wurde 1922 in Indianapolis geboren und starb 2007 in New York. Bekannt wurde der amerikanische Schriftsteller vor allem durch seine satirischen Romane, die häufig Mittel der Science-Fiction nutzen. Als junger Soldat geriet er im Dezember 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft und überlebte in Dresden die alliierten Luftangriffe vom Februar 1945 in einem Keller unter dem Schlachthof. Aus dieser Erfahrung entstand sein bekanntester Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug, der 1969 erschien und rasch zu einem wichtigen Buch der Kriegsgegner wurde. Vonnegut verstand sich als überzeugter Sozialist und meldete sich bis ins hohe Alter politisch zu Wort.


Biografie↑

Geboren wurde Kurt Vonnegut, Jr. am 11. November 1922 in Indianapolis. Sein Vater Kurt Vonnegut war Architekt, seine Mutter Edith stammte als geborene Lieber aus der Familie eines Bierbrauers. Beide Eltern gingen auf deutsche Familien zurück, die aus dem westfälischen Münsterland in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren. Kurt hatte zwei ältere Geschwister: Bernard, geboren 1914, und Alice André, geboren 1917.

Von 1936 bis 1940 besuchte er die Shortridge High School in Indianapolis. Dort schrieb er bereits für die Schülerzeitung. Anschließend studierte er Biochemie an der Cornell University und arbeitete nebenher als Redakteur und Kolumnist der Collegezeitung.

Anfang 1943 meldete sich Vonnegut freiwillig zur amerikanischen Armee. Kurz vor seiner Verlegung nach Europa nahm sich seine Mutter, die an Depressionen litt, das Leben. Im Dezember 1944 diente er in einer Aufklärungseinheit der 106. Infanteriedivision während der Ardennenoffensive. Die Truppen dieser Division waren jung und unerfahren; ihr Durchschnittsalter lag bei 22 Jahren, und Teile der Division wurden aufgerieben. Am 22. Dezember 1944 geriet Vonnegut in deutsche Kriegsgefangenschaft. Vom 13. bis 15. Februar 1945 erlebte er in Dresden die Luftangriffe und die Zerstörung der Stadt. Er überstand die Bombennächte in einem Keller unter dem Schlachthof. Diese Erlebnisse prägten ihn dauerhaft und wurden zum Stoff seines bekanntesten Buches.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg heiratete er am 14. September 1945 seine Jugendfreundin Jane Cox, die er seit dem gemeinsamen Kindergarten kannte. Er begann ein Studium der Anthropologie an der Universität Chicago. Daneben arbeitete er als Polizeireporter, ab 1947 dann in der Public-Relations-Abteilung des Konzerns General Electric in Schenectady. 1951 kündigte er dort, um vom Schreiben zu leben. Zunächst verkaufte er Kurzgeschichten und Erzählungen an amerikanische Zeitschriften. Im August 1952 erschien sein erster Roman Player Piano in einer Startauflage von 7.600 Exemplaren. 1954 kaufte er für seine Familie ein großes, zweihundert Jahre altes Haus in West Barnstable auf der Halbinsel Cape Cod. Dort lebte er überwiegend bis 1973.

Der 15. September 1958 brachte einen tiefen Einschnitt. An diesem Tag starb Vonneguts Schwager James Carmalt Adams, Jr. bei einem Eisenbahnunglück an der Newark Bay, bei dem 44 Menschen ums Leben kamen. Wenige Stunden später starb dessen Frau, Vonneguts Schwester Alice, an Krebs. Vonnegut und seine Frau nahmen daraufhin alle vier Kinder der Familie Adams zu sich. Drei davon adoptierten sie; das vierte kam nach kurzer Zeit zu einem Verwandten der väterlichen Seite. Über die aufreibende, aber auch glückliche Zeit mit nun sechs Kindern hat Jane später ausführlich in ihren Erinnerungen berichtet, die erst nach ihrem Tod erschienen.

Vonneguts erste Romane erreichten nur vergleichsweise kleine Auflagen. Das änderte sich 1969 mit Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug, in dem er die Bombardierung Dresdens verarbeitete. Das Buch startete im März 1969 mit 10.000 Exemplaren, die binnen weniger Tage vergriffen waren. Zahlreiche weitere Auflagen folgten. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und verfilmt. Er erschien auch in der Sowjetunion, in der Tschechoslowakei und in der DDR.

1971 wurde die Ehe mit Jane Cox geschieden. Sie heiratete später den Wissenschaftler und Politiker Adam Yarmolinsky. Die Einnahmen aus seinen Büchern erlaubten es Vonnegut, das Haus in Barnstable aufzugeben. Im Herbst 1973 kaufte er sich ein Haus in Manhattan, einen Backsteinbau unweit des UN-Hauptquartiers. Dort lebte er die folgenden 34 Jahre. 1979 erwarb er zusätzlich ein Sommerhaus in Sagaponack in den Hamptons. Zu dem Anwesen gehörte eine Scheune, die der Vorbesitzer, der Künstler Frank Stella, als Atelier genutzt hatte. Diese Scheune spielt eine zentrale Rolle in Vonneguts Roman Blaubart von 1987, der in der Welt der Künstler des abstrakten Expressionismus spielt. Am 24. November 1979 heiratete er in zweiter Ehe die Fotojournalistin Jill Krementz, die auf Porträts von Schriftstellern spezialisiert war. Die beiden hatten sich 1970 kennengelernt und lebten seit seiner Trennung von Jane Cox 1971 zusammen.

Sein Bruder Bernard war Meteorologe und erfand während seiner Zeit bei General Electric das Impfen von Wolken mit Silberjodid. Kurt Vonnegut, der selbst eine Weile für die Public-Relations-Abteilung dieses Konzerns gearbeitet hatte, gewann daraus den Stoff für ein verändertes Wasser, das sogenannte Eis-neun, in seinem Roman Cat's Cradle.

Kurt Vonnegut starb am Abend des 11. April 2007. Er war in seinem New Yorker Haus gestürzt und erlag den Folgen einer Kopfverletzung. Zum Sterbeort gibt es leicht abweichende Angaben: Wikidata nennt New York City, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet New York, NY. Er hinterließ seine zweite Frau und sieben Kinder, die er mit großgezogen hatte. Drei stammten aus der ersten Ehe, drei waren die adoptierten Kinder seiner Schwester Alice, eines hatte er gemeinsam mit Jill Krementz adoptiert.


Literarische Merkmale↑

Satire und Science-Fiction gehören bei Vonnegut zusammen. Bekannt wurde er mit Romanen, die Erfindungen der Zukunftsliteratur benutzen, um über die eigene Gegenwart zu spotten. Sein Werk speist sich dabei häufig aus dem, was er selbst erlebt oder in seiner Umgebung vorgefunden hat. Die Bombennächte von Dresden, die er als Kriegsgefangener überstand, wurden zum Kern von Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug. Die Arbeit seines Bruders an der Beeinflussung von Wolken lieferte ihm die Idee für das gefährliche Eis-neun in Cat's Cradle. Und die Ateliers­cheune auf seinem Grundstück in den Hamptons wanderte in Blaubart, einen Roman aus der Welt der Künstler des abstrakten Expressionismus. Vonnegut schrieb zudem Kurzgeschichten und Erzählungen, mit denen er sich in den Jahren vor seinem Durchbruch über Wasser hielt.


Rezeption↑

Lange blieben Vonneguts Bücher ein Achtungserfolg mit kleinen Auflagen. Der Durchbruch kam 1969 mit Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug: Die erste Auflage von 10.000 Exemplaren war innerhalb weniger Tage vergriffen, viele weitere folgten. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. Er entwickelte sich zu einem Schlüsselwerk des Pazifismus, vor allem bei den Gegnern des Vietnamkriegs. Auch jenseits des Eisernen Vorhangs fand das Buch seine Leser: Es erschien in der Sowjetunion, in der Tschechoslowakei und in der DDR. Vonnegut selbst blieb eine politische Stimme. Als überzeugter Sozialist wandte er sich in späteren Romanen scharf gegen die Kriegspolitik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.

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