Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Joost van den Vondel
Eingang · Autoren · Joost van den Vondel
Porträt Joost van den Vondel
Joost van den Vondel
1587 – 1679
– Autorenporträt –

Joost van den Vondel

1587 – 1679 · 91 Jahre

Einer der führenden Dichter des niederländischen Goldenen Zeitalters, der lange vom Strumpfhandel lebte und mit Dramen wie „Gijsbrecht van Aemstel“ und „Lucifer“ bekannt wurde.

Kurzbiografie↑

Als einer der bedeutendsten Dichter des Goldenen Zeitalters der Niederlande gilt Joost van den Vondel, geboren am 17. November 1587 in Köln, gestorben am 5. Februar 1679 in Amsterdam. Er schrieb niederländische Gedichte und Dramen und wird neben Gerbrand A. Bredero und Pieter Corneliszoon Hooft genannt, wenn von den führenden Autoren dieser Blütezeit die Rede ist. Zu seinen bekanntesten Bühnenstücken zählen Gijsbrecht van Aemstel und Lucifer. Seinen Lebensunterhalt verdiente er lange Zeit nicht mit der Dichtung, sondern mit einem Strumpfhandel.


Biografie↑

Geboren wurde Vondel 1587 in der Kölner Großen Witschgasse, als zweites von sieben Kindern. Seine Eltern, Joost van Vondel senior und Sara Cranen, stammten aus Antwerpen. Sie gehörten dem mennonitischen Glauben an und flohen wegen der Gegenreformation aus Brabant nach Köln. Die Deutsche Biographie berichtet, dass die Mutter Sara als junges Mädchen sogar katholisch getauft worden war, weil ihre eigene Mutter sich nur so vor dem Feuertod in Antwerpen hatte retten können. In Köln kamen drei der sieben Kinder zur Welt: die ältere Schwester Clementia 1586, im folgenden Jahr Joost selbst und 1594 die Schwester Sara.

Da auch in Köln die Gegenreformation vorangetrieben wurde, zog die Familie 1596 über Utrecht nach Amsterdam. Zu seiner Geburtsstadt bewahrte Vondel eine lebenslange Zuneigung. So bat er in einem Gedicht den schwedischen König Gustav II. Adolf, Köln zu schonen, als dieser die Stadt 1632 bedrohte. Und 1639 verarbeitete er die Legende von der heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen zu dem Trauerspiel Maeghden.

Seinen Unterhalt verdiente Vondel mit einem Strumpfhandelsgeschäft, das er vom Vater übernommen hatte. Nach dem Tod des Vaters heiratete er Maria (Mayken) de Wolf, die aus einer ebenfalls brabantischen Flüchtlingsfamilie stammte. Sie führte laut der Deutschen Biographie sowohl den Haushalt als auch das Geschäft, sodass sich ihr Mann seiner Dichtung widmen konnte. Als sein Sohn 1656 mit dem Handel Bankrott anmeldete, verschaffte ihm sein Mäzen, Bürgermeister Andries de Graeff, eine Anstellung als Buchhalter bei der Bank van Lening. Das Gehalt bezog Vondel auch nach seiner Pensionierung 1668 weiter.

Er war Mitglied der Brabanter Dichtergilde Het Wit Lavendel. Als Bewunderer des römischen Autors Seneca begann er schon während seiner Zeit als Strumpfmacher, selbst Dramen zu schreiben. Zu seinen Vorbildern zählte Gerhard Johannes Vossius. Nach einer Phase intensiver religiöser Suche wandte sich Vondel um 1640 der katholischen Kirche zu, deren Lehre er auch in seinen Werken darstellte, etwa in Altaergeheimenissen von 1645 und in Bespiegelingen van Godt en godtsdienst von 1662. Zugleich vertrat er die Ansicht, dass auch die wahre Religion für einen Menschen wertlos sei ohne tätige Nächstenliebe. Er starb 1679 in Amsterdam.


Literarische Merkmale↑

Früh begann Vondel zu reimen, stand dabei aber anfangs ganz in der Tradition der Rederijker, der niederländischen Reimkammern. Deren, wie die Deutsche Biographie schreibt, „schlotteriger Versbau“ und deren unreine Sprache, die bald niedrige, bald fremdsprachliche Wörter mischt, finden sich in seinen frühen Versen wieder. Sein erstes erhaltenes Gedicht war ein Hochzeitsgedicht von 1605.

Ein Grundzug seiner Bühnendichtung zeigt sich schon in seinem ersten gedruckten Drama Het Pascha ofte de Verlossing Israels uit Egypten: der Bezug auf die politischen und kirchlichen Ereignisse seiner Zeit. In diesem Stück steht die Gestalt des Moses für Wilhelm von Oranien, der sein Volk aus der spanischen Herrschaft befreit.

Deutlich ist auch der Einfluss der französischen Dichtung. Als Vorbild diente Vondel besonders der Hugenotte Saluste du Bartas, dessen Bearbeitung des Alten Testaments er nachahmte und aus der er entlehnte, um seine biblischen Helden auszuschmücken. Seine direkten Übersetzungen aus dem Französischen sind laut der Deutschen Biographie allerdings nicht frei von Fehlern und leeren Füllseln; sie wirken zuweilen unklar oder gedehnt.


Rezeption↑

Bereits die ältere Forschung stellte Vondel in die erste Reihe. Die Allgemeine Deutsche Biographie zählt ihn zu den größten Dichtern der Blütezeit Hollands, und bis heute wird er neben Bredero und Hooft als eine der prägenden Gestalten des niederländischen Goldenen Zeitalters angesehen.

Sein Nachleben zeigt sich vor allem in Amsterdam und Köln. Nach ihm sind der Vondelpark in Amsterdam und die Vondelstraße im Kölner Stadtteil Neustadt-Süd benannt. Sein Gesicht war 1973 auf der niederländischen Fünf-Gulden-Banknote abgebildet, und ein Asteroid trägt den Namen (2992) Vondel. Von 1960 bis 2000 vergab die Alfred Töpfer Stiftung F. V. S. den Joost-van-den-Vondel-Preis. Dass sein Werk noch im 21. Jahrhundert erforscht wird, zeigt der 2012 bei Brill erschienene Sammelband Joost van den Vondel (1587–1679): Dutch Playwright in the Golden Age.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (62 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten