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Autoreneintrag · Johann Heinrich Voß
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Porträt Johann Heinrich Voß
Johann Heinrich Voß
1751 – 1826
– Autorenporträt –

Johann Heinrich Voß

1751 – 1826 · 75 Jahre

Übersetzer Homers ins Deutsche und führender Kopf des Göttinger Hainbundes – sein Hexameter prägte für mehr als ein Jahrhundert das deutsche Bild der Antike.

Kurzporträt

Johann Heinrich Voß war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Hochschullehrer. Berühmt wurde er vor allem durch seine Übertragungen Homers ins Deutsche. Seine deutschen Fassungen von Ilias und Odyssee in Hexametern prägten das Homer-Bild im deutschsprachigen Raum und beeinflussten die literarische Sprache nachhaltig. Voß stammte aus einfachsten Verhältnissen in Mecklenburg. Über das Studium in Göttingen stieg er zum führenden Kopf des Göttinger Hainbundes auf. Später arbeitete er als Schulrektor in Otterndorf und Eutin, ehe er als Honorarprofessor nach Heidelberg berufen wurde. Daneben schuf er eigene Idyllen und Lyrik. In seinen späten Jahren kämpfte er leidenschaftlich gegen die Romantiker.


Biografie

Voß kam am 20. Februar 1751 in Sommerstorf bei Waren in Mecklenburg-Schwerin zur Welt. Er war der uneheliche Sohn von Johann Heinrich Voß und der Organistentochter Katharina Dorothea Karsten. Die Eltern heirateten kurz nach seiner Geburt im April 1751. Der Vater, ein ehemaliger Kammerdiener, ließ sich als Zolleinnehmer, Gastwirt und Schulhalter in Penzlin nieder. Der Großvater väterlicherseits war ein aus der Leibeigenschaft entlassener Handwerker. Diese Herkunft aus der untersten Gesellschaftsschicht blieb für Voß zeitlebens prägend, besonders in seinem Urteil über die Französische Revolution und den Adel.

Er wuchs als ältestes von fünf Geschwistern in Penzlin auf und besuchte dort von 1759 bis 1765 die Stadtschule. Durch den Siebenjährigen Krieg verarmte der Vater. Dennoch konnte Voß mit finanzieller Unterstützung von 1766 bis 1769 die Gelehrtenschule in Neubrandenburg besuchen. Weil das Geld für ein Studium fehlte, nahm er anschließend eine schlecht bezahlte Hauslehrerstelle in Ankershagen an. Ermutigt vom Ortspastor Ernst Theodor Johann Brückner sandte er 1771 erste Gedichte an den Göttinger Musenalmanach. Mit dessen Begründer Heinrich Christian Boie trat er in Briefwechsel.

Auf Boies Einladung bezog Voß 1772 die Universität Göttingen. Unter knappen finanziellen Bedingungen studierte er evangelische Theologie und Philologie, vor allem Gräzistik bei Christian Gottlob Heyne. Er wurde einer der Gründer und der führende Geist des Göttinger Hainbundes, des ersten deutschen Dichterbundes. Dieser traf sich oft in seiner Stube in der Barfüßergasse. Dort verkehrte er besonders mit Ludwig Hölty, Johann Martin Miller und Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. Im Juni 1774 trat er der Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen bei. 1786 verließ er sie im Streit mit der Großen Landesloge, weil er die Geheimbündelei für eine Täuschung hielt. Sein Studium brach er ohne Abschluss ab. Von 1774 an redigierte er allein den Musenalmanach, den er bis 1800 herausgab, zwischen 1780 und 1788 gemeinsam mit Leopold Friedrich Günther von Goeckingk. Im selben Jahr nahm er brieflichen Kontakt zu Boies jüngster Schwester Ernestine auf. Er reiste nach Hamburg und Flensburg, um sie und Friedrich Gottlieb Klopstock kennenzulernen.

Voß zog nach Wandsbek in die Nachbarschaft von Klopstock und Matthias Claudius und heiratete 1777 Ernestine. In dieser Zeit arbeitete er vor allem an seiner Odyssee-Übersetzung in deutschen Hexametern. 1778 vermittelte ihm Johann Georg Büsch die Rektorstelle der Lateinschule in Otterndorf im Land Hadeln, dessen freiheitliche Verfassung er schätzte. Im Spätsommer 1781 erkrankte die ganze Familie schwer am Marschenfieber. Das salzhaltige Grundwasser hatte er schon 1780 im Gedicht An den Wind beklagt. 1782 verließ er Otterndorf.

Auf Vermittlung seines Hainbund-Freundes Stolberg übernahm Voß 1782 das Rektorat des Gymnasiums in Eutin, der heutigen Johann-Heinrich-Voß-Schule. 1784 bezog er das Voß-Haus, 1786 wurde er Hofrat. Die Eutiner Jahre wurden seine produktivste Zeit. Hier entstand der größte Teil seiner Übersetzungen Homers, Vergils und Horaz und seiner eigenen Dichtungen. Er reiste viel und knüpfte Kontakte zu Gleim, Goethe, Wieland und Herder. Zu Gast waren bei ihm Klopstock, Claudius, Jens Baggesen, Wilhelm von Humboldt und Friedrich Heinrich Jacobi. Um ihn und Stolberg bildete sich der sogenannte Eutiner Kreis. Das Zerwürfnis mit Stolberg leitete das Ende dieser Zeit ein. 1802 bat Voß um seine Versetzung in den Ruhestand.

Von 1802 bis 1805 lebte er als Privatier in Jena, wo seine Söhne studierten. Trotz Goethes Bemühungen, ihn in der Nähe Weimars zu halten, folgte er 1805 dem Ruf des Großherzogtums Baden auf eine hochdotierte Professur in Heidelberg. Diese Stelle war eine Sinekure und ließ ihm Zeit für seine literarischen und philologischen Arbeiten. Laut der Deutschen Biographie widmete er sich in den folgenden gut zwanzig Jahren vor allem seinen wissenschaftlichen Forschungen und dem Kampf gegen die Heidelberger Romantiker, besonders gegen den Mythenforscher Friedrich Creuzer. 1808 wurde er auswärtiges Mitglied der Bayerischen, 1814 der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Voß starb am 29. März 1826 in Heidelberg und wurde auf dem St.-Anna-Friedhof beigesetzt. Später wurden seine Gebeine auf den Heidelberger Bergfriedhof umgebettet.


Literarische Merkmale

Voß' Bedeutung liegt vor allem in seiner Art zu übersetzen. Laut der Deutschen Biographie entwickelte und perfektionierte er besonders in seiner Homer-Übertragung eine Methode, die sich eng am Original orientierte. Versmaß, Syntax und Wortwahl der Vorlage sollten so genau wie möglich im Deutschen nachgebildet werden. Das Ergebnis war eine poetische Nachbildung der homerischen Sprache im Deutschen, die das Bild Homers hierzulande entscheidend mitprägte. Anerkannt war er auch als Metriker, der über die Zeitmessung der deutschen Sprache schrieb. Die starke Betonung der dichterischen Form brachte ihm allerdings vor allem bei den Romantikern den Vorwurf der Pedanterie ein.

Als Lyriker schuf Voß formal an antiken Mustern orientierte Oden und Elegien. Daneben schrieb er zahlreiche Gedichte, die dem Ideal volksliedhafter Sangbarkeit verpflichtet waren. Sie erschienen teils mit Vertonungen von Johann Abraham Peter Schulz, Johann Friedrich Reichardt oder Carl Philipp Emanuel Bach im Hamburger Musenalmanach.

Neben Friedrich Müller war Voß derjenige, der die Gattung der Idylle entscheidend weiterentwickelte, indem er realistisch-bürgerliche Stoffe aufnahm. Im Rückgriff vor allem auf Theokrit schuf er nicht nur Idyllen, die Landleben und Liebe verklärten. Er schrieb auch sozialkritische Texte, die Leibeigenschaft und Aberglauben anprangerten, teilweise in niederdeutscher Mundart, etwa Die Leibeigenschaft (1775) und De Geldhapers (1777). Im Idyllenzyklus Luise übertrug er die an Homer erprobten Stilmittel auf zeitgenössische bürgerliche Stoffe und schuf damit einen Idealentwurf bürgerlichen Lebens. Seine poetische und moralische Orientierung an der Antike als überzeitlichem Ideal machte ihn zugleich zu einem Wegbereiter des Neuhumanismus im 19. Jahrhundert.


Rezeption

Die größte Wirkung erzielte Voß laut der Deutschen Biographie als Übersetzer. Seine Odyssee erschien 1781, der vollständige Homer 1793, gefolgt von überarbeiteten Fassungen 1802, 1806 und 1814. Seine Übersetzungsmethode beeinflusste die deutsche Dichtungssprache nachhaltig. Die NDB nennt unter den von ihm geprägten Autoren Goethe, August Wilhelm Schlegel, Friedrich von Matthisson, Friedrich Rückert und August von Platen.

Sein Idyllenzyklus Luise (1783/84, erweiterte Buchfassungen 1795, 1807 und 1823) wurde im 19. Jahrhundert in zahlreichen Neuauflagen weit verbreitet und wirkte als prägender Entwurf bürgerlichen Lebens. Auch als Lyriker fand Voß Verbreitung über den Musenalmanach. Dessen Lieder wurden von Komponisten wie Schulz, Reichardt und Carl Philipp Emanuel Bach vertont.

Heftig umstritten war Voß durch seine späte Heidelberger Polemik gegen die Romantiker. Als Sprecher eines aufgeklärten, freiheitlichen Luthertums griff er die Romantiker scharf an, insbesondere Friedrich Creuzer in der zweiteiligen Antisymbolik (1824–1826). Umgekehrt warfen ihm Romantiker pedantische Formstrenge vor. Seine Stellung im akademischen Leben Deutschlands belegen die Aufnahme als auswärtiges Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften 1808 und in die Preußische Akademie der Wissenschaften 1814. Zahlreiche zeitgenössische Künstler porträtierten ihn, darunter Gottfried Schadow, Friedrich Tieck, Johann Friedrich August Tischbein und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Sein Andenken pflegen heute das Johann-Heinrich-Voß-Literaturmuseum in Otterndorf und die nach ihm benannte Schule in Eutin.

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