1795
Luise
Überblick↑
Mit Luise. Ein ländliches Gedicht in drei Idyllen legte Johann Heinrich Voß 1795 ein Versepos vor. Es erzählt in ungereimten Hexametern die einfache Geschichte einer Pfarrerstochter und ihrer Hochzeit. Voß überträgt damit das antike Versmaß Homers auf das deutsche Landleben des späten 18. Jahrhunderts. So schafft er ein Hauptwerk der deutschen Idyllendichtung.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Schauplatz ist das Pfarrhaus im Dorf Grünau. Drei Idyllen schildern drei Tage aus dem Leben Luises, der achtzehnjährigen Tochter des Dorfpfarrers. Die erste Idylle erzählt von ihrem Geburtstag. Die Familie feiert ihn mit einem Picknick am See. Zu den Gästen zählen der junge Theologiekandidat Walter und Luises beste Freundin Amalia. Amalia ist die Tochter der verwitweten Patentante, einer Gräfin aus der Nachbarschaft.
Die zweite Idylle führt einige Zeit später in den Morgen eines aufgeregten Wiedersehens. Die dritte spielt am Vorabend der Hochzeit. Luise ist im Kreis ihrer Liebsten beisammen. Es stehen Vorbereitungen an, die einen unerwarteten Verlauf nehmen.
Voß verbindet schlichte Vorgänge des Landlebens mit einer warmen Darstellung familiärer Eintracht: Essen, Spazieren, Plaudern, Erdbeerensammeln. Wer das Werk noch nicht kennt, kann ohne Sorge vor verratenen Wendungen weiterlesen.
Die Handlung im Detail↑
In der ersten Idylle feiert Luise, die Tochter des Pfarrers von Grünau, ihren achtzehnten Geburtstag. Eingeladen sind ihre Eltern, der Theologiekandidat Walter, der zugleich Hauslehrer eines kleinen Grafen ist, sowie dieser Knabe und Karl, der Bruder Amalias. Auch der Hausknecht Hans gehört dazu. Die verwitwete Gräfin, Luises Patentante, und ihre Tochter Amalia, Luises beste Freundin, können nicht erscheinen. Hans bringt die Eltern in einem Boot zu einem schönen Platz am See, wo das Picknick stattfinden soll. Luise, Walter und Karl gehen zu Fuß und sammeln unterwegs Erdbeeren. Während Karl vorausläuft, küssen sich Walter und Luise. Am Picknickplatz kocht man Kaffee über offenem Feuer, genießt das mitgebrachte Essen und die Natur. Gegen Abend fährt die Gesellschaft gemeinsam im Boot zurück.
Die zweite Idylle setzt einige Zeit später ein. Walter ist inzwischen Pfarrer in Seldorf und mit Luise verlobt. An einem Morgen kommt er zu Besuch. Luise jedoch hat vor Aufregung über das bevorstehende Wiedersehen so unruhig geschlafen, dass sie seine Ankunft verschläft. Auch Amalia trifft ein und bringt als Überraschung einen selbstgenähten Talar und selbstgestickte Beffchen für Walter mit. Endlich weckt die Mutter Luise. Statt sich sorgfältig zu kleiden und zu schmücken, macht sie sich nur notdürftig zurecht und eilt dem Bräutigam in die Arme.
In der dritten Idylle stehen die Hochzeitsvorbereitungen im Mittelpunkt. Das Fest soll am nächsten Tag im Garten der Gräfin gefeiert werden. Am Abend zuvor sind die Gräfin und Amalia bei Luises Familie zu Gast. Luise nimmt die Freundin mit auf ihr Zimmer, um ihr Brautkleid und Brautschmuck zu zeigen. Amalia überredet sie, beides scherzhaft schon jetzt anzulegen und so dem Bräutigam und den Eltern entgegenzutreten. Die beiden Freundinnen sind aufgeregt und zugleich traurig, denn die Hochzeit bedeutet ihre Trennung: Luise wird zu Walter nach Seldorf ziehen. Als der Vater seine Tochter im Brautkleid sieht, ist er von ihrer Schönheit so überwältigt, dass er vorschlägt, nicht bis zum nächsten Tag zu warten, sondern das Paar sogleich zu trauen. Walter und Luise sind überrumpelt, willigen aber ein und werden auf der Stelle getraut.
So wird schon am Polterabend Hochzeit gefeiert. Die Mägde Susanna und Hedewig richten in aller Eile das beste Essen her, dazu wird reichlich Bischof getrunken. Auch Hans und die Mägde sollen mitfeiern; sogar Hund, Katze und das Vieh im Stall werden als Hochzeitsgäste mitgedacht und besonders versorgt. Hans schleicht sich hinaus und holt die Musikanten, die ohnehin für den folgenden Tag proben. Sie bringen dem Brautpaar ein Ständchen und dürfen als Gäste bleiben. So zieht sich die Feier fröhlich bis tief in die Nacht. Luises Mutter und Susanna richten dem Paar das Brautbett her, und unter dem Jubel und Gelächter der Gäste ziehen sich Luise und Walter zurück.
Stil↑
Voß verfasste die Luise in ungereimten Hexametern. Dieses antike Versmaß hatte Homer für seine Epen verwendet. Voß selbst machte es durch seine Homer-Übersetzungen im Deutschen heimisch. Er wendet dieses hohe epische Maß auf das schlichte Leben eines norddeutschen Landpfarrers an. So hebt er das Alltägliche in den Rang der großen Dichtung. Das Werk ist als Folge von drei Idyllen gebaut. Es sind drei in sich geschlossene, bildhafte Szenen aus Luises Leben. Sie sind nicht durch eine durchgehende Spannungshandlung verbunden, sondern durch die Atmosphäre des ländlichen Beisammenseins.
Rezeption↑
Die Luise gilt als Hauptwerk der deutschen Idyllendichtung des späten 18. Jahrhunderts. Sie gilt zugleich als ein wichtiges Bindeglied zwischen Aufklärung und Klassik. Johann Heinrich Voß ist in der Neuen Deutschen Biographie verzeichnet.
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