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Werkseintrag · Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte
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Cover Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte
Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte
1912
– Werkseintrag –

Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte

1912 · Erzählung

Drei Tage, ein junges Paar und der Zug nach Rheinsberg: Kurt Tucholskys leichtfüßiges Debüt von 1912, das den heimlichen Wochenendausflug zweier Verliebter in ein kleines Bilderbuch der Zärtlichkeit verwandelt.

Überblick↑

Mit dieser kleinen Erzählung trat Kurt Tucholsky 1912 erstmals als Literat hervor. Bis dahin hatte er sich einen Namen als Journalist gemacht. Auf knappem Raum schildert er den Wochenendausflug eines unverheirateten jungen Paares ins brandenburgische Rheinsberg. Das Buch verband eine für die damalige Zeit provokante Geschichte mit einem leichten, ironischen Ton. So wurde es zu einem frühen Erfolg des Autors.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Drei Tage lang fahren Claire und Wolfgang mit dem Zug ins ländliche Rheinsberg. Das verliebte Berliner Paar will dem grauen Alltag der Großstadt entkommen. Eine gemeinsame Reise zweier Unverheirateter gilt in jenen Jahren als unschicklich. Deshalb melden sie sich unter dem Decknamen „Ehepaar Gambetta“ an. In Rheinsberg geben sie sich mit ironischer Heiterkeit den üblichen touristischen Vergnügungen hin: Sie besichtigen das Schloss, fahren mit dem Boot über die Seen, bummeln durch die Stadt und gehen in den „Kinematographen“. Die Erzählung lebt weniger von einer großen Handlung als von den kleinen Augenblicken zwischen den beiden – von den Gesprächen, den Beobachtungen und der zärtlichen Ironie ihrer Beziehung.

Die Handlung im Detail↑

Claire und Wolfgang verlassen Berlin für drei Tage und reisen mit dem Zug nach Rheinsberg. Da unverheiratete Paare auf gemeinsame Reisen mit gesellschaftlicher Missbilligung rechnen müssen, geben sie sich als „Ehepaar Gambetta“ aus. Am Ankunftsort wenden sie sich mit einer Prise Spott den üblichen Sehenswürdigkeiten zu: Sie besichtigen das Schloss Rheinsberg und unternehmen eine Bootstour auf den umliegenden Seen. Die unberührte Natur, die sie als Großstadtmenschen kaum kennen, beeindruckt beide. Bei einem nächtlichen Spaziergang werfen sie durch ein erleuchtetes Fenster einen Blick auf einen Ausschnitt aus einem Theaterstück.

Der zweite Tag beginnt mit einem späten Frühstück und führt sie auf einen Spaziergang durch die Stadt. An den Auslagen der Läden bemerken sie, dass auch das Landleben längst von der Modernität erfasst ist. Danach gehen sie zusammen ins Kino, wobei Claire den Film mit unaufhörlichen Fragen begleitet. Am dritten und letzten Tag steigen die beiden noch einmal in ein Boot und nehmen unterwegs eine junge Medizinstudentin namens Lissy Aachner mit. Nach einem abschließenden Spaziergang durch den Park steigen sie wieder in den Zug. Die Erzählung endet mit der Rückkehr „in die große Stadt, in der es wieder Mühen für sie gab, graue Tage und sehnsüchtige Telefongespräche, verschwiegene Nachmittage, Arbeit und das ganze Glück ihrer großen Liebe“.

Stil↑

Der Erfolg des Buches lag zu einem großen Teil an seinem Ton. Tucholsky erzählt leicht, knapp und mit einer durchgehenden, freundlichen Ironie. Die Szenen wirken eher wie kleine Bilder als wie eine durchkomponierte Handlung. Daher stammt auch der Untertitel „Ein Bilderbuch für Verliebte“. Die Sprache ist umgangsnah, und der Dialog spielt eine große Rolle. Über allem liegt ein heiterer Ton. Er trägt die Zärtlichkeit zwischen Claire und Wolfgang ebenso wie den spöttischen Blick auf die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit.

Rezeption↑

Erschienen ist das Buch 1912 im Berliner Axel-Juncker-Verlag. Nach Tucholskys eigener Schilderung wurde es von den Rezensenten überwiegend gut aufgenommen: Die „Vossische Zeitung“ war dafür, die „Breslauer Zeitung“ dagegen, Prag und Riga blieben neutral. Der Illustrator Kurt Szafranski hatte einige Bilder zum Buch beigesteuert. Zusammen mit ihm eröffnete Tucholsky auf dem Berliner Kurfürstendamm eine „Bücherbar“, in der billig Bücher und Alkohol verkauft wurden. Wer eine Ausgabe von Rheinsberg erstand, bekam ein alkoholisches Getränk gratis dazu. Die Aktion wurde berühmt. Aus Anlass der 50.000. verkauften Ausgabe erinnerte sich Tucholsky 1921 in der „Weltbühne“ vergnügt daran. Seit seinem Erscheinen hat sich das schmale Bändchen zu einem Klassiker entwickelt – zu einem Buch, das man Verliebten schenkt.

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