1937
Rickshaw Boy
Überblick↑
Der Roman Rickshaw Boy von Lao She erschien 1937 auf Chinesisch unter dem Titel 駱駝祥子 (Luòtuo Xiángzi), zu Deutsch etwa „Kamel Xiangzi“. Er erzählt das Leben eines Rikscha-Ziehers im Peking der 1920er Jahre. Das Buch gilt als ein Klassiker der chinesischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Xiangzi, ein junger Bauernsohn ohne Eltern, der nach Peking zieht, um sich dort durchzuschlagen. Er ist kräftig, fleißig und hat ein einziges Ziel: eine eigene Rikscha zu besitzen. Von den anderen Rikscha-Männern hält er sich fern, weil sie ihr Geld für Zigaretten und Schnaps ausgeben. Er selbst spart jeden Groschen.
Doch die Verhältnisse der Zeit sind stärker als sein Wille. Soldaten, Polizisten und Geldgeber greifen immer wieder in sein Leben ein. Er findet Arbeit bei einem Universitätsdozenten, der ihn anständig behandelt, aber wenig zahlt. Später gerät er in den Einflussbereich von Viertem Meister Liu, dem Besitzer eines gut gehenden Rikscha-Verleihs, und dessen Tochter Huniu, die zehn Jahre älter ist als er und genau weiß, was sie will.
Zwischen Sparen und Rückschlag, zwischen Stolz und Abhängigkeit bewegt sich Xiangzis Weg durch die Straßen und Mietskasernen der Stadt. Der Roman zeigt an diesem einen Leben, was Armut mit einem Menschen macht, der eigentlich alles richtig machen will.
Die Handlung im Detail↑
Die Erzählung setzt in den 1920er Jahren ein. Xiangzi, ein verwaister Bauernsohn, kommt nach Peking und wird Rikscha-Zieher. Er lebt sparsam, meidet die Geselligkeit der Kollegen und legt jeden Verdienst zurück. Als er endlich genug für eine eigene Rikscha zusammenhat, nehmen ihm Soldaten eines Kriegsherrn das Gefährt weg. Auf der Flucht entdeckt er einige Kamele, die die Soldaten erbeutet haben. Er nimmt sie mit, entkommt und verkauft sie später. Seither hängt ihm der Spitzname „Kamel“ an, den er nicht haben will. Das Geld reicht nicht für eine neue Rikscha, und er muss von vorn beginnen.
Er kommt bei Herrn Cao unter, einem Universitätsdozenten, der wenig zahlt, aber verlässlich beschäftigt und fair behandelt. Cao wird von Ruan Ming, einem seiner Studenten, angezeigt. Im Zuge der Ermittlungen presst der Geheimpolizist Zugführer Sun dem Rikscha-Zieher seine Ersparnisse ab. Wieder steht Xiangzi mit leeren Händen da. Ihm bleibt nur, zu Viertem Meister Liu zurückzukehren, dem Chef eines einträglichen Rikscha-Verleihs.
Dort gerät er zwischen den Vater und dessen berechnende Tochter Huniu. Sie verführt ihn und macht ihm weis, sie erwarte ein Kind von ihm, um eine Heirat zu erzwingen. Später erfährt er, dass sie sich ein Kissen unter den Mantel geschoben hatte. Ihr Vater verstößt sie. Das Paar zieht in einen Mietskasernenhof, wo es immer ärmer wird: Huniu gibt zu viel aus, Xiangzi verdient zu wenig. Huniu freundet sich mit Fuzi an, einer sanften, geduldigen Nachbarin, die ihr trunksüchtiger Vater zur Prostitution gezwungen hat; Huniu vermietet ihr ein Zimmer für die Kundschaft. Bald jedoch wirft sie Fuzi hinaus, weil sie merkt, dass Xiangzi die weit Jüngere liebt.
Als Huniu tatsächlich schwanger wird, bewegt sie sich kaum noch und isst zu üppig, was ihre Gesundheit angreift. An einem Wintertag begegnet Xiangzi einem alternden Rikscha-Zieher und dessen Enkel Xiao Ma. Er kauft den beiden etwas zu essen, und der Traum von der eigenen Rikscha beginnt ihm fragwürdig zu werden.
Huniu stirbt bei der Geburt, das Kind kommt tot zur Welt. Xiangzi ist verzweifelt. Bei Fuzi findet er zunächst Trost, scheut aber eine neue Ehe: Er ist arm, und sie hat zwei jüngere Brüder zu versorgen. Teilnahmslos und niedergeschlagen gibt er sich Alkohol, Tabak und Prostituierten hin. Zu den anderen Rikscha-Männern wird er umgänglicher, bei der Arbeit nachlässiger. Dann fasst er den Entschluss, wieder fleißig zu werden. Er erzählt Herrn Cao sein Leben, und der bietet ihm die alte Stelle an, dazu eine Unterkunft für Fuzi.
Als Xiangzi in den Hof zurückkehrt, in dem er mit Huniu gelebt hat, findet er Fuzis Kammer leer. Bei der Suche trifft er noch einmal den alten Mann, mit dem er einst Mitleid hatte. Der zieht keine Rikscha mehr, sondern ist Hausierer geworden, seit sein Enkel gestorben ist. Sein Hinweis führt Xiangzi zu einem Bordell namens Weißes Landhaus, an das Fuzi verkauft worden war. In einem Wäldchen vor dem Haus hat sie sich erhängt. Diese Kette von Ereignissen zerstört seinen Fleiß und seinen Ehrgeiz endgültig.
Von da an geht es abwärts, bis auf die unterste Stufe der Gesellschaft. Xiangzi spart nicht mehr, sondern gibt sein Geld für Alkohol, Tabak und Bordelle aus. Er wird faul, selbstsüchtig und unehrlich, vernachlässigt sein Äußeres und seine Gesundheit und zieht sich mehrfach Geschlechtskrankheiten zu. Den Traum von der eigenen Rikscha hat er aufgegeben; er verhält sich nun so bedenkenlos wie jene Kollegen, auf die er früher herabsah, und nimmt schlecht bezahlte, bequeme Aufträge an, etwa politische Spruchbänder zu tragen. Als Ruan Ming von einer politischen Gruppe Geld annimmt, um Pekings Rikscha-Zieher gewerkschaftlich zu organisieren, verrät Xiangzi ihn für eine kleine Summe. Seine fortschreitende Krankheit beendet die Arbeit an der Rikscha ganz. Er verdingt sich als bezahlter Trauergast bei Begräbnissen, körperlich vorzeitig verfallen und innerlich gebrochen.
Stil↑
Erzählt wird aus dichter Nähe zu einer einzigen Figur. Alles, was geschieht, erscheint als Erfahrung Xiangzis, und die Stadt Peking wird dabei aus der Perspektive der Straße sichtbar: Mietskasernenhöfe, Verleihstationen, Teehäuser, Bordelle. Der Aufbau folgt einer klaren Linie. Immer wieder arbeitet sich der Held ein Stück nach oben, und immer wieder wird ihm das Erreichte genommen. Diese Wiederholung ist das eigentliche Bauprinzip des Buches.
Bezeichnend ist schon der Originaltitel Luòtuo Xiángzi, „Kamel Xiangzi“. Er verbindet den Namen des Helden mit einem Spitznamen, den dieser gar nicht tragen will. Was andere über ihn sagen, haftet stärker als das, was er selbst sein möchte.
Rezeption↑
Als Klassiker der chinesischen Literatur des 20. Jahrhunderts hat der Roman weit über seine Entstehungszeit hinaus gewirkt. Sein Titel steht bis heute für das Schicksal der städtischen Armen im China der Zwischenkriegsjahre.
Der Stoff wurde auch für andere Künste bearbeitet. Ling Zifeng verfilmte ihn 1982; außerdem entstand eine dramatisch-musikalische Fassung unter dem Originaltitel Luòtuo Xiángzi.
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