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Porträt Lao She
Lao She
1899 – 1966
– Autorenporträt –

Lao She

1899 – 1966 · 67 Jahre

Lao She erzählte in Romanen und Dramen immer wieder von seiner Heimatstadt Peking und wurde 1936 mit dem Roman „Rikschakuli“ berühmt – während der Kulturrevolution gedemütigt und misshandelt, nahm er sich 1966 das Leben.

Kurzbiografie↑

Lao She gehört zu den bekanntesten Schriftstellern des modernen China. Geboren wurde er 1899 in Peking als Shu Qingchun, seiner Herkunft nach war er Mandschure. Seine Romane, Dramen und Erzählungen kreisen fast alle um seine Heimatstadt Peking in ihren verschiedenen Zeitaltern. Berühmt wurde er 1936 mit dem Roman Rikschakuli, der bis heute zu den wichtigsten Werken der neueren chinesischen Literatur gezählt wird. Während der Kulturrevolution wurde er gedemütigt und misshandelt; im August 1966 nahm er sich das Leben.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Lao She in ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater, ein mandschurischer Soldat, kam 1900 ums Leben. Die Mutter hielt die Familie als Putzfrau und Wäscherin über Wasser. Dass der Junge dennoch eine Ausbildung erhielt, verdankte sich einem glücklichen Umstand: Das Pekinger Lehrerseminar, das er von 1913 bis 1918 besuchte, erhob kein Schulgeld und bot freie Kost und Logis.

Nach dem Abschluss arbeitete er als Lehrer. Daneben belegte er an der Peking-Universität das Fach Englisch. Diese Sprachkenntnisse öffneten ihm 1924 den Weg nach England: Er ging als Chinesisch-Lektor an die School of Oriental Studies in London. Fünf Jahre blieb er dort, und in dieser Zeit begann er zu schreiben.

Die Heimreise wurde zu einer langen Fahrt. Drei Monate lang zog er durch Frankreich, Deutschland und Italien. Von Marseille aus fuhr er per Schiff nach Singapur, wo er vorübergehend Chinesisch unterrichtete, um das Geld für die Weiterreise zu verdienen. 1930 kehrte er nach China zurück. In Jinan, der Hauptstadt der Provinz Shandong, wurde er als Professor für Literatur an die Universität berufen. Im Sommer 1931 heiratete er Hu Jieqing, eine Lehrerin, die damals an einer Mittelschule Chinesisch unterrichtete.

Die dreißiger Jahre brachten den literarischen Durchbruch. 1934 erschien mit Hastiggeschriebenes die erste Sammlung seiner Erzählungen. Im September desselben Jahres wechselte er an die Shandong-Universität in Qingdao. 1936 gab er die Lehrtätigkeit ganz auf, um nur noch zu schreiben. Im selben Jahr erschien Rikschakuli, der Roman, der seinen Ruhm begründete.

Der Krieg beendete diese Phase abrupt. Im Juli 1937 musste Lao She mit seiner Familie Qingdao verlassen; gerade war das dritte Kind geboren. Er ging zurück nach Jinan, doch Mitte Oktober musste er auch von dort fliehen und Frau und Kinder zurücklassen. Er gelangte ins Landesinnere, wohin sich die Guomindang-Regierung zurückgezogen hatte. Während des chinesisch-japanischen Krieges leitete er in Chongqing die „Antijapanische Gesellschaft der chinesischen Kunst- und Literaturschaffenden“. Seinen Lebensunterhalt sicherte er in diesen Jahren nur mühsam durch das Schreiben.

Ende 1943 schlug sich seine Frau mit den Kindern zu ihm durch. Was sie ihm von der japanischen Besatzung erzählte, gab den Anstoß zu seinem großen Werk über dieses Thema. Ende 1946 erschienen die ersten beiden Teile von Vier Generationen unter einem Dach, die das Leben in Peking während der japanischen Okkupation von 1937 bis 1940 schildern. Die weiteren Teile entstanden nach Kriegsende teilweise in den USA. Dorthin hatte er 1946 gemeinsam mit dem Dramatiker Cao Yu eine Einladung erhalten.

1949, nach der Gründung der Volksrepublik China, kehrte er auf Einladung von Ministerpräsident Zhou Enlai in sein Land zurück. Das Ende kam mit der Kulturrevolution. Wie die meisten anderen Intellektuellen wurde Lao She terrorisiert, als „reaktionärer Machthaber des Kulturbereichs“ gedemütigt und misshandelt. Am 24. August 1966 schied er aus dem Leben; er ertränkte sich im Pekinger Taiping-See, dem „See des Großen Friedens“. Erst 1978 wurde er posthum rehabilitiert.


Literarische Merkmale↑

Sein Werk ist von beachtlichem Umfang: 16 Romane, 36 Dramen und über 70 Novellen und Kurzgeschichten. Alle diese Texte handeln von Peking, jeweils in einer anderen Epoche. Die Stadt seiner Kindheit blieb sein einziger großer Stoff.

Lao She gehörte zu den Schriftstellern, die die chinesische Umgangssprache zur Literatursprache erhoben. In der chinesischen Literaturgeschichte kam das einer Revolution gleich: Was bis dahin gesprochen, aber nicht geschrieben wurde, fand nun Eingang in den Roman. Sein Stil gilt als scharf und präzise, oft satirisch und humorvoll. Häufig lehnt er sich an chinesische Dialekte an. Genau das macht es Übersetzern schwer, seine Werke in europäische Sprachen zu übertragen. Dennoch zählt er zu den am häufigsten übersetzten chinesischen Autoren.

Auch sein Künstlername ist ein Sprachspiel. Lao She entstand, indem er seinen Nachnamen in dessen beide Schriftbestandteile zerlegte: shě für „aufgeben“ und yú für „Ich“. Der Name bedeutet also „das Ich aufgeben“ – und das „Ich“ hat er dabei tatsächlich aus seinem Namen getilgt.


Rezeption↑

Bekannt wurde Lao She vor allem durch Rikschakuli von 1936. Der Roman wird bis heute als eines der wichtigsten Werke der neueren chinesischen Literatur betrachtet. Er wurde mehrfach verfilmt, und 2014 schuf der Komponist Guo Wenjing eine Opernfassung.

Erst 1978 wurde er posthum rehabilitiert. Heute werden seine Werke in China wieder gelesen und gesehen. Über China hinaus ist er einer der am häufigsten übersetzten chinesischen Autoren, obwohl seine Nähe zur gesprochenen Sprache und zu den Dialekten die Übertragung in europäische Sprachen erschwert.

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