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Werkseintrag · Die Kartause von Parma
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Cover Die Kartause von Parma
Die Kartause von Parma
1839
– Werkseintrag –

Die Kartause von Parma

1839 · Roman

Zwischen Waterloo, Hofintrige und Kerker sucht ein junger italienischer Adeliger seinen Platz – und findet die Liebe an einem Ort, an dem niemand sie erwartet.

Überblick

Der 1839 erschienene Roman von Stendhal gilt als eines der großen Werke des französischen Realismus. Er entstand in nur sieben Wochen. Er verbindet die politische Wirklichkeit Italiens nach den Napoleonischen Kriegen mit einer Liebes- und Karrieregeschichte am kleinen Hof von Parma. Im Mittelpunkt steht der junge italienische Adelige Fabrizio del Dongo. Sein Lebensweg verläuft zwischen Schlachtfeld, Kirchenamt, Gefängnis und Kloster. Schon Honoré de Balzac würdigte das Buch früh als ein Meisterwerk der europäischen Erzählkunst.

Inhalt (ohne Spoiler)

Mailand im Jahr 1796: Napoleons Truppen erobern die Stadt. In der Familie del Dongo trennen sich die Geister. Vater und älterer Bruder trauern den vertriebenen Habsburgern nach. Der junge Fabrizio dagegen begrüßt die Franzosen als Befreier. Seine Mutter und vor allem seine schöne Tante Gina, die ihn heimlich liebt, halten zu ihm.

Mit siebzehn Jahren bricht Fabrizio auf. Er will an der Seite Napoleons in der Schlacht bei Waterloo kämpfen. Seine Hoffnungen auf Ruhm werden bitter enttäuscht. Zurück in Italien holt ihn seine Tante an den kleinen Hof von Parma. Sie ist inzwischen die einflussreiche Herzogin Sanseverina. Dort soll er eine geistliche Laufbahn beginnen, gestützt vom liberalen Premierminister Graf Mosca und vom Erzbischof.

Doch der Hof ist ein Pflaster voller Intrigen. Fabrizio gewinnt mächtige Feinde. Er lässt sich auf Liebesabenteuer ein und gerät in einen Streit. Dieser Streit bringt ihn vor das Gericht und schließlich in größte Gefahr. Im entscheidenden Augenblick begegnet er einer jungen Frau. Sie ergreift sein leichtsinniges Herz zum ersten Mal wirklich.

Die Handlung im Detail

Im Mailand des Jahres 1796 trifft Napoleon auf eine zerrissene italienische Adelswelt. Der Marchese del Dongo und sein älterer Sohn Ascanio bleiben den vertriebenen Habsburgern treu und ziehen sich aufs Land zurück. Der jüngere Sohn Fabrizio dagegen sieht in den französischen Soldaten Befreier von politischer Rückständigkeit. Seine Mutter und seine Tante, die schöne Contessa Gina Pietranera, teilen seine Sympathien, ohne offen Partei zu ergreifen. Stendhal deutet an, dass Fabrizio in Wahrheit der Sohn eines französischen Offiziers namens Robert sein könnte, mit dem die Marchesa eine Liebesgeschichte hatte.

1815 meldet sich der siebzehnjährige Fabrizio als Freiwilliger und gerät in die Schlacht bei Waterloo. Was er sich als Ruhmesweg erträumt hatte, erlebt er als Wirrwarr, Schmutz und Enttäuschung. Zurück in Italien zieht ihn seine Tante, jetzt wieder verheiratet als Duchezza Gina Sanseverina-Taxis, an den Hof von Parma. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber, dem mächtigen und liberalen Premierminister Graf Mosca, und mit dem Erzbischof Landrini bahnt sie ihm eine kirchliche Karriere. Gina selbst gilt als schönste und einflussreichste Frau am Hof, den sie mit prachtvollen Festen an sich bindet. Doch Fabrizios Nähe zu Gina und Mosca beschert ihm auch Feinde: den Herzog von Parma selbst, die Marchesa Raversi und den Generalfiskal Rassi.

Als Fabrizio ein Verhältnis mit der Schauspielerin Marietta beginnt, gerät er in einen Streit mit deren eifersüchtigem Liebhaber Giletti und tötet diesen in einer Schlägerei. Die Gegner am Hof nutzen die Gelegenheit, betreiben einen Prozess und erreichen, dass Fabrizio zu zwölf Jahren Haft verurteilt und in der Zitadelle von Parma eingekerkert wird.

Im Gefängnis verändert sich der bisher leichtfertige junge Mann. Er verliebt sich leidenschaftlich in Clelia Conti, die Tochter des Gefängnisgouverneurs General Graf Conti, und sie erwidert seine Liebe. Mit Hilfe Clelias und Ginas gelingt ihm die Flucht. Clelia jedoch muss gegen ihren Willen den Marchese Crescenzi heiraten, den reichsten Mann am Hof. Gina lässt den Herzog vergiften, und unter dem neuen Herzog, den sie ihrerseits in sich verliebt macht, kann Fabrizio nach Parma zurückkehren. Er erhält seine alten Ämter zurück und wird nach Landrinis Tod selbst Erzbischof. Nach dem kinderlosen Tod seines Bruders Ascanio erbt er außerdem das Familienvermögen, das er großzügig an Bedürftige verteilt. Gina wird Haushofmeisterin der Herzogin-Witwe.

Heimlich nimmt Fabrizio den Kontakt zu Clelia wieder auf. Sie hatte der Madonna gelobt, ihn nie wiederzusehen, und so treffen sich die Liebenden nur in völliger Dunkelheit. Drei Jahre dauert dieses verborgene Verhältnis. Clelia bekommt von Fabrizio ein Kind, das sie als ehelich ausgibt. Dann stirbt das Kind, und bald darauf auch Clelia, die den Tod als Strafe Gottes für ihre Sünde empfindet.

Fabrizio legt nach diesem doppelten Verlust seine Ämter nieder und zieht sich in die Kartause von Parma zurück. Gina hat inzwischen Graf Mosca geheiratet und lebt außerhalb des Herzogtums. Sie besucht Fabrizio Tag für Tag, bis er etwa ein Jahr später stirbt. Kurz nach ihm stirbt auch Gina, die ihn bis zuletzt zärtlich geliebt hat. Der Roman schließt mit der berühmten Widmung „To the Happy Few".

Stil

Stendhal erzählt in einer schlanken, beweglichen Prosa. Sie setzt mehr auf scharfe Beobachtung als auf Ausschmückung. Politische Verhältnisse, Hofintrigen und seelische Regungen werden ohne große rhetorische Geste nebeneinandergestellt. Berühmt ist die Schilderung der Schlacht bei Waterloo aus der verwirrten Sicht eines jungen Augenzeugen. Statt eines heroischen Gemäldes entsteht ein Bild aus Lärm, Rauch und Zufall. Der Held begreift kaum, was um ihn herum geschieht.

Der Roman verbindet historische Wirklichkeit, psychologische Feinzeichnung und ironische Distanz. Die Figuren werden weniger durch lange innere Monologe als durch Handlungen, Gespräche und kleine Beobachtungen sichtbar. Tempo, Wechsel der Schauplätze und ein leichter, oft spöttischer Ton tragen die Erzählung. Die englische Schlussformel „To the Happy Few" unterstreicht den vertraulichen Ton. Mit ihm wendet sich der Autor an einen kleinen, eingeweihten Leserkreis.

Rezeption

Schon kurz nach dem Erscheinen wurde der Roman von einem der bedeutendsten Schriftsteller der Zeit erkannt. Honoré de Balzac widmete ihm 1840 in seiner Zeitschrift Revue parisienne einen begeisterten Essay. Damit stellte er das Buch in die erste Reihe der zeitgenössischen Literatur. Diese frühe Würdigung trug entscheidend dazu bei, dass Stendhals Roman als ein Schlüsselwerk des europäischen Realismus angesehen wurde.

Bis heute gehört das Buch zu den meistgelesenen französischen Romanen des 19. Jahrhunderts. Es hat zahlreiche Bearbeitungen für Kino und Fernsehen angeregt. Dazu gehören der Spielfilm von Christian-Jaque (1948), die Miniserie von Mauro Bolognini und eine italienische Fernsehverfilmung von Cinzia Th. Torrini aus dem Jahr 2012. Auch eine dramatisch-musikalische Bearbeitung gehört zur langen Nachgeschichte des Werks.

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