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Werkseintrag · Das siebte Kreuz
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Das siebte Kreuz
1942
– Werkseintrag –

Das siebte Kreuz

1942 · Roman

Sieben Häftlinge fliehen aus einem Konzentrationslager, der Kommandant lässt für jeden ein Kreuz aufrichten – und der Roman folgt einem von ihnen quer durch die rheinhessische Landschaft des Jahres 1937.

Überblick

Der Roman erzählt von der Flucht aus einem nationalsozialistischen Konzentrationslager. Er gilt als eines der bedeutendsten deutschen Werke über das Leben im "Dritten Reich". Anna Seghers begann die Arbeit 1938 im südfranzösischen Exil. Die Schauplätze konnte sie nicht selbst aufsuchen. Deshalb wählte sie die rheinhessische Landschaft um Mainz und Worms, die sie aus ihrer Kindheit kannte. Als Vorbild für das fiktive Lager Westhofen diente das Konzentrationslager Osthofen bei Worms. Der vollständige Roman erschien 1942 in den USA auf Englisch sowie in deutscher Sprache im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre. Im selben Jahr erschien eine amerikanische Bildfassung. Sie erreichte durch den Abdruck in zahlreichen Zeitungen bis zu zwanzig Millionen Leser.

Inhalt (ohne Spoiler)

Sieben Häftlinge brechen an einem nebligen Herbstmorgen aus einem nationalsozialistischen Konzentrationslager im Rheinhessischen aus. Der Lagerkommandant Fahrenberg schwört, alle binnen sieben Tagen wieder eingefangen zu haben. Er lässt auf dem Appellplatz sieben Platanen kappen und mit Querbrettern versehen – sieben Kreuze, eines für jeden Flüchtigen.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Georg Heisler, einer der Geflohenen. Er schlägt sich durch Dörfer und Felder, klettert über Mauern und versteckt sich hinter Holzstapeln. Er fährt mit Brauereiwagen, Straßenbahn und Fähre. So versucht er, nach Frankfurt zu seiner früheren Geliebten Leni durchzukommen. Jede Begegnung kann Rettung oder Verrat bedeuten, jede Geste eines Fremden Hilfe oder Anzeige.

Während Georg unterwegs ist, blickt der Roman immer wieder auf die übrigen Flüchtigen, auf die im Lager verbliebenen Häftlinge und auf die Menschen draußen: Freunde, Verwandte, Bekannte, denen die Gestapo nachstellt. So entsteht das Bild einer ganzen Gesellschaft unter der Diktatur. In ihr muss sich jeder Einzelne entscheiden, ob er den Flüchtenden hilft, ihn verrät oder wegschaut.

Die Handlung im Detail

An einem nebligen Herbstmorgen fliehen sieben Häftlinge – Georg Heisler, Wallau, Beutler, Pelzer, Belloni, Füllgrabe und Aldinger – während eines Arbeitseinsatzes außerhalb ihres Lagers, nachdem sie einen Wärter niedergeschlagen haben. Hundestaffeln und Scheinwerfer setzen sofort zur Verfolgung an. Beutler wird bald angeschossen und zurückgebracht. Lagerkommandant Fahrenberg lässt das Gebiet absperren und schwört, alle Geflohenen binnen sieben Tagen wieder zu fassen. Er befiehlt, sieben Platanen auf dem Lagerplatz zu kappen und an jeden Stamm ein Querbrett zu nageln. Die im Lager Verbliebenen werden mit drakonischen Strafen belegt, bald übernimmt die Gestapo die Ermittlungen.

Georg kriecht durch ein Abwasserrohr unter einer Fabrik hindurch und gelangt ins nächste Dorf. Er klettert über eine mit Glassplittern bewehrte Mauer einer Berufsschule und verletzt sich dabei an der linken Hand. Aus einem Schuppen stiehlt er die Jacke eines Schülers – ein Erkennungsmerkmal, das seinen Verfolgern bald in die Hände fällt. Um aus dem Dorf zu kommen, nimmt er ein Maschinenteil samt Artikelschein an sich, das ihm als Ausweis dienen soll. In Buchenau rettet er sich hinter einen Holzstapel, während alle Häuser durchsucht werden. In der Nachbarschaft wird Pelzer gefasst und zunächst für Georg gehalten; die Fahndung im Ort wird daraufhin eingestellt, und Georg kann unbehelligt weiter. Auf einem Brauereifahrzeug fährt er ein Stück mit und wird zwischen Oppenheim und Mainz abgesetzt.

Per Straßenbahn erreicht er Mainz und sucht im Dom eine Nische zum Schlafen. Seine abgelegte Sträflingskleidung wird am nächsten Tag gefunden, vom Pfarrer aber verbrannt. Da seine Handverletzung behandelt werden muss, geht Georg in eine jüdische Arztpraxis; er wird beobachtet und gemeldet, auch der Arzt wird denunziert. Rheinabwärts tauscht er die belastende Jacke mit einem Schiffer; als dieser sie verkaufen will, wird sie als Spur identifiziert. Ein Angler, der sich ihm anschließt, führt ihn auf eine Halbinsel; als ein Polizist ihn anspricht, flieht er, kann die Verfolger abschütteln und gelangt durch ein Fabriksgelände zurück in die Stadt. Eine Marktfrau nimmt ihn in ihrem Lastwagen mit und setzt ihn hinter Mainz-Mombach ab. Am nächsten Morgen mischt er sich unter eine Kindergruppe, fährt mit ihnen über den Rhein und gelangt über Höchst nach Frankfurt-Niederrad. Voller Hoffnung klopft er bei seiner früheren Geliebten Leni an – doch sie lebt inzwischen mit einem Nationalsozialisten zusammen, hat ein Kind und tut, als kenne sie ihn nicht. Georg steckt in Eile Essbares ein und verlässt die Wohnung.

Unterdessen wird Georgs Schwiegervater Mettenheimer von der Gestapo vernommen und überwacht, ebenso dessen Tochter Elli, mit der Georg nur kurze Zeit verheiratet war. Ein Verehrer Ellis wird für Georg gehalten, verhaftet und brutal zusammengeschlagen; die Vermieterin kündigt Elli daraufhin die Wohnung. Sie versucht über einen ehemaligen Freund Hilfe zu organisieren, doch der kann nichts ausrichten. In Worms verrät der Trambahnschaffner Bachmann, dem Druck der Gestapo nicht länger gewachsen, den geflohenen Wallau, obwohl die Familien seit Jahrzehnten befreundet sind. Wallaus Frau und seine Schwester werden verhaftet, die Kinder in ein nationalsozialistisches Erziehungsheim eingewiesen. Wallau selbst wird im Lager von Leutnant Bunsen und Scharführer Zillich zu Tode geprügelt.

Georg sucht in Frankfurt eine Adresse auf, die ihm im Lager der Akrobat Belloni beschrieben hatte – Belloni ist bei der Flucht über die Dächer in den Tod gestürzt, nachdem ihm in die Füße geschossen worden war. Frau Marelli, die dort Zirkuskostüme näht, gibt Georg Kleidung und acht Mark, die Belloni ihr zu viel gegeben hatte. Den gelblichen Mantel, den sie ihm überlässt, trägt er bis zum Ende. Ein Versuch, einen alten Bekannten zu erreichen, schlägt fehl. Müde folgt er einer Prostituierten auf ihr Zimmer, wird durch verdächtige Geräusche geweckt und flieht aus dem Fenster. Am Morgen erkennen ihn in einem Schnellrestaurant zwei frühere Bekannte – sie entscheiden sich, ihn trotz der hohen Belohnung nicht zu melden. Am Eschenheimer Turm trifft er zufällig auf Füllgrabe, der sich stellen will und Georg dazu zu überreden versucht. Georg lehnt ab.

Da er alle Familienmitglieder als überwacht weiß, denkt er an seinen alten Freund Paul Röder in Frankfurt-Bockenheim. Röder nimmt ihn herzlich auf, ohne zunächst zu wissen, dass Georg der gesuchte Flüchtling ist. Er versucht zwei Bekannte zu erreichen: Der eine ist gerade nach Westhofen verschleppt worden, der andere hält Paul für einen Gestapo-Spitzel und weist ihn ab. Paul bringt Georg zu seiner Tante Katharina Grabber, die ein Fuhrunternehmen führt und ihn widerwillig, aber ohne Kenntnis seiner Identität einstellt. Aldinger, der älteste der Geflohenen, schafft es bis in die Nähe von Wertheim; in Sichtweite seines Heimatdorfes ereilt ihn ein Herzinfarkt, seine Familie bahrt ihn zu Hause auf, im Ort wird er bestattet.

Über den alten Arbeitskollegen Fiedler, einen Kommunisten, organisiert Paul für Georg ein Quartier bei Dr. Kreß in der Riederwaldsiedlung, der ihn mit dem Auto abholt. Nach einer durchwachten Nacht bringt Fiedlers Frau einen Umschlag mit einem gefälschten niederländischen Pass und etwas Geld. Georg soll sich am nächsten Morgen um halb sechs an der Kasteler Brücke in Mainz auf dem Schleppkahn Wilhelmine einfinden. Kreß setzt ihn in Kostheim ab; Georg vertreibt sich die Zeit im Garten eines Wirtshauses und verbringt die Nacht mit der Frau, die dort bedient.

Pünktlich am nächsten Morgen ist er an der Kasteler Brücke, zeigt dem Wachposten den Pass und gelangt auf den Kahn. Alle anderen Geflohenen sind zu diesem Zeitpunkt gefasst oder tot. Fahrenberg lässt die wieder eingefangenen Häftlinge an die mit Nägeln gespickten Platanen binden. Ein Kreuz bleibt leer. Nach Ablauf der sieben Tage müssen Fahrenberg und sein Adjutant Zillich das Lager verlassen, die neue Leitung lässt alle sieben Bäume sofort fällen. Für die zurückgebliebenen Häftlinge ändert sich an den Grausamkeiten kaum etwas – aber die Gewissheit, dass einem der Sieben die Flucht geglückt ist, lässt sie ihre Lage leichter ertragen. Es wird angedeutet, dass Fahrenberg nach seiner Absetzung Selbstmord begangen haben könnte. Seghers hat das weitere Leben einiger Romanfiguren später in Erzählungen wie Das Ende, Die Saboteure und Vierzig Jahre der Margarete Wolf fortgeschrieben.

Stil

Seghers erzählt aus wechselnden Blickwinkeln. Neben Georg Heislers Flucht stehen Szenen aus dem Lager, aus den Familien der Verfolgten, aus den Wohnungen von Freunden, Bekannten und Zufallsbegegnungen. So entsteht ein dichtes Geflecht aus Einzelschicksalen. Es macht die Diktatur nicht nur am Schicksal eines Einzelnen sichtbar, sondern im Verhalten einer ganzen Gesellschaft.

Die Schauplätze sind genau benannt: Mainz, Worms, Frankfurt-Bockenheim, Riederwald, Oppenheim, Höchst, der Rhein, der Mainzer Dom. Diese topografische Genauigkeit gibt der Fluchtgeschichte eine konkrete, fast greifbare Wirklichkeit. Das fiktive Lager Westhofen ist dem realen Konzentrationslager Osthofen nachgebildet. Dieses befand sich auf einem damals stillgelegten Fabrikgelände nahe Worms.

Das Bild der sieben gekappten Platanen mit ihren Querbrettern – sieben Kreuze, eines für jeden Geflohenen – durchzieht den Roman als Leitmotiv und gibt ihm seinen Titel.

Rezeption

In der DDR gehörte der Roman zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht der Oberschulen. Anna Seghers war von 1952 bis 1978 Präsidentin des Deutschen Schriftstellerverbandes der DDR. Marcel Reich-Ranicki nannte das Buch 1988 ein Meisterwerk der deutschen Literatur und den bedeutendsten deutschen Roman über das Leben im "Dritten Reich". 2002 nahm er es in seinen Kanon der deutschen Literatur auf.

Der Roman Das siebte Kreuz wurde als einziges Werk einer Frau in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Er ist außerdem Teil der ZEIT-Schülerbibliothek. 2015 erschien im Aufbau Verlag erstmals auf Deutsch die Bildromanfassung mit den Originalillustrationen von William Sharp aus dem Jahr 1942. 2018 wählte die Veranstaltungsreihe "Frankfurt liest ein Buch" den Roman für ihre neunte Staffel aus. Diese fand vom 16. bis 29. April im Rhein-Main-Gebiet statt.

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