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Werkseintrag · Das schlafende Heer
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Cover Das schlafende Heer
Das schlafende Heer
1904
– Werkseintrag –

Das schlafende Heer

1904 · Roman

In einem Dorf der Provinz Posen prallen deutsche Siedler und die polnische Bevölkerung aufeinander, und unter der ruhigen Oberfläche wartet die aufgestaute Wut wie ein schlafendes Heer.

Überblick↑

Der Roman Das schlafende Heer von Clara Viebig erschien 1904 und schildert das Zusammenleben von Deutschen und Polen in der preußischen Provinz Posen. Das Buch zählte im Erscheinungsjahr zu den meistgelesenen in Deutschland und wurde auch in den folgenden Jahren stark nachgefragt. Es zeichnet ein vielstimmiges Bild einer Region, in der nationale Spannungen den Alltag prägten.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Erzählt wird vom Leben in einem Dorf der Provinz Posen. Der Rheinländer Peter Bräuer ist mit seiner Familie hierher gezogen, um einen Hof zu bewirtschaften. Um ihn herum entfaltet sich ein breites Personengefüge, überwiegend Polen: ein Lehrer, zwei Priester, eine Adelsfamilie und die einfachen Dorfbewohner.

Besonders hervor tritt der alte Schäfer Kuba Dudek, der sich eine baldige Wiederherstellung des polnischen Staates herbeisehnt. Zwischen den deutschen Neuankömmlingen und der polnischen Bevölkerung liegen tiefe Gräben, die den Alltag im Dorf immer wieder belasten. Der Titel spielt auf eine in der Provinz verbreitete Sage an: von einem schlafenden Heer, das eines Tages wiederkehren werde, um Polen zu befreien. Viebig nutzt dieses Bild als Sinnbild für die aufgestaute Wut in der polnischen Bevölkerung gegenüber der deutschen Herrschaft.

Die Handlung im Detail↑

Im Mittelpunkt steht das Dorfleben in der Provinz Posen, dieser preußischen Region, deren Bevölkerung größtenteils polnisch geblieben war. Der Rheinländer Peter Bräuer kommt mit seiner Familie in dieses Dorf, um einen Hof zu bewirtschaften. Er gehört damit zu jenen deutschen Siedlern, die in einer mehrheitlich polnischen Umgebung Fuß fassen sollen.

Der Roman entfaltet eine Reihe von Ereignissen und stellt zahlreiche Personen vor, vor allem Polen: einen Lehrer, zwei Priester, eine Adelsfamilie und die Dorfbewohner. Als Prototyp eines deutschkritischen Polen wird der alte Schäfer Kuba Dudek gezeichnet. Er sehnt die Wiederkehr des polnischen Staates herbei und verkörpert damit jenes „schlafende Heer“ der Sage – das große Wutpotential, das unter der Oberfläche schlummert.

Die polnische Bevölkerung wird häufig mit unangenehm wirkenden Zügen dargestellt, etwa mit häufigem Alkoholkonsum und nachlässigem Verhalten. Doch auch die Deutschen erscheinen in ihrem Verhalten nicht immer sympathisch. Peter Bräuer macht im Dorf mehrere unangenehme Erfahrungen, und zwar nicht allein mit den polnischen, sondern auch mit den deutschen Bewohnern. Nach drei Jahren verlässt er entnervt wieder das Dorf. Damit fügt sich sein Schicksal in die geschichtliche Wirklichkeit ein: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen zunehmend Deutsche aus der Provinz Posen fort, vor allem wegen der ablehnenden Haltung der polnischen Bevölkerung ihnen gegenüber.

Stil↑

Naturalistisch ist die Erzählweise des Romans: Landschaften, Personen und Ereignisse werden detailliert, fast fotografisch dargestellt. Die Sprache der Figuren richtet sich nach ihrer Herkunft. Die Rheinländer sprechen in ihrem Heimatdialekt, die Polen dagegen in einem fehlerhaften und verkürzten Deutsch, das oft künstlich und konstruiert wirkt.

Emotionale und lyrische Passagen fehlen weitgehend, wodurch der Roman insgesamt trocken wirkt. Die vielen unvorteilhaften Züge der polnischen Bevölkerung schildert Viebig, ohne dass dahinter eine nationalistische Absicht stünde; ebenso werden die Deutschen kritisch gezeigt. Den Stoff bezog die Autorin aus eigener Anschauung: Sie verbrachte die Sommermonate oft bei Verwandten in der Provinz Posen, wo ihr Vater in seiner Jugend lange gelebt hatte, und beobachtete dort das Leben. Zuvor hatte sie mit Das Weiberdorf, Das tägliche Brot und Die Wacht am Rhein mehrere Erfolgsromane veröffentlicht.

Rezeption↑

Sehr positiv fielen die zeitgenössischen deutschen Rezensionen aus. Gelobt wurde der Roman als das erste literarisch anspruchsvolle Werk, das die schwierigen Verhältnisse und die nationalen Spannungen in der Provinz Posen treffend und sachkundig beschreibe. Bemerkenswert war, dass sowohl liberale als auch deutschnationale Rezensenten Zustimmung äußerten: Jeder fand dort seine eigenen Positionen wieder, und die Haltung der Autorin selbst ließ sich gar nicht so leicht erkennen.

Spätere polnische Rezensentinnen lobten einerseits die vielen genauen und neutralen Beschreibungen polnischen Lebens in der Provinz. Andererseits kritisierten sie, dass das Gesamtbild der polnischen Bevölkerung doch recht negativ ausfalle, dass viele Personen stereotyp gezeichnet seien und dass innere Vorgänge zu wenig zur Sprache kämen. Ins Polnische wurde das Buch nie übersetzt, wohl aber ins Englische, Niederländische, Schwedische, Finnische und Italienische. Über Jahrzehnte blieb der Roman im Umlauf; noch 1930 kam eine weitere Auflage heraus, 1940 eine letzte in jener Zeit. Nach langer Pause erschienen 2017 und 2023 neuere Ausgaben.

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