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Werkseintrag · Oestliche Rosen
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Cover Oestliche Rosen
Oestliche Rosen
1822
– Werkseintrag –

Oestliche Rosen

1822 · Lyrik

In seiner umfangreichsten Gedichtsammlung nimmt Friedrich Rückert die Bilder des persischen Dichters Hafis auf – Rose, Nachtigall und Wein – und führt den deutschen Leser in die Mystik der orientalischen Dichtung.

Überblick

Die Gedichtsammlung Oestliche Rosen erschien 1822 in Leipzig und ist die umfangreichste Gedichtsammlung Friedrich Rückerts. Sie entstand aus seiner Beschäftigung mit der persischen Dichtung, vor allem mit dem Werk des Dichters Hafis. Schon das einleitende Gedicht verweist ausdrücklich auf Goethes West-östlicher Diwan. Goethe selbst nahm die Sammlung wohlwollend auf.

Inhalt (ohne Spoiler)

Versammelt sind in dem Band ein einleitendes Gedicht und 356 weitere Gedichte, geordnet in drei sogenannte „Lesen". Rückert greift die Bildwelt der persischen Dichtung auf: die Rose und die Nachtigall, den Wein, die Locken der Geliebten, dazu Liebe und Vergänglichkeit. Er stellt seine Verse ausdrücklich in die Tradition seines Vorbildes Hafis. Zugleich weist er darauf hin, dass sich die mystische Tiefe dieser Dichtung nur dem ernsthaften Leser erschließt. Wer nur nach äußerem Schimmer und Zerstreuung suche, werde ihren Klang nicht hören.

Die Handlung im Detail

Ein einleitendes Gedicht eröffnet die Sammlung und nimmt Bezug auf Goethes West-östlicher Diwan. Rückert stellt Goethe darin als den Mann dar, der schon aus dem Westen den besten Wein geschenkt habe und nun auch den Osten „entmostet".

Auf das Eingangsgedicht folgen 356 Gedichte in drei „Lesen". Die erste Lese umfasst 98 Gedichte, die zweite 91 und die dritte 167. Die große Zahl der dritten Lese ergibt sich aus einer Sammlung von Vierzeilern am Ende des Bandes.

Anders als Goethe, der die gesamte orientalische Dichtung im Blick hatte, richtet Rückert seinen Blick ganz auf Hafis. Mehrfach nennt er ihn unmittelbar beim Namen, etwa wenn er davon spricht, „trunken" „Stellen aus Hafisens Liedern" singen zu wollen. Er übernimmt dessen Sprachbilder von Rose, Nachtigall, Wein und den Locken der Geliebten und macht sie zum Grundstoff seiner eigenen Verse.

Gleich zu Beginn mahnt Rückert, dass die Beschäftigung mit dieser Dichtung Ernst verlange. Nur wer sich vom „Geschwätz von Thoren" löse und nichts anderes suche, könne ihre mystische Dimension erfassen:

„O wie soll der Nachtigallen / Seele denn in's Ohr dir fallen, / Wenn dir immer noch vor Ohren / Summet das Geschwätz von Thoren."

In mehreren Gedichten wahrt Rückert eine kritische Distanz zu religiöser Scheinheiligkeit, ähnlich wie sie im Werk des Hafis anklingt. So dienen ihm Tulpen und Narzissen als Bilder einer natürlichen, berauschenden Schönheit, die sich nach strenger Auslegung schon strafbar mache, ohne den Koran auch nur zu kennen. Ebenso spöttisch weist er die Belehrung durch einen Mönch zurück:

„Mönch! die Predigt schenk' ich dir, / Die mir nicht kann taugen. / Denn es winkt ein Becher mir / Und zwei schöne Augen."

Stil

Prägend für die Sammlung ist die Bildsprache der persischen Dichtung. Rose und Nachtigall, Wein, die Locken der Geliebten sowie Liebe und Vergänglichkeit kehren als feste Motive wieder und verbinden die einzelnen Gedichte zu einem Ganzen. Rückert übernimmt diese Bilder nicht nur, er stellt seine Dichtung offen in die Tradition seines Vorbildes und nennt Hafis am Ende einzelner Gedichte sogar beim Namen.

Der Aufbau ist klar gegliedert: ein Eingangsgedicht, danach drei „Lesen", deren letzte durch eine große Zahl knapper Vierzeiler anschwillt. Über der spielerischen, oft heiteren Tonlage liegt ein ernster, mystischer Grundzug. Rückert verlangt vom Leser Sammlung und innere Ruhe und lässt zugleich einen leichten Spott gegenüber jeder frommen Maßregelung anklingen.

Rezeption

Goethe würdigte die Sammlung positiv in seiner Zeitschrift „Über Kunst und Altertum". Wie sein eigener West-östlicher Diwan blieb auch Rückerts Band zunächst ein Werk für Liebhaber der orientalischen Literatur. In den folgenden Jahren übertrug Rückert zahlreiche Dichtungen der Sprachen des Vorderen und Mittleren Ostens ins Deutsche und führte seine Leser damit weiter in die Mystik der orientalischen Dichtung ein. Annemarie Schimmel würdigte in einer Neuausgabe seiner Übersetzungen unter dem Titel Orientalische Dichtung, dass er die „gesamte Kenntnis seines Jahrhunderts von orientalischer Dichtkunst zusammengefasst und in fast unheimlicher Leichtigkeit in deutsche Poesie" umgesetzt habe.

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