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Werkseintrag · Das Märchen vom Fischer und Fischlein
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Das Märchen vom Fischer und Fischlein
1833
– Werkseintrag –

Das Märchen vom Fischer und Fischlein

1833 · Märchen

Ein armer Fischer fängt einen sprechenden goldenen Fisch und lässt ihn frei – doch seine Frau will immer mehr, und das Meer wird mit jedem Wunsch unruhiger.

Überblick↑

Mit dem Versmärchen Das Märchen vom Fischer und Fischlein griff Alexander Sergejewitsch Puschkin 1833 einen volkstümlichen Stoff auf. Er formte ihn zu einer der bekanntesten Dichtungen der russischen Literatur. Die Geschichte handelt vom armen Fischer, seiner unersättlichen Frau und dem goldenen Fisch. Sie zählt zu Puschkins Reihe gereimter Märchen. Mit ihnen überführte er Erzählmuster der mündlichen Überlieferung in eine kunstvolle literarische Form. Das Werk ist bis heute ein fester Bestandteil der russischen Kindheitslektüre. Es wurde mehrfach adaptiert, unter anderem 1950 in einem farbigen Zeichentrickfilm der sowjetischen Studios Sojusmultfilm. Regie führte Michail Zechanowski.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Am Meer leben ein alter Fischer und seine Frau in ärmlichen Verhältnissen. Er fängt Fische, sie spinnt Garn. Eines Tages gerät dem Alten ein außergewöhnlicher Fang ins Netz: ein goldener Fisch, der menschliche Sprache spricht. Er fleht um seine Freiheit und verspricht im Gegenzug, jeden Wunsch zu erfüllen. Der Fischer lässt ihn ohne Lohn frei und erzählt zu Hause davon. Seine Frau ist empört und schimpft ihn einen Dummkopf. Sie schickt ihn zum Ufer zurück. Er soll den Fisch rufen und um einen kleinen Gefallen bitten: um einen neuen Trog für den zerbrochenen. So beginnt eine Folge von Gängen ans Meer. Die Wünsche der Alten werden dabei immer größer, und das Meer wird von Mal zu Mal unruhiger.

Die Handlung im Detail↑

Der Alte und seine Frau leben in einer ärmlichen Hütte unmittelbar am Meer. Als der Fischer eines Tages den goldenen Fisch ins Netz bekommt, lässt er ihn aus eigenem Antrieb wieder frei, ohne den versprochenen Lohn zu fordern. Die Frau aber schickt ihn zum Ufer zurück. Beim ersten Mal verlangt sie nur einen neuen Trog anstelle des zerbrochenen. Das Meer hat sich da erst leicht gekräuselt; der Fisch erscheint, spricht freundlich „Nicht traurig sein, geh mit Gott“ und erfüllt die Bitte.

Zu Hause findet der Alte tatsächlich den neuen Trog, in dem die Frau Wäsche wäscht. Doch sie kippt das Wasser aus und befiehlt ihm, beim Fisch eine neue Bauernhütte zu erbitten. Auch dieser Wunsch wird erfüllt, doch auch dieses Haus genügt der Alten nicht. Als eine Edelfrau in einer Kutsche vorbeifährt, verneigt sie sich vor ihr und schickt den Mann erneut los: nun will sie selbst eine vornehme Adlige sein.

Aus der Hütte wird ein Herrenhaus. Bedienstete kleiden die Alte in kostbare Gewänder; eine Magd reicht ihr einen frisch geputzten Spiegel. Doch die Frau zerbricht das Glas, weil ihr das eigene Spiegelbild nicht gefällt, und schlägt der Magd ins Gesicht, als diese die Scherben aufhebt. Als der Alte vor das Haus tritt, lässt sie ihn von den Dienern in den Pferdestall führen. Zwei Wochen später muss er die Edelfrau in einer Kutsche mit Dreigespann fahren; ein Hirte verneigt sich vor ihr, die Balken der Brücke springen unter den Rädern. Auf der Fahrt versperrt ein berittener Wachsoldat des Zaren den Weg. Der Alte hält ruckartig an, das linke Hinterrad löst sich, doch der Zar mit seinem Tross zieht weiter, ohne es zu bemerken. Die Alte verneigt sich vor dem vorüberziehenden Zaren, und das Ehepaar bleibt im aufgewirbelten Staub niesend zurück.

Nun verlangt die Frau in zunehmender Raserei, der Fisch solle sie zur Zarin machen. Der Alte versucht ihr abzuraten, doch sie schlägt auch ihn ins Gesicht und treibt ihn los. Aus dem Herrenhaus wird ein Zarenpalast. Die Alte sitzt als Zarin beim Festmahl, umringt von Wachen. Als der Alte sich vor ihr verneigt, gerät sie in Zorn und lässt ihn durch Bojaren, Adlige und Wachen aus dem Palast jagen.

Wieder vergehen zwei Wochen. Die Alte tritt auf den Balkon des Palastes, blickt aufs Meer hinaus und stellt sich vor, selbst Herrscherin der Meere zu sein, der der goldene Fisch zu Diensten steht. In ihrem Wahn schickt sie Höflinge nach dem Alten und befiehlt ihm, beim Fisch eben dies zu erbitten: dass sie „Herrscherin des Meeres“ werde. Der Alte wagt nicht mehr zu widersprechen. Er tritt vor das tobende Meer und ruft den Fisch zum fünften Mal. Doch dieser antwortet nicht. Als der Sturm sich legt, schwimmt der goldene Fisch ohne ein Wort ins Meer hinaus. Der Alte kehrt heim und findet seine Frau wieder vor der alten Erdhütte sitzen, vor dem alten zerbrochenen Trog. Der Film klingt mit Bildern aus dem Prolog zu Puschkins Ruslan und Ljudmila aus, in denen der Kater an seiner Kette entlangschreitet.

Stil↑

Puschkin formt einen Stoff aus der Volksüberlieferung zu einem Versmärchen mit deutlich literarischem Anspruch. Die Erzählung lebt vom Gegenspiel weniger, klar gezeichneter Figuren – des demütigen, fast wortkargen Alten und der maßlosen Alten. Dazu kommt eine streng gestufte Wiederholungsstruktur: fünfmal geht der Fischer ans Meer, fünfmal steigert sich der Wunsch, fünfmal verändert sich das Meer mit. Diese aus dem Märchen vertraute Steigerung verbindet Puschkin mit einer knappen, sprichwortnahen Sprache. In ihr kehren Wendungen wie der Gruß des Fisches („Nicht traurig sein, geh mit Gott“) als feste Formeln wieder. Die Naturbilder zeigen das zunächst leicht gekräuselte, dann unruhige, schließlich stürmende Meer. Sie übernehmen die Aufgabe, das innere Geschehen sichtbar zu machen, ohne dass der Erzähler ein Urteil aussprechen müsste.

Rezeption↑

Das Märchen ist im russischen Sprachraum bis heute fester Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses und der Lektüre für Kinder wie Erwachsene. Sichtbarstes Zeugnis seiner anhaltenden Wirkung ist der farbige musikalische Zeichentrickfilm. Michail Zechanowski schuf ihn 1950 im Studio Sojusmultfilm als Verfilmung der Vorlage von 1833. Diese Bearbeitung brachte das Werk einem breiten sowjetischen Publikum erneut nahe. Sie verband es eng mit den ikonischen Bildern der frühen sowjetischen Animationskunst.

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