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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Cover Farm der Tiere
Farm der Tiere
1945
– Werkseintrag –

Farm der Tiere

1945 · Roman

Eine Fabel, in der die Tiere eines Bauernhofs ihren Bauern verjagen und selbst die Herrschaft übernehmen – mit dem Versprechen, dass von nun an alle Tiere gleich sind.

Überblick↑

Die Fabel Farm der Tiere von George Orwell erschien 1945. Sie erzählt, wie sich die Tiere eines englischen Bauernhofs gegen ihren menschlichen Besitzer erheben, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Nach anfänglichen Erfolgen und beginnendem Wohlstand übernehmen die Schweine die Führung. Am Ende errichten sie eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als jene, die die Tiere abschütteln wollten. Das Werk gilt als Parabel auf die Geschichte der Sowjetunion: Auf eine vom Volk getragene Revolution folgte dort die Diktatur Stalins. In wenigen Kapiteln zeigt Orwell, wie sich eine Befreiung Schritt für Schritt in ihr Gegenteil verkehrt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

In einer Nacht versammeln sich alle Tiere des Bauernhofs, der noch „Herren-Farm“ heißt, in der großen Scheune. Der alte, preisgekrönte Eber Old Major hat einen Traum: Die Tiere sollen das Joch der Unterdrückung abwerfen und nicht länger für den trunksüchtigen Bauern Jones schuften. Er ruft zur Rebellion auf und lehrt sie das Lied „Tiere Englands“. Bald darauf stirbt er. Die Schweine, die als klügste Tiere gelten, formen seine Gedanken zu einer Lehre, die sie Animalismus nennen.

Als der betrunkene Jones eines Tages vergisst, die Tiere zu füttern, kommt es zum Aufstand. Die Tiere jagen den Bauern und seine Knechte vom Hof. Sie benennen ihn in „Farm der Tiere“ um und schreiben die Sieben Gebote des Animalismus an die Scheunenwand. Eines davon lautet: Alle Tiere sind gleich. Zum ersten Mal arbeiten die Tiere nur für sich, und die Ernte gelingt besser als je zuvor.

Doch schon früh beanspruchen die Schweine Vorrechte für sich. Zwischen den beiden führenden Ebern Napoleon und Schneeball wächst der Streit darüber, wie die Farm regiert werden soll. Bald steht die Frage im Raum, ob die schöne neue Ordnung der Gleichheit ihre Versprechen wirklich halten kann.

Die Handlung im Detail↑

Eines Nachts ruft der alte Eber Old Major die Tiere in der Scheune zusammen. Er erzählt von seinem Traum einer Zukunft ohne den Menschen und ruft zur Rebellion auf, ohne sagen zu können, wann sie kommen wird. Er lehrt die Tiere das Lied „Tiere Englands“. Kurz darauf stirbt er. Die klugen Schweine arbeiten seine Lehre aus und nennen sie Animalismus. Besonders drei treten hervor: der wuchtige Eber Napoleon, der einfallsreiche Schneeball und der redegewandte Schwatzwutz.

Der Aufstand kommt überraschend. Der betrunkene Bauer Jones vergisst, die Tiere zu füttern, und diese dringen aus Hunger in die Futterkammer ein. Als Jones und seine Knechte sie mit Gewalt zurücktreiben wollen, jagen die Tiere die Menschen vom Hof. Sie vernichten Ketten, Halfter und Peitschen. Auch einen Gegenangriff aus dem Dorf schlagen sie zurück. Der Hof wird in „Farm der Tiere“ umbenannt, das Farmhaus soll nur als Museum erhalten bleiben. An die Scheunenwand schreiben die Tiere die Sieben Gebote, darunter: Kein Tier soll in einem Bett schlafen, kein Tier soll Alkohol trinken, kein Tier soll ein anderes töten, und alle Tiere sind gleich.

Die erste Ernte gelingt besser als erhofft, weil die Tiere nun für sich selbst arbeiten. Doch bald beanspruchen die Schweine die Milch der Kühe und die Äpfel allein für sich. Schwatzwutz erklärt, das sei für die Gesundheit der Schweine nötig, denn sonst könnte Jones zurückkehren.

Im Winter entzweien sich Napoleon und Schneeball über den Plan einer Windmühle, die Strom liefern soll. Als über den Plan abgestimmt werden soll, stürmen neun große Hunde in die Scheune. Napoleon hat sie heimlich aufgezogen und sich treu ergeben gemacht. Schneeball kann nur knapp fliehen. Napoleon schafft die gemeinsamen Abstimmungen ab; ein Schweinekomitee unter seinem Vorsitz übernimmt die Leitung. Kritik ersticken die Hunde im Keim. Schneeball wird zum Verbrecher erklärt. Drei Wochen später soll die Windmühle doch gebaut werden – angeblich sei sie von Anfang an Napoleons Idee gewesen.

Die Farm nimmt Handel mit den Menschen auf, um Baustoffe zu beschaffen. Die Schweine ziehen ins Farmhaus und schlafen in Betten. Als Zweifel aufkommen, ist das Gebot plötzlich anders in Erinnerung: Kein Tier soll in einem Bett schlafen mit Leintüchern. Herbststürme zerstören die Windmühle, weil die Mauern zu dünn waren. Napoleon aber gibt Schneeball die Schuld und behauptet fortan, dieser sei ein Verräter und Agent von Bauer Jones.

Der Winter bringt Hunger. Die Eier sollen verkauft werden; die aufbegehrenden Hennen werden niedergeschlagen. Auf einer Versammlung werden mehrere Tiere beschuldigt, mit Schneeball im Bunde zu sein, und von den Hunden hingemetzelt. Entsetzt schweigen die übrigen Tiere. Auch das Lied „Tiere Englands“ wird verboten. Kleeblatt fragt nach dem Gebot gegen das Töten – doch es lautet nun: Kein Tier soll ein anderes töten ohne Grund.

Die Tiere arbeiten härter denn je. Ein Stapel Bauholz wird an den Nachbarn Mr. Frederick verkauft, der mit Falschgeld bezahlt. Kurz darauf dringt Frederick gewaltsam ein und sprengt die eben fertige Windmühle. Trotz schwerer Verluste feiert Napoleon die Abwehr als Sieg. Die Schweine finden Whisky, und auch das Alkoholverbot ist plötzlich verändert: Kein Tier soll Alkohol trinken im Übermaß.

Das treue Zugpferd Boxer arbeitet am härtesten, um die Windmühle vor seiner Pensionierung fertigzustellen. Bei einem Unglück wird es schwer verletzt. Die Schweine versprechen, Boxer ins Krankenhaus zu bringen, doch der Wagen, der ihn abholt, gehört dem Abdecker. So verkaufen sie das alte Pferd, um Geld für Whisky zu erhalten. Schwatzwutz behauptet, Boxer sei trotz bester Pflege im Krankenhaus gestorben. Die Farm wird zur Republik ausgerufen, Napoleon als einziger Kandidat zum Präsidenten gewählt.

Jahre später erinnern sich nur noch wenige Tiere an die Rebellion. Die Windmühle mahlt Korn und wirft Gewinn ab, eine zweite ist im Bau. Eines Tages laufen die Schweine auf zwei Beinen und tragen Kleidung. An der Scheunenwand steht nur noch ein einziger Satz. Er hebt die alte Gleichheit auf: Alle Tiere seien zwar gleich, manche aber gleicher als andere. Schließlich kommen die menschlichen Nachbarn zu Besuch, allen voran Mr. Pilkington. Bei einem Festessen loben sich Menschen und Schweine gegenseitig. Doch als Napoleon und Pilkington beim Kartenspiel gleichzeitig ein Pik-Ass ausspielen, bricht Streit aus. Die Tiere schauen von draußen durchs Fenster – und können nicht mehr unterscheiden, wer Mensch und wer Schwein ist.

Stil↑

Das Werk ist als Fabel angelegt: Die Tiere handeln, sprechen und denken wie Menschen und stehen zugleich für etwas anderes. Hinter dem Bauernhof verbirgt sich eine politische Parabel, in der jede Figur und jedes Ereignis eine Entsprechung im Lauf der Geschichte findet. Diese doppelte Lesart macht die Erzählung leicht zugänglich und zugleich vielschichtig.

Ein wiederkehrendes Mittel sind die Sieben Gebote an der Scheunenwand. Sie werden nach und nach heimlich umgeschrieben, immer um einen kleinen Zusatz erweitert. So kann der Leser den schleichenden Verrat der Ideale selbst mitverfolgen, Satz für Satz. Das gleiche Verfahren zeigt sich in den Reden des Schweins Schwatzwutz: Jede neue Ungerechtigkeit rechtfertigt er mit scheinbar vernünftigen Gründen und mit der ständigen Drohung, sonst kehre Bauer Jones zurück. Hier führt Orwell anschaulich vor, wie Propaganda arbeitet.

Die Sprache bleibt dabei schlicht und klar. Wiederkehrende Formeln wie das Lied „Tiere Englands“ oder der Satz von der Gleichheit aller Tiere prägen sich ein und werden im Verlauf ironisch gebrochen.

Rezeption↑

Der Roman gilt als Parabel auf die Geschichte der Sowjetunion. Auf eine vom Volk getragene Revolution folgte dort die Diktatur Stalins – und genau diesen Weg zeichnet die Farm im Kleinen nach. In der DDR durfte das Buch, wie alle Werke Orwells, nicht erscheinen; schon sein Besitz konnte strafrechtliche Folgen haben. Der Stoff wurde mehrfach für Film und Bühne bearbeitet, unter anderem 1954 als Zeichentrickfilm Aufstand der Tiere.

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