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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Mozart auf der Reise nach Prag
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Mozart auf der Reise nach Prag
1855
– Werkseintrag –

Mozart auf der Reise nach Prag

1855 · Novelle

Ein erfundener Tag aus dem Leben Mozarts: Auf der Reise nach Prag macht der Komponist Rast bei einer Verlobungsgesellschaft – und mitten in der Heiterkeit schleicht sich eine leise Ahnung ein.

Überblick

Eduard Mörikes Künstlernovelle aus dem Jahr 1855 schildert einen einzigen Tag im Leben Wolfgang Amadeus Mozarts. Der Komponist ist mit seiner Frau Konstanze auf dem Weg von Wien nach Prag. Dort soll seine neue Oper Don Giovanni uraufgeführt werden. Die Begebenheit selbst ist frei erfunden. Sie knüpft aber an die historische Gestalt Mozarts an. Mörike verbindet in dieser kleinen Erzählung Heiterkeit und Vergänglichkeit. So entsteht eines der bekanntesten Künstlerporträts der deutschen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Herbst 1787 reist Mozart mit seiner Gattin Konstanze in der Kutsche nach Prag. Unterwegs machen sie auf dem Land Rast, nahe dem Schloss des Grafen von Schinzberg. Bei einem Spaziergang durch den Schlosspark gerät der gedankenverlorene Komponist in eine kleine Verlegenheit. Diese führt ihn unverhofft in den Kreis der gräflichen Familie. Im Schloss wird gerade die Verlobung der Nichte Eugenie gefeiert. Mozart und Konstanze fügen sich rasch in die heitere, kultivierte Gesellschaft ein. Der Tag bringt Gespräche, Musik und Begegnungen. Unter der Heiterkeit bricht sich zugleich eine leise, nachdenkliche Stimmung Bahn.

Die Handlung im Detail

Mozart und seine Frau Konstanze sind auf der Reise von Wien nach Prag, wo die Uraufführung der Oper Don Juan bevorsteht. Als sie auf dem Land in der Nähe des Schlosses des Grafen von Schinzberg Rast machen, geht Mozart durch den Schlosspark. Gedankenverloren pflückt er eine Orange vom schönen Pomeranzenbäumchen des Parks und wird dabei vom gräflichen Gärtner überrascht. Die Auseinandersetzung endet damit, dass Mozart einen Brief an die Gräfin schreibt – und daraufhin samt seiner Frau ins Schloss eingeladen wird.

Dort feiert das gräfliche Paar gerade die Verlobung seiner Nichte Eugenie. Mozart und Konstanze fügen sich emotional in den kultivierten Kreis ein, und schließlich spielt der gefeierte Maestro der heiteren Runde aus seiner fast fertigen Oper vor. Während alle die Musik begeistert aufnehmen, überfällt Eugenie eine dunkle Ahnung: Sie spürt, dass dieser Mann sich schnell und unaufhaltsam in seiner eigenen Glut verzehre, dass er nur eine flüchtige Erscheinung auf der Erde sein könne, weil sie den Überfluss, den er verströmen würde, in Wahrheit nicht ertrüge. So ist sie sich seines baldigen Todes innerlich gewiss.

Am nächsten Tag reisen Mozart und Konstanze weiter in Richtung Prag. Vom Grafen haben sie eine Kutsche geschenkt bekommen. Die Novelle schließt mit dem berühmten Mörike-Gedicht Denk es, o Seele!, in dem die Todesahnung Eugenies eine gleichsam prophetische Bestätigung erfährt: Als böhmisches Volkslied vorgestellt, kommt es ihr beim Aufräumen der Noten zufällig in die Hand.

Stil

Mörike verbindet in der Novelle erzählende Prosa und eingelegte Lyrik zu einer kunstvollen Einheit. Die Sprache ist leicht und heiter. Zugleich behält sie die Würde einer Künstlernovelle. Das Schlussgedicht Denk es, o Seele! ist als angebliches böhmisches Volkslied in den Erzählschluss eingefügt. Es gibt der zuvor beiläufig wirkenden Begegnung eine dunkle, ahnungsvolle Tiefe. So entsteht jener Wechsel zwischen Lebensfreude und Todesahnung, der die Novelle prägt.

Rezeption

Die Novelle Mozart auf der Reise nach Prag gilt als eine der bekanntesten Künstlernovellen der deutschen Literatur. Sie zählt zugleich zu den meistgelesenen Werken Mörikes. Besonders das eingebettete Gedicht Denk es, o Seele! hat ein Eigenleben gewonnen. Es wurde zu einem der berühmtesten Gedichte Mörikes.

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