1842
Maskerade
Überblick↑
Bei Maskerade handelt es sich um ein Versdrama in vier Akten von Michail Lermontow. Es entstand um 1835 und erschien 1842 zum ersten Mal im Druck. Auf die Bühne kam es erst 1852. Im Mittelpunkt steht der Spieler Arbenin, der aus Eifersucht und verletztem Stolz zum Verhängnis für seine Frau wird. Das Stück verbindet die glanzvolle Welt der Salons und Maskenbälle mit einer düsteren Geschichte von Misstrauen und Rache.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Arbenin, ein Mann, der das Kartenspiel und die mondäne Gesellschaft genau kennt. Auf einem Maskenball geschieht eine scheinbar harmlose Begebenheit: Eine maskierte Frau schenkt dem jungen Fürsten Swesditsch ein Armband, das sie zuvor gefunden hat. Dieses Schmuckstück setzt eine Kette von Verdächtigungen in Gang.
Als Arbenin daheim bemerkt, dass seiner Frau Nina ein Armband fehlt, keimt in ihm der Verdacht, sie könnte ihn betrogen haben. Gerüchte, Halbwahrheiten und die Eitelkeiten anderer Personen verdichten sich zu einem Netz, aus dem sich Nina nicht mehr befreien kann. Hinter den Masken des Balls und den feinen Umgangsformen der Gesellschaft verbergen sich Eifersucht, Intrige und der Wunsch nach Rache. Das Werk zeigt, wie aus einem Missverständnis und gekränktem Stolz eine ausweglose Lage entsteht.
Die Handlung im Detail↑
Der junge Fürst Swesditsch verliert beim Kartenglücksspiel Pharo sein Geld. Arbenin tritt hinzu und gewinnt es ihm zurück, ohne großen Dank zu erwarten. Sein souveränes Auftreten beeindruckt auch den verschlagenen Sprich, der ihn näher kennenlernen will. Gemeinsam gehen die Männer zu einem Maskenball. Dort lernt der Fürst eine maskierte Frau kennen und möchte wissen, wer sie ist. Sie weicht ihm aus und schenkt ihm nur ein Armband, das sie auf dem Ball gefunden hat und das ihr nicht gehört, bevor sie in der Menge verschwindet. Arbenin wiederum wird von einer anderen Maske ein Unglück für diese Nacht prophezeit. Zugleich verärgert er Sprich, indem er ihn zum Besten hält, und dieser schwört Rache. Als Arbenin kurz vor Mitternacht nach Hause kommt, ist seine Frau Nina noch nicht da. Bei ihrem Gespräch über ihre Liebe bemerkt er, dass ihr ein Armband fehlt, und erkennt, dass auch sie auf dem Maskenball war. Er schwört, ein Betrug wäre das Ende für beide. Nina beteuert ihre Unschuld, doch der Zweifel ist gesät.
Bei der Baronesse Strahl trifft der Fürst auf Nina, die er für die maskierte Frau vom Ball hält. Er verwickelt sie in unzweideutige Gespräche, die sie empört zurückweist. In einem Monolog gibt die Baronesse preis, dass sie selbst Ninas verlorenes Armband gefunden hatte. Um zu verbergen, dass auch sie auf dem frivolen Maskenball gewesen ist, streut sie das Gerücht von einem Rendezvous zwischen dem Fürsten und Arbenins Frau. Der rachsüchtige Sprich hilft ihr und trägt das Gerücht zu Kasarin weiter. Arbenin erhält einen Brief des Fürsten, der eigentlich an Nina gerichtet ist und in dem dieser erklärt, nicht auf sie verzichten zu wollen. Arbenin sucht den Fürsten auf, dem er kurz zuvor noch geholfen hatte, und findet ihn schlafend vor. Er überlegt, ihn zu töten, zögert aber und kommt zu dem Schluss, dass Mord unmodern sei: In der aufgeklärten Zeit seien Wort und Gold Dolch und Gift. Da erscheint die Baronesse verschleiert. Arbenin reißt ihr den Schleier herunter und ist erstaunt, nicht seine Frau zu erkennen. Er hält die Baronesse für eine Kupplerin und geht. Ihr Geständnis, dass sie es war, die dem Fürsten das Armband gab, ruft sie ihm vergeblich nach. Gegenüber dem Fürsten gibt sich die Baronesse als seine Bekanntschaft vom Ball aus, um die Lage zu retten. Der Fürst findet eine Einladung Arbenins, vermutet eine Aufforderung zum Duell und geht dennoch hin. Die Lage eskaliert; nun will der Fürst Arbenin zum Duell fordern, doch dieser lehnt ab und verhöhnt ihn.
Auf einem weiteren Ball wenden sich alle vom Fürsten ab, weil er durch die Ablehnung des von ihm geforderten Duells als ehrlos gilt; er verabschiedet sich. Arbenin und Nina sind ebenfalls anwesend. Nina bittet ihren Mann, ihr Eis zu bringen. Er vergiftet die Portion und fährt mit ihr nach Hause, wo sie stirbt. Bis zuletzt beharrt sie auf ihrer Unschuld, doch Arbenin hält dies für Lüge.
Einen Tag nach ihrem Tod liegt Nina im Haus aufgebahrt. Verwandte kommen zum Abschied, dazu treten ein Unbekannter und der Fürst auf. Der Unbekannte gibt sich als jene maskierte Person aus dem ersten Akt zu erkennen, die Arbenin das Unglück prophezeit hatte. Seine Rache ist persönlich: In jungen Jahren hatte Arbenin ihn zum Spiel verführt, ruiniert und verspottet. Der Fürst hofft endlich auf das Duell, um seine Ehre zurückzugewinnen, doch Arbenin zeigt Anzeichen geistiger Umnachtung, was ein Duell unmöglich macht. Während der Fürst sein ehrloses Schicksal beklagt, triumphiert der Unbekannte über seine gelungene Rache.
Stil↑
Geschrieben ist das Werk in Versen und gliedert sich in vier Akte. Lermontow verbindet die glänzende Welt der Maskenbälle und Spielsalons mit einer von Anfang an dunklen Grundstimmung. Die Maske, die dem Stück seinen Titel gibt, ist mehr als nur Ballschmuck: Sie steht für das Verstellen und Verbergen, das die Figuren auch außerhalb des Festes bestimmt. Hinter höflichen Worten und gesellschaftlichen Formen lauern Misstrauen, Intrige und Rachsucht. Einprägsam ist Arbenins Erkenntnis, dass in der aufgeklärten Zeit nicht mehr Dolch und Gift töten, sondern Wort und Gold. Wiederkehrende Gegenstände wie das verlorene Armband und Motive wie die Prophezeiung des Unglücks verknüpfen die Handlung und treiben sie voran.
Rezeption↑
Vom fertigen Text bis zur ersten Aufführung verging eine lange Zeit: Gedruckt wurde das Stück 1842, doch auf die Bühne gelangte es erst 1852. Besondere Bekanntheit erlangte das Werk später durch die Musik: Aram Chatschaturjan schuf 1941 eine Bühnenmusik dazu, aus der vor allem der Walzer berühmt wurde. Eine Bearbeitung fürs Fernsehen entstand 1968 als Fernsehspiel unter dem Titel Maskerata in der Regie von Ivan Hetrich.
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