1867
María
Überblick↑
Der Roman María stammt von dem kolumbianischen Schriftsteller Jorge Isaacs und erschien 1867 in Kolumbien. Er gilt als einer der bekanntesten hispanoamerikanischen Romane des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird die Liebe zweier junger Menschen auf einer Landgüterwelt im Valle del Cauca. Das Buch machte seinen Verfasser berühmt und wurde über Kolumbien hinaus in ganz Lateinamerika gelesen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Efraín, ein junger Mann, der nach sechs Jahren Ausbildung in Bogotá auf die Hacienda seiner Familie im Valle del Cauca zurückkehrt. Dort lebt María, eine Verwandte, die seine Familie aufgenommen hat. Zwischen den beiden entsteht eine Liebe, die von Anfang an unter Druck steht. María ist schwer krank, und für Efraín ist bereits eine weitere Ausbildung in Europa vorgesehen. So liegt über den gemeinsamen Tagen auf dem Gut stets der Gedanke an eine bevorstehende Trennung. Der Roman erzählt in ruhigen Bildern von dieser Zuneigung, von der Landschaft des Tals und von der Familie, die beide umgibt.
Die Handlung im Detail↑
Nach sechs Jahren der Ausbildung in Bogotá kehrt Efraín auf die Hacienda seiner Familie im Valle del Cauca zurück. Dort begegnet er María wieder, einer Verwandten, die von seiner Familie aufgenommen worden war. Er verliebt sich in sie, und die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit.
Zwei Umstände überschatten die Beziehung. María leidet an einer schweren Krankheit. Und für Efraín ist eine weitere Ausbildung in Europa geplant, die ihn für längere Zeit vom Gut fortführen wird. Efraín reist schließlich nach London. Während seiner Abwesenheit verschlechtert sich Marías Gesundheitszustand zusehends.
Als Efraín erfährt, dass ihre Erkrankung lebensbedrohlich geworden ist, bricht er auf und kehrt nach Kolumbien zurück. Die Heimreise dauert jedoch zu lange: Er erreicht das Gut erst nach Marías Tod. Nach der Beerdigung sucht er noch einmal die Orte auf, die mit gemeinsamen Erinnerungen verbunden sind. Danach verlässt er das Valle del Cauca auf unbestimmte Zeit.
Stil↑
Getragen wird das Buch von der Verbindung zwischen einer Liebesgeschichte und der Landschaft, in der sie spielt. Das Valle del Cauca mit seinen Haciendas bildet nicht bloß Kulisse, sondern prägt den Ton der Erzählung. In die Haupthandlung ist außerdem eine eingeschobene Erzählung um die Figuren Nay und Sinar eingefügt; deren Funktion im Aufbau des Romans hat die Forschung eigens untersucht.
Rezeption↑
Bereits in den ersten beiden Jahren nach dem Erscheinen wurde der Roman zweimal neu aufgelegt. 1877 kam eine Ausgabe in Chile heraus, 1878 eine weitere in Argentinien. Besonders großen Ruhm erlangte das Buch in Mexiko. In den dreißig Jahren zwischen der Erstveröffentlichung und dem Ende des Jahrhunderts wurde es mehr als 25-mal gedruckt und neu aufgelegt. Bis 1974 waren in Lateinamerika insgesamt 164 Ausgaben erschienen. Im 20. Jahrhundert erschienen fast zweihundert Ausgaben bei nahezu allen Verlagen Kolumbiens. Übersetzt wurde der Text neben den westlichen Sprachen auch ins Esperanto, Russische, Japanische und Chinesische. Jorge Isaacs wurde durch dieses Buch berühmt.
Auch außerhalb der Literatur fand der Stoff seinen Weg: Er wurde für Theater, Oper, Zarzuela, Ballett, Fotoromanhefte, Kino und Fernsehen bearbeitet. Isleny Cruz-Carvajal nennt sieben Verfilmungen in unterschiedlichen Formaten sowie eine Fernsehserie. Die früheste bekannte Verfilmung entstand 1918 in Mexiko unter der Regie von Rafael Bermúdez Zataraín; sie gilt als verschollen. Die erste kolumbianische Verfilmung hatte am 20. Oktober 1922 als Stummfilm Premiere. Regie führten gemeinsam der Chilene Alfredo del Diestro (1885–1951), der zugleich das Drehbuch und die künstlerische Leitung übernahm, und der Spanier Máximo Calvo (1886–1973), der als Kameramann fungierte. Von diesem Film sind nur 25 Sekunden Filmmaterial, das Drehbuch und ein Fotoalbum erhalten. Belegt ist er zusätzlich durch zeitgenössische Zeitungsberichte, Briefe und amtliche Dokumente. 1972 folgte eine weitere Verfilmung unter der Regie von Tito Davison.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →