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Porträt Jorge Isaacs
Jorge Isaacs
1837 – 1895
– Autorenporträt –

Jorge Isaacs

1837 – 1895 · 58 Jahre

Kolumbianischer Schriftsteller und Politiker, dessen Liebesroman „María“ von 1867 zu den meistgelesenen Büchern Lateinamerikas zählt.

Kurzbiografie↑

Jorge Isaacs war ein kolumbianischer Schriftsteller und Politiker des 19. Jahrhunderts. Sein Ruhm gründet fast vollständig auf einem einzigen Buch: dem 1867 erschienenen Roman María, der Liebesgeschichte zwischen Efraín und seiner Cousine María. Das Buch zählt zu den meistgelesenen Romanen Lateinamerikas. Neben der Literatur führte Isaacs ein rastloses Leben als Soldat, Abgeordneter, Zeitungsmann, Konsul und Erkunder von Bodenschätzen. Wirtschaftlich blieb ihm der Erfolg versagt, politisch endete er in einem gescheiterten Aufstand.


Biografie↑

Geboren wurde Jorge Enrique Isaacs Ferrer am 1. April 1837 in Cali. Er war eines von fünfzehn Kindern. Seine Mutter Manuela Ferrer Scarpetta war die Tochter eines katalanischen Soldaten und einer Kolumbianerin. Sein Vater George Henry, auf Spanisch Jorge Enrique, stammte aus Jamaika und hatte jüdische Wurzeln. Er war 1822 nach Kolumbien eingewandert, um in der Region Chocó Goldminen auszubeuten.

Ab 1848 besuchte Isaacs das Colegio del Espíritu Santo in Bogotá, das Lorenzo María Lleras leitete. 1853 kehrte er nach Cali zurück, offenbar ohne einen Abschluss erworben zu haben. Während der Revolution von 1854 trat er in die Armee von Oberst Tejada ein und kämpfte gegen die Truppen des Generals José María Melo.

Am 19. November 1856 heiratete er in Cali Felisa González Umaña. Im Bürgerkrieg von 1860 bis 1861 stand er auf Seiten der Regierung und kämpfte gegen die Erhebung des Generals Tomás Cipriano de Mosquera. In dieser Zeit begann er auch Gedichte zu schreiben. Nach dem Tod des Vaters im März 1861 übernahm er die Verwaltung der Familiengüter. Die Bewirtschaftung gelang ihm nicht, und 1863 zog er nach Bogotá.

Im Mai 1864 las Isaacs vor dem angesehenen literarischen Kreis „El Mosaico“ aus seinen Gedichten. Es war sein erster literarischer Erfolg, denn die Gruppe druckte die Verse anschließend. Im selben Jahr begann er mit der Arbeit an María. Im November trat er eine untergeordnete Stelle als Bauinspektor an: Zwischen Cali und Buenaventura entstand damals eine Straße. Ein Jahr später erkrankte er an Malaria und kehrte nach Cali zurück, wo er den Roman weiterschrieb.

Von 1866 bis 1869 saß Isaacs als Abgeordneter im kolumbianischen Kongress. Nebenher betrieb er in Bogotá ein Bekleidungsgeschäft. Im Juni 1867 erschien María. Von Juli bis Dezember desselben Jahres leitete er die konservative Zeitung La República. 1869 und 1870 war er Sekretär des Repräsentantenhauses. In diesen Jahren näherte er sich liberalen Positionen an und wechselte schließlich von den Konservativen zu den Liberalen. Außerdem trat er der Freimaurerei bei.

Von 1870 bis 1872 vertrat Isaacs Kolumbien als Konsul in Chile. Nach seiner Rückkehr erwarb er 1873 die Hacienda „Guayabonegro“ bei Palmira. Wie schon beim Familienbesitz blieb der wirtschaftliche Erfolg aus, und mehrere Jahre lang war er in Rechtsstreitigkeiten verwickelt.

1876 machte ihn sein Cousin César Conto zum Leiter des öffentlichen Bildungswesens im Departement Cauca. Gemeinsam gaben die beiden die Zeitung El Programa Liberal heraus. Im Bürgerkrieg von 1876 bis 1877 kämpfte Isaacs wieder auf Seiten der Regierung. 1877 wurde er Regierungssekretär des Departements Cauca. Unter politischem Druck legte er das Amt 1878 nieder und kehrte als Abgeordneter in den Bundeskongress nach Bogotá zurück.

1879 ging Isaacs in das Departement Antioquia, dessen Präsident sein Freund General Tomás Rengifo war. Dort leitete er kurze Zeit die politische Zeitung La Nueva Era. Am 30. Januar 1880 erklärte er sich selbst zum Präsidenten von Antioquia. Die Zentralregierung erkannte seine Regierung nicht an, und schon am 9. März musste er zurücktreten. Im selben Monat schloss man ihn wegen seiner revolutionären Umtriebe aus dem Kongress aus. Seine Sicht der Dinge legte er in der Schrift La revolución radical en Antioquia dar. Danach zog er nach Ibagué, möglicherweise um die Präsidentschaft in Tolima anzustreben.

1881 veröffentlichte Isaacs das unvollendete Gedicht Saulo und widmete es dem argentinischen Präsidenten Julio Roca. Im September desselben Jahres berief man ihn in eine Kommission, die die Bodenschätze wenig erforschter Gebiete an der Atlantikküste untersuchen sollte. Einen großen Teil des folgenden Jahrzehnts verbrachte er auf Erkundungsreisen. In den Departements Magdalena und Bolívar entdeckte er Kohlevorkommen. 1884 erhielt er von Julio Roca 3.000 Pesos für eine geplante Übersiedlung nach Argentinien, trat die Reise aber nie an. 1886 sicherte man ihm das alleinige Recht zu, die von ihm gefundene Kohle abzubauen; das nötige Kapital brachte er jedoch nicht auf.

1887 veröffentlichte Isaacs eine Studie über die indigenen Völker des Departements Magdalena. 1893 arbeitete er an einer Trilogie historischer Romane. Am 17. April 1895 starb er in Ibagué. Seine sterblichen Überreste wurden 1904 nach Medellín überführt.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Isaacs' Schreiben ist die Verbindung von Romantik und eigenem Erleben. María ist in Teilen autobiografisch: Der Roman erzählt eine tragische Liebesgeschichte. Vor dem Roman stand die Lyrik. Seine Gedichte trugen ihm 1864 den ersten literarischen Zuspruch ein, und noch 1881 legte er mit Saulo ein Versdichtung vor, das allerdings Fragment blieb. Daneben schrieb er politische Streitschriften und eine völkerkundliche Studie über die indigene Bevölkerung des Departements Magdalena.


Rezeption↑

Bekannt wurde Isaacs mit einem einzigen Werk. María gilt als einer der populärsten lateinamerikanischen Romane des 19. Jahrhunderts und zählt bis heute zu den meistgelesenen Romanen des Kontinents. Der Stoff wurde auch fürs Fernsehen verfilmt. Die politischen und wissenschaftlichen Arbeiten Isaacs' blieben demgegenüber ohne vergleichbare Nachwirkung. Wie hoch sein Ansehen in Kolumbien war, zeigt eine Geste neun Jahre nach seinem Tod: 1904 wurden seine sterblichen Überreste von Ibagué nach Medellín überführt.

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