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Autoreneintrag · Panait Istrati
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Porträt Panait Istrati
Panait Istrati
1884 – 1935
– Autorenporträt –

Panait Istrati

1884 – 1935 · 50 Jahre

Vom Vagabunden, der sich als Kellner und Wandermaler durch Europa und den Orient schlug, zum Erzähler, den Romain Rolland den „Gorki der Balkanländer“ nannte – nach zwei Sowjetunion-Reisen rechnete Panait Istrati mit der stalinistischen Diktatur ab.

Kurzbiografie↑

Als Erzähler kam Panait Istrati aus der Armut des rumänischen Brăila, wo er 1884 geboren wurde. Er schlug sich als Kellner, Bäckergehilfe und Wandermaler durch halb Europa und den Orient, ehe er zu schreiben begann. In französischer Sprache schuf er einen Erzählzyklus um die Figur Adrian Zograffi, der ihn bekannt machte; Romain Rolland nannte ihn den „Gorki der Balkanländer“. Zwei Reisen in die Sowjetunion führten zu seiner Abrechnung mit der stalinistischen Diktatur, für die ihn frühere Weggefährten als „Faschisten“ brandmarkten. Krank und gebrochen kehrte er nach Rumänien zurück und starb 1935 an Tuberkulose.


Biografie↑

Geboren wurde Panait Istrati 1884 in Brăila. Seine Mutter war die Wäscherin Joița Istrate, sein Vater der Grieche Georgios Valsamis aus Kefalonia, ein Tabakhändler ohne Konzession. Istrati wuchs zweisprachig auf und beherrschte neben dem Rumänischen fließend das Griechische. Im Dorf Baldovinești nahe Brăila besuchte er sechs Jahre lang die Grundschule, wobei er zweimal sitzenblieb.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er früh mit Gelegenheitsarbeiten. Er war Kellner in einem Cabaret und Gehilfe eines Pastetenbäckers in Kairo und Alexandria. Mit einem Rumänen, dem er in Ägypten begegnet war, arbeitete er mehrere Monate als Dekorations- und Baumaler im Dorf Ghazir im Libanongebirge. Seine Reisen, teils als Landstreicher, führten ihn außerdem nach Istanbul, Neapel, Paris und in die Schweiz. Zugleich war er ein unermüdlicher Leser. 1909 war er vermutlich an der Gründung der Sozialistischen Partei Rumäniens beteiligt.

In tiefster Armut lebend, krank und einsam, unternahm Istrati 1921 auf dem Weg nach Nizza einen Suizidversuch, wurde aber gerettet. Bei ihm fand man einen selbstbekennenden Brief an den Schriftsteller Romain Rolland, der diesem zugestellt wurde. Rolland antwortete ihm sofort. 1923 erschien Istratis Erzählung Kyra Kyralina mit einem Vorwort Rollands, der ihn darin den „Gorki der Balkanländer“ nannte.

1927 reiste Istrati gemeinsam mit Nikos Kazantzakis in die Sowjetunion und besuchte Moskau und Kiew. Eine zweite Reise folgte 1929. Dort erfuhr er nach eigener Darstellung die Wahrheit über die stalinistische Diktatur. Daraufhin entstand sein Buch Auf falscher Bahn. Seine früheren kommunistischen Freunde brandmarkten ihn nun als „Faschisten“.

Seine Bekanntheit in Frankreich setzte Istrati 1935 für den damals noch unbekannten George Orwell ein. Im Vorwort zur französischen Ausgabe von dessen Erstlingswerk Down and Out in Paris and London hob er Orwells „schnörkellose“ Sprache hervor und erinnerte an seine eigene Zeit als Landstreicher. Krank und gebrochen kehrte Istrati schließlich nach Rumänien zurück, wo er 1935 an Tuberkulose starb. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Cimitrul Bellu in Bukarest.


Literarische Merkmale↑

Sein erzählerisches Werk schöpfte Istrati aus dem eigenen Leben zwischen Brăila, Orient und europäischer Landstraße. Er schrieb in französischer Sprache, blieb dabei aber der Welt seiner Herkunft verbunden. Ins Zentrum stellte er die Figur Adrian Zograffi, um die er einen mehrteiligen Erzählzyklus anlegte. Dazu gehören die Bücher Kyra Kyralina, Onkel Anghel und Die Haiduken, ferner Codin, Michail, Der Schwammfischer und Die Disteln des Baragan. Außerhalb dieses Zyklus stehen Erzählungen wie Nerrantsoula und Tata Minca.

Eine andere Seite seines Schaffens sind die Berichte von seinen Reisen durch die Sowjetunion. In drei Büchern über Sowjetrussland – Auf falscher Bahn, So geht es nicht und Russland nackt – verarbeitete er seine Ernüchterung. An George Orwell rühmte er die „schnörkellose“ Sprache, ein Ideal, das auch seine Erinnerung an das Vagabundenleben prägte.


Rezeption↑

Mit dem Vorwort Romain Rollands zu Kyra Kyralina, das ihn den „Gorki der Balkanländer“ nannte, gelang Istrati 1923 der Durchbruch in Frankreich. Seine Erzählungen erschienen in den folgenden Jahren rasch auf Deutsch, vielfach im Verlag Rütten & Loening und später in Ausgaben der Büchergilde Gutenberg. Auch Neuübersetzungen belegen das anhaltende Interesse, so eine von Oskar Pastior aus dem Rumänischen besorgte Fassung von Kyra Kyralina, die 2016 im Verlag Klaus Wagenbach herauskam.

Seine Kritik an der stalinistischen Sowjetunion trug ihm den Bruch mit früheren kommunistischen Weggefährten ein, die ihn als „Faschisten“ beschimpften. In Deutschland wurden seine Schriften im Nationalsozialismus verboten; er ist in der Liste der verfemten Autoren verzeichnet.

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