1892
Barrack-Room Ballads
Überblick↑
Bei den Barrack-Room Ballads handelt es sich um eine Reihe von Liedern und Gedichten von Rudyard Kipling über die britische Armee der späten viktorianischen Zeit. Die meisten sind in der Mundart der einfachen Soldaten geschrieben. Zu der Reihe gehören einige der bekanntesten Werke Kiplings, darunter Gunga Din, Tommy, Mandalay und Danny Deever. Diese Gedichte trugen wesentlich dazu bei, Kiplings frühen Ruhm als Dichter zu festigen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt stehen die einfachen Soldaten der britischen Armee, die in ihrer eigenen, derben Umgangssprache zu Wort kommen. Die Gedichte schildern den Alltag, die Mühen und die Stimmungen der Männer in den Mannschaftsstuben und im Feld. Manche erzählen von fernen Schauplätzen des Empire, andere geben dem gewöhnlichen Mann eine Stimme, der sonst kaum Gehör findet.
Die ersten Gedichte erschienen 1890 im Scots Observer. Gesammelt wurden sie 1892 in dem Band Barrack-Room Ballads and Other Verses. Später kehrte Kipling zu dem Thema zurück: Eine weitere Gruppe von Gedichten erschien 1896 in The Seven Seas, ebenfalls als Mannschaftsstuben-Balladen ausgewiesen.
Die Handlung im Detail↑
Die Reihe besteht aus einzelnen Gedichten und Liedern, nicht aus einer durchgehenden Geschichte. Die Hauptsammlung erschien in den 1890er Jahren in zwei Bänden. Der erste, Barrack-Room Ballads and Other Verses von 1892, war für den Verlag Methuen der erste große verlegerische Erfolg. In beiden Bänden bildeten die Balladen jeweils einen eigenen, von den übrigen Gedichten abgesetzten Abschnitt. Der erste Band wird durch ein Widmungsgedicht („To T.A.“) eröffnet, das Kipling in eigener Stimme spricht; es gehört streng genommen nicht zur Reihe, wird aber oft mit ihr zusammen abgedruckt.
Eine dritte Gruppe von Gedichten erschien 1903 in The Five Nations. Diese Texte griffen das Thema der soldatischen Mundart-Balladen wieder auf, nun mit Blick auf den Burenkrieg. Obwohl sie als „Service Songs“ überschrieben waren, fügen sie sich nach Thema und Ton in die früheren Balladen ein.
Charles Carrington legte 1973 die erste umfassende Ausgabe der Balladen vor. Sie schöpft vor allem aus diesen drei Sammlungen, nimmt aber fünf zuvor nicht unter diesem Titel gesammelte Stücke hinzu. Drei davon stammen aus derselben Zeit: ein titelloses Mundartgedicht aus der Erzählung The Courting of Dinah Shadd (in Life's Handicap, 1891), das Gedicht Bobs (1893) zu Ehren von Lord Roberts sowie The Absent-Minded Beggar (1899), das geschrieben wurde, um für die Familien einberufener Soldaten des Burenkriegs Geld zu sammeln. Die beiden übrigen Stücke entstanden im Ersten Weltkrieg: Epitaphs of the War und Gethsemane, beide 1919 in The Years Between erschienen.
Zur Abgrenzung gehört auch ein verwirrender Umstand: Viele von Kiplings Erzählungen wurden mit einem kurzen Gedichtfragment eingeleitet, das oft als „A Barrack-Room Ballad“ bezeichnet wurde, obwohl nicht alle dieser Stücke sonst zu der Reihe gezählt würden. Welche Gedichte genau dazugehören, lässt sich daher nicht eindeutig festlegen.
Stil↑
Kennzeichnend ist die Mundart der einfachen Soldaten, in der die meisten dieser Gedichte verfasst sind. Statt einer gehobenen Dichtersprache spricht hier der gewöhnliche Mann in seinem eigenen Tonfall. T. S. Eliot hob hervor, wie vielfältig Kipling die Form seiner Balladen gestaltete: Jede sei eigen und genau auf den Inhalt und die Stimmung abgestimmt, die das Gedicht vermitteln solle. Auch die Versführung sei nicht zu gleichmäßig. Kipling nutzte kurze, einfache Strophen und Reimschemata und richtete seine Balladen so ein, dass sich ihre Aussage schon beim einmaligen Hören erfassen ließ.
Rezeption↑
Eine eingehende Würdigung stammt von T. S. Eliot, der 1941 die Auswahl A Choice of Kipling's Verse mit einem Essay über Kipling herausgab. Eliot bemerkte, viele Autoren hätten Verse geschrieben, ohne Dichtung hervorzubringen; bei Kipling sei es umgekehrt gewesen: Er habe Dichtung geschaffen, ohne es eigentlich darauf anzulegen. Das mache ihn zu einem Balladendichter. Eine solche Kunst sei schon 1941 schwerer geworden als zu Kiplings Zeit, da den Menschen die anregende Wirkung der Varietébühne fehle. Eliot rühmte Kiplings „vollendete Gabe für Wort, Wendung und Rhythmus“ und hob hervor, dass er sich nie wiederholte. Die in der Reihe versammelten Gedichte zählen bis heute zu den bekanntesten Werken Kiplings.
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