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Autoreneintrag · Rudyard Kipling
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Porträt Rudyard Kipling
Rudyard Kipling
1865 – 1936
– Autorenporträt –

Rudyard Kipling

1865 – 1936 · 70 Jahre

Britischer Erzähler des Empire – 1907 als erster englischsprachiger Autor mit dem Literaturnobelpreis geehrt, weltberühmt durch das Dschungelbuch und den Roman Kim.

Kurzporträt

Joseph Rudyard Kipling war ein britischer Schriftsteller und Dichter. Sein Name ist bis heute vor allem mit dem Dschungelbuch und dem Roman Kim verbunden. Er gilt als wesentlicher Vertreter der Kurzgeschichte und als hervorragender Erzähler. Auch seine Kinderbücher gehören zu den Klassikern des Genres. 1907 erhielt er als erster englischsprachiger Schriftsteller den Literaturnobelpreis – noch keine 42 Jahre alt, hält er bis heute den Rekord als jüngster Preisträger dieser Kategorie. Andere Ehrungen, etwa die Erhebung zum Poet Laureate und in den Adelsstand, lehnte er ab.


Biografie

Rudyard Kipling wurde am 30. Dezember 1865 im damaligen Bombay in Britisch-Indien geboren. Der heute übliche Stadtname ist Mumbai. Deshalb führt Wikidata diesen Geburtsort, während die Deutsche Biographie an der historischen Form Bombay festhält. Sein Vater John Lockwood Kipling war Lehrer an der Jeejeebhoy-Kunstschule und später Direktor des Museums von Lahore. Seine Mutter Alice, geborene Macdonald, war eine von vier bemerkenswerten Schwestern. Zur weiteren Verwandtschaft gehörten der Maler Edward Burne-Jones und der Politiker Stanley Baldwin. Seinen ausgefallenen Vornamen verdankte Kipling dem Lake Rudyard in Staffordshire, an dem sich seine Eltern verlobt hatten. Der niemals verwendete Vorname Joseph war Familientradition.

In Bombay wuchs der Junge bei einem portugiesischen Kindermädchen und dem Hindu Meeta auf. Englisch empfand er als Fremdsprache. Mit fünf Jahren wurde er mit seiner jüngeren Schwester Trix nach England zu der Pflegefamilie Holloway geschickt, wie es bei vielen anglo-indischen Kindern üblich war. An die strenge Aufsicht in Lorne Lodge erinnerte er sich noch in seiner Autobiographie mit Schrecken. Nur die Weihnachtsbesuche bei der Tante Georgiana Burne-Jones in Fulham milderten die Zeit. 1877 holte die Mutter die Kinder aus der Pflege heraus. 1878 trat Kipling in das United Services College ein, eine Militärschule. Deren Eindrücke gingen später in Stalky & Co. ein.

Ein Stipendium für eine akademische Ausbildung wurde ihm nicht zuerkannt. Der Vater besorgte ihm stattdessen eine Stelle bei der Civil & Military Gazette. So kehrte Kipling am 18. Oktober 1882 nach Indien zurück, zu seinen Eltern nach Lahore. Er arbeitete als Redakteur und begann Lyrik und Erzählungen zu schreiben. Ab Mitte der 1880er Jahre bereiste er den Subkontinent als Korrespondent des in Allahabad erscheinenden The Pioneer. Bis 1888 hatte er sechs Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht, darunter Soldiers Three und die Plain Tales from the Hills. In ihnen hielt er Geschichten aus dem anglo-indischen Milieu fest.

1889 ließ sich Kipling in London nieder, wurde in mehrere renommierte Clubs aufgenommen und schloss Freundschaften mit Henry Rider Haggard und Henry James. Sein erster Roman Das fahle Licht (The Light that Failed) erschien 1890. 1892 heiratete er Caroline Balestier, deren Bruder ein Freund Kiplings war. Aus der Ehe gingen die Kinder Josephine, Elsie und John hervor. Die Familie lebte vier Jahre in den Vereinigten Staaten. Dort schrieb Kipling 1894 und 1895 Das Dschungelbuch und Das zweite Dschungelbuch. Nach Streitereien mit Verwandten kehrte sie nach England zurück. 1897 erschien Captains Courageous, ebenso das Gedicht Recessional zum 60. Thronjubiläum von Königin Victoria – ein warnender Blick auf die Selbstgefälligkeit des Britischen Empire.

Eine Afrikareise führte Kipling zu Cecil Rhodes. 1899 erschien The White Man's Burden, ein Gedicht, dessen Titel zum Synonym des Imperialismus wurde. Im selben Jahr starb seine Tochter Josephine an einer Lungenentzündung. Für sie hatte er die 1902 erschienenen Just so Stories verfasst. 1899 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1901 folgte der Roman Kim, der bis heute als eines seiner bedeutendsten Werke gilt. Das Lieblingsbuch Jawaharlal Nehrus zählt auch in Indien zu den besten literarischen Darstellungen des Landes in der Kolonialzeit. Während des Burenkriegs hielt sich Kipling zeitweise in Südafrika auf. 1907 wurde ihm als erstem englischen Schriftsteller der Literaturnobelpreis verliehen. Es folgten 1906 Puck of Pook Hill und 1910 Rewards and Fairies mit dem berühmten Gedicht If—.

Den Ersten Weltkrieg befürwortete Kipling anfangs entschieden. Er war stark antideutsch eingestellt. 1915 fiel sein 18-jähriger Sohn John in der Schlacht von Loos. Kipling hatte ihm mit einem vorverlegten Geburtsdatum den Eintritt bei den Irish Guards ermöglicht. In tiefem Selbstzweifel schrieb er den Grabspruch „If any question why we died, tell them, because our fathers lied". Nach dem Krieg arbeitete er intensiv bei der Commonwealth War Graves Commission mit. Seine literarische Popularität ging zurück. Der Optimismus früherer Jahre wich einer zunehmend düsteren Haltung. 1932 verfasste er den Text der ersten königlichen Weihnachtsansprache. Umstritten blieb seine Unterstützung für General Reginald Dyer, den Verantwortlichen für das Massaker von Amritsar 1919. Nach einer Darstellung initiierte Kipling eine Spendensammlung für Dyer in der Londoner Gesellschaft. Nach anderen Quellen ging der Aufruf von der Zeitung The Morning Post aus, und Kipling soll selbst nichts eingezahlt haben. Er starb am 18. Januar 1936 im Alter von 70 Jahren an einer Hirnblutung in London. Nach der Einäscherung im Golders Green Crematorium wurde er in der Westminster Abbey beigesetzt. Sein Haus Bateman's in East Sussex ging 1939 an den National Trust und wurde Museum.


Literarische Merkmale

Kiplings Schreiben ist geprägt vom Realismus seiner Erzählungen und von der Fähigkeit, in Lyrik die Rhythmen der Umgangssprache und den Slang etwa von Soldaten meisterhaft zu integrieren. Aus dieser Verbindung von gehobener Form und volkstümlicher Sprache zog er einen Ton. Dieser Ton machte ihn rasch berühmt und übte einen großen Einfluss auf Bertolt Brecht aus.

Sein erzählerischer Schwerpunkt lag auf der Kurzgeschichte, in der er als wesentlicher Vertreter gilt. Daneben schrieb er Romane, Kinderbücher, Reportagen und eine Vielzahl von Gedichten. In Captains Courageous zeigt sich ein kraftvoller Stil, der von Robert Louis Stevenson beeinflusst ist. Diesen übertrifft er aber an Knappheit und Konzentration auf das Wesentliche. Der Ballade The Ballad of East and West liegt das Muster der Border Ballad zugrunde. Sie beginnt mit dem berühmten Vers „Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet".

In den Kinderbüchern verband Kipling Phantasie und Humor mit der Bereitschaft, kindliche Warum-Fragen ernst zu nehmen und auf heitere Weise zu beantworten. Das gilt für das Dschungelbuch ebenso wie für die Just so Stories. Sein Spätwerk wirkt dagegen düsterer. Der Optimismus früherer Jahre wich nach dem Ersten Weltkrieg einer schwermütigeren Haltung. Sie schlug sich in vielen späten Erzählungen nieder.


Rezeption

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte Kipling zu den populärsten englischen Schriftstellern. James Joyce stellte ihn in eine Reihe mit Lew Tolstoi und Gabriele D'Annunzio als Autoren ihrer Zeit mit dem vielversprechendsten Talent. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm seine Popularität jedoch stark ab. Nach seinem Tod geriet sein Werk für einige Jahre in Vergessenheit, mit Ausnahme einzelner Gedichte und der Kinderbücher. Ab den 1970er Jahren begann die Kritik dann zunehmend die Qualität seiner späten Erzählungen zu betonen.

Vor allem das eigentlich auf die USA gemünzte Gedicht The White Man's Burden brachte ihm den Ruf eines kritischen Barden bzw. Propheten des britischen Kolonialismus und Imperialismus ein. George Orwell nannte Kipling einen „good bad poet", einen guten schlechten Dichter. Jorge Luis Borges schrieb, Kipling sei als kritischer Barde des Britischen Weltreichs katalogisiert worden. Das habe an sich nichts Unehrenhaftes, habe aber genügt, seinen Namen zu schmälern. Vor allem in England habe man ihm die ständigen Bezugnahmen auf das Imperium nie ganz verziehen. Douglas Kerr zufolge wird Kipling gerade durch den Rückgang des europäischen Kolonialismus wieder interessant, weil er seine Zeit in ganz eigener Art deutet und mit erzählerischer Gabe nachvollziehbar macht.

Im deutschen Sprachraum, wo Kipling fast nur als Kinderbuchautor bekannt war, begann eine Neubewertung mit der von Gisbert Haefs neu übersetzten Werkausgabe im Haffmans Verlag ab 1987. Seine Bücher wurden mehrfach verfilmt, etwa Der Mann, der König sein wollte (1975) durch John Huston. Der Film Aufstand in Sidi Hakim (1939) ging auf das Gedicht Gunga Din zurück. Den größten Bekanntheitsgrad dürfte der Zeichentrickfilm Das Dschungelbuch der Walt-Disney-Studios von 1967 erlangt haben. Auch Kiplings Tochter-Gedicht My boy Jack wurde 1997 von David Haig zu einem Theaterstück und 2007 zu einem Film verarbeitet.

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