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Autoreneintrag · Søren Kierkegaard
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Porträt Søren Kierkegaard
Søren Kierkegaard
1813 – 1855
– Autorenporträt –

Søren Kierkegaard

1813 – 1855 · 42 Jahre

Dänischer Philosoph und religiöser Schriftsteller, der unter wechselnden Pseudonymen das einzelne Ich ins Zentrum rückte und vielfach als Wegbereiter der Existenzphilosophie gilt.

Kurzporträt

Zu den bekanntesten Denkern des 19. Jahrhunderts zählt der dänische Philosoph, Theologe und religiöse Schriftsteller Søren Kierkegaard. Er wurde am 5. Mai 1813 in Kopenhagen geboren und starb dort am 11. November 1855. Den größeren Teil seiner Werke veröffentlichte er unter wechselnden Pseudonymen wie Victor Eremita, Johannes de Silentio oder Anti-Climacus. In ihnen zeigte er sich als Verfechter eines wahren Christentums gegen die bloße Gewohnheit der etablierten Kirche. Ein weiteres Drittel seines gedruckten Werks bilden Predigten und religiöse Reden, die er unter eigenem Namen herausgab. Kierkegaard gilt als einer der bedeutendsten dänischen Philosophen und als herausragender Prosa-Stilist. Vielfach wird er als Wegbereiter der Existenzphilosophie oder gar als deren erster Vertreter aufgefasst. Er zählt zu den wichtigen Vertretern von Dänemarks Goldenem Zeitalter.


Biografie

Arm an äußeren Ereignissen, dafür reich an inneren Konflikten – so lässt sich Kierkegaards Leben beschreiben. Es spielte sich fast ausschließlich im damals kaum mehr als 100.000 Einwohner zählenden Kopenhagen ab. Zeitlebens war er ein tief religiöser, introspektiver und schwermütiger Mensch. Seine seelischen Konflikte schlugen sich in umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen nieder.

Geboren wurde er als jüngstes von sieben Kindern des Großkaufmanns Michael Pedersen Kierkegaard (1756–1838). Dieser stammte aus ärmsten jütischen Bauernverhältnissen und war in Kopenhagen durch den Wollwarenhandel vermögend geworden. Der Vater war zur Zeit seiner Geburt bereits 56 Jahre alt. Die Mutter, Ane Sørensdatter Lund Kierkegaard (1768–1834), hatte vor der Ehe als Magd im Haushalt gedient. Der streng religiöse, grüblerische Vater übte großen Einfluss auf die geistige Entwicklung seines Sohnes aus. Bis 1835 starben fünf der sieben Kinder, 1834 auch die Mutter. Das verfestigte im Vater den Glauben, von Gott für frühere Sünden bestraft zu werden. Den Tod des Vaters 1838 schilderte Kierkegaard in seinen Aufzeichnungen als „großes Erdbeben“. Das Erbe von 30.000 Reichstalern sicherte fortan seine wirtschaftliche Existenz. So musste er nie einem Broterwerb nachgehen. Noch im Todesjahr des Vaters erschien seine erste Schrift Papiere eines Überlebenden.

Kierkegaard erwarb das Abitur an der Borgerdydskole. 1830 begann er an der Universität Kopenhagen ein Studium der Philosophie, unter anderem bei Poul Martin Møller, sowie der protestantischen Theologie. Lange Zeit nahm er das Studium nicht ernst und zog Vergnügungen vor. Am 1. August 1835 schrieb der 22-Jährige im Fischerdorf Gilleleje einen vielzitierten Tagebucheintrag. Darin suchte er nach einer Wahrheit, „die Wahrheit für mich ist, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will“. Vielen gilt dieser Eintrag als Beginn der Existenzphilosophie. Erst die Ermahnungen und schließlich der Tod des Vaters brachten ihn dazu, seine Studien ernsthaft fortzusetzen. 1840 schloss er mit der theologischen Staatsprüfung ab. 1841 erwarb er den Magistergrad mit einer Dissertation über den Begriff der Ironie mit ständiger Hinsicht auf Sokrates.

Im Frühjahr 1837 begegnete er der damals 15-jährigen Regine Olsen (1822–1904). Im September 1840 verlobte er sich mit ihr, zweifelte aber schon bald an seiner Fähigkeit, sie glücklich zu machen. Im August 1841 löste er die Verlobung aus religiösen Gründen und unter Verweis auf seine Schwermut. Dazu schickte er Regine einen Brief mit dem beigelegten Verlobungsring. Er heiratete nie wieder und näherte sich offenbar nie wieder einer Frau. Regines spätere Vermählung mit dem Beamten Johan Frederik Schlegel 1847 traf ihn schwer. Ihre Bedeutung für sein Werk ist kaum zu überschätzen. Besonders die 1845 erschienenen Stadien auf dem Lebensweg verarbeiten diese Beziehung literarisch.

Im Oktober 1841 reiste Kierkegaard nach Berlin. Dort hörte er vor allem Vorlesungen Schellings und arbeitete an seinem ersten großen Werk. Von Schelling enttäuscht, kehrte er Anfang März 1842 nach Kopenhagen zurück. 1843 reiste er erneut nach Berlin und bezog dasselbe Quartier am Gendarmenmarkt. Diese Erfahrung floss in die Schrift Die Wiederholung ein.

Seine Hauptwerke erschienen zwischen 1843 und 1846. Sie wurden sämtlich auf eigene Kosten gedruckt, sodass er von Verlagen unabhängig blieb. 1843 machte ihn Entweder – Oder unter dem Pseudonym Victor Eremita schlagartig bekannt. Im selben Jahr folgten Furcht und Zittern und Die Wiederholung. 1844 erschienen Philosophische Brocken und Der Begriff Angst, 1846 die Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift. Mit ihr war die erste Phase seines Schaffens abgeschlossen.

Statt der erwogenen Pfarrstelle nahm zunächst die Fehde mit dem Satireblatt Corsaren seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Kierkegaard hatte dessen Mitarbeiter Peder Ludvig Möller scharf angegriffen. Der Herausgeber Meïr Aron Goldschmidt revanchierte sich mit Spottartikeln und Karikaturen, die Kierkegaards als Buckel erkennbare Wirbelsäulen-Verletzung überbetonten. Bald wurde er auf offener Straße verhöhnt. Die Angriffe erschütterten ihn und bestärkten ihn in der Rolle eines Märtyrers.

Im zweiten Teil seiner Verfasserschaft trat das unmittelbar Religiöse hervor. 1847 erschien Taten der Liebe, dazu Erbauliche und Christliche Reden. Der Revolution von 1848 begegnete er mit Verachtung. Sie schmälerte zudem den Wert seines Vermögens, sodass seine letzten Jahre zunehmend von finanziellen Sorgen geprägt waren. 1849 und 1850 erschienen unter dem Pseudonym Anti-Climacus seine beiden letzten großen Schriften, Die Krankheit zum Tode und die Einübung in das Christentum. 1851 folgte mit Zur Selbstprüfung, der Gegenwart anempfohlen sein letztes Buch.

Kierkegaards letzte Jahre waren von einer religiösen Radikalisierung geprägt. Seine Bewunderung für Bischof Jacob Peter Mynster, der für ein gemäßigtes, bürgerliches Christentum eintrat, schwand. Anfang 1854 nannte der Theologieprofessor Hans Lassen Martensen den verstorbenen Mynster einen „Wahrheitszeugen“. Daraufhin brach Kierkegaard Ende 1854 in der Zeitung Fædrelandet sein Schweigen und griff die dänische Staatskirche immer schärfer an. Ab Mai 1855 gab er die Zeitschrift Der Augenblick heraus, von der zehn Nummern erschienen. Am 2. Oktober 1855 erlitt er auf der Straße einen Zusammenbruch und kam ins Frederiks-Hospital. Dort starb er am 11. November 1855 im Alter von 42 Jahren, die Kommunion verweigernd. Als Todesursache gilt eine Tuberkulose, die sich auf den Rückenmarkskanal ausgebreitet hatte. Er liegt auf dem Assistenzfriedhof im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro begraben.


Literarische Merkmale

Bezeichnend für Kierkegaards Schreiben ist die durchgängige Verwendung von Pseudonymen wie Anti-Climacus, Johannes Climacus, Victor Eremita, Vigilius Haufniensis oder Johannes de Silentio. Sie dienten weniger der Verschleierung der Verfasserschaft, die in Kopenhagen rasch gelüftet war. Vielmehr zeigten sie eine innere Distanz zu Schriften an, die nicht zwangsläufig seine eigenen Überzeugungen ausdrückten. Die religiösen Werke hingegen, in denen er für das „wahre Christentum“ kämpfte, gab er folgerichtig unter eigenem Namen heraus.

Kierkegaard gilt als bedeutender Prosa-Stilist. Sein Werk lässt sich grob in dichterisch-philosophische und religiöse Schriften unterteilen. Furcht und Zittern etwa ist in einer lyrischen Prosa abgefasst, jedoch nicht ohne Humor und Ironie. Auch der Aufbau spielt mit der Form. Der Schlussteil von Entweder – Oder hat die Gestalt einer Predigt. Und die Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift besitzt trotz ihres Titels etwa den sechsfachen Umfang der vorangegangenen Philosophischen Brocken. Neben den für die Öffentlichkeit bestimmten Büchern stehen die sehr umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen. In ihnen hielt er die Um- und Abwege seines Lebens fest. Sie erschienen postum als Teil seines Gesamtwerks.


Rezeption

Sein Erstlingswerk Entweder – Oder wurde von der Kritik durchaus positiv aufgenommen. Davon abgesehen stießen Kierkegaards Werke bei seinen Zeitgenossen größtenteils auf Unverständnis. Die Corsaren-Affäre, in der er öffentlich verspottet wurde, ging in die dänische Geistesgeschichte ein. Seine Schriften ließ er ausnahmslos auf eigene Kosten drucken und lebte in weitgehender Isolation. Auch das prägte seine Wirkung zu Lebzeiten.

Über Dänemark hinaus wird Kierkegaard vielfach als Wegbereiter der Existenzphilosophie oder gar als deren erster Vertreter aufgefasst. In der Deutschen Biographie erscheint er in den Artikeln zahlreicher Theologen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, darunter Karl Barth, Rudolf Bultmann, Romano Guardini und Friedrich Dürrenmatt. Regine Olsen, die 1904 starb, verfolgte den Nachruhm und die Rezeption Kierkegaards in Dänemark, Deutschland und anderen Ländern mit großem Interesse. Später arbeitete sie bereitwillig mit Biographen zusammen.

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