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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Alexander Lange Kielland
Alexander Lange Kielland
1849 – 1906
– Autorenporträt –

Alexander Lange Kielland

1849 – 1906 · 57 Jahre

Einer der „Großen Vier“ der norwegischen Literatur des 19. Jahrhunderts – ein sozialkritischer Realist, der die Kluft zwischen Arm und Reich anprangerte.

Kurzbiografie↑

Alexander Lange Kielland gehört zu den bekanntesten norwegischen Erzählern des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1849 in Stavanger geboren und starb 1906 in Bergen. Schon zu Lebzeiten zählte man ihn zu den sogenannten „Großen Vier“ der norwegischen Literatur – neben Henrik Ibsen, Bjørnstjerne Bjørnson und Jonas Lie. In seinen sozialkritischen, oft satirischen Romanen griff er die Klassenunterschiede seiner Zeit an. Sein bekanntester Roman Garman & Worse erschien 1880.


Biografie↑

Aus einem einflussreichen, wohlhabenden Kaufmannsgeschlecht stammend, wurde Kielland am 18. Februar 1849 in Stavanger geboren. Sein Vater Jens Zetlitz Kielland war Rentier und Konsul, seine Schwester Kitty Lange Kielland als Malerin erfolgreich. Sein Studium der Rechtswissenschaften beendete er 1871 mit dem Staatsexamen in Christiania (dem heutigen Oslo). Ein Jahr später heiratete er Beate Ramsland und ließ sich in seiner Heimatstadt als Besitzer und Leiter einer kleinen Ziegelei nieder, die er bis 1881 betrieb.

Angespornt von der Idee eigenen literarischen Schaffens, ging er 1878/79 nach Paris, um Autor zu werden. Auf der Weltausstellung begegnete er Bjørnstjerne Bjørnson, der seine Schreibversuche unterstützte und einen Herausgeber für die Kurzprosasammlung Novelletter (1879) fand. Ab 1881 verbrachte er zwei Jahre in Kopenhagen, wo er engen Kontakt zu den Literaturwissenschaftlern Edvard und Georg Brandes hielt.

Im Jahr 1885 stand Kielland im Mittelpunkt einer langen Debatte, als ihm das norwegische Storting ein sogenanntes Dichterstipendium verweigerte, das die Autorenkollegen Jonas Lie und Bjørnstjerne Bjørnson für ihn beantragt hatten. Die norwegischen Volksvertreter sahen die Ruhe und Ordnung im Land durch die inzwischen deutlich zeitkritischen Schriften Kiellands gefährdet.

Von 1888 bis 1890 übernahm er das Bürgermeisteramt in Stavanger, ab 1902 war er Bezirksamtmann der Stadt Molde im Fylke Møre und Romsdal. Zwischenzeitlich arbeitete er als Redakteur bei der Zeitung Stavanger Avis. Seit längerer Zeit gesundheitlich belastet, starb er am 6. April 1906 in Bergen. Im Jahr 1928 errichtete ihm die Stadt Stavanger ein Denkmal; der Alexander Kiellands plass in Oslo ist nach ihm benannt.


Literarische Merkmale↑

Zu den Autoren des Modernen Durchbruchs in Skandinavien gehörend, verschrieb sich Kielland dem konsequenten Realismus. Wie seine literarischen Mitstreiter setzte er sich sozialkritisch mit den Klassenunterschieden der damaligen Gesellschaft auseinander. Seine Kritik brachte er mittels scharfer Kontraste und typisierender Personendarstellungen zum Ausdruck. Hauptangriffspunkte waren das einseitig ausgerichtete Schulwesen, die herzlose Bürokratie des Beamtentums, die Heuchelei in Kirche und Bürgertum, vor allem jedoch die Kluft zwischen arm und reich.

Seine häufig satirischen Romane enthalten neben der Gesellschaftskritik oft wertvolle kulturhistorische Schilderungen des Wirtschaftslebens seiner engeren Heimat. Das relativ schmale Gesamtwerk, das Einflüsse von Charles Dickens und Iwan Sergejewitsch Turgenew aufweist, entstand in der kurzen Zeitspanne zwischen 1879 und 1891. Gerade mit dem Genre der Novelletter leistete er einen innovativen Beitrag zur norwegischen Literatur, der ihm den Ruf eintrug, ein Vorreiter der amerikanischen Short Story zu sein. In Norwegen wird er bis heute für seine stilistische Meisterschaft gerühmt, die er auch als überaus produktiver Briefschreiber entfaltete.


Rezeption↑

Bereits zu seinen Lebzeiten zählte Kielland zu den sogenannten „Großen Vier“ (De fire store) der norwegischen Literatur des 19. Jahrhunderts – neben Henrik Ibsen, Bjørnstjerne Bjørnson und Jonas Lie. Sein bis heute bekanntester Roman Garman & Worse aus dem Jahr 1880 sollte noch Eindruck auf Thomas Mann machen, der in der Tradition Kiellands seine Buddenbrooks zunächst als kollektiven „Kaufmannsroman“ anlegte.

In Norwegen genießt Kielland bis heute Anerkennung für seine stilistische Meisterschaft. Die Stadt Stavanger errichtete ihm 1928 ein Denkmal, und der Alexander Kiellands plass in Oslo trägt seinen Namen. Sein Werk wurde in mehreren Studien untersucht, unter anderem von Georg Brandes und in der Gedenkschrift von Mathilde Schjøtt aus dem Jahr 1904.

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