1856
Barfüßele
Überblick↑
Die Erzählung Barfüßele von Berthold Auerbach erschien erstmals 1856. Sie gehört zur Gattung der Dorfgeschichte und ist eine der 27 Schwarzwälder Dorfgeschichten des Autors. In einigen Einzelausgaben des 20. Jahrhunderts wurde sie auch als Roman bezeichnet. Das Werk erzählt vom Aufwachsen eines verwaisten Mädchens im Schwarzwald und wurde zu Auerbachs erfolgreichster Dorfgeschichte. Es fand rasch ein internationales Publikum und wurde in fast alle europäischen Sprachen übersetzt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Amrei, die Tochter eines Holzbauern und einer Tagelöhnerin. Schon als kleines Kind verliert sie beide Eltern. Von ihrem Bruder getrennt, wächst sie bei einer Pflegemutter auf.
Amrei schlägt sich als Gänsehirtin und als Magd durch. Im ganzen Dorf ist sie unter dem Namen Barfüßele bekannt. Die Erzählung begleitet ihren Weg durch die einfachen, oft harten Verhältnisse des dörflichen Lebens.
Im Vordergrund steht dabei Amreis innere Entwicklung. Aus dem armen Waisenkind wird allmählich eine selbstbewusste und eigenständige junge Frau. Wie sich ihr Lebensweg weiter gestaltet, entfaltet die Geschichte Schritt für Schritt.
Die Handlung im Detail↑
Amrei ist die Tochter eines Holzbauern und einer Tagelöhnerin. Als sie noch ein kleines Kind ist, verliert sie ihre Eltern. Sie wird von ihrem Bruder getrennt und wächst bei einer Pflegemutter auf.
Im Lauf der Jahre verdient sie ihren Lebensunterhalt selbst. Sie arbeitet zunächst als Gänsehirtin und später als Magd. Im Dorf kennt man sie überall als Barfüßele. Trotz ihrer ärmlichen Lage und ihrer niedrigen Stellung behauptet sie sich.
Den Kern der Geschichte bildet Amreis innere Entwicklung. Aus dem verwaisten, abhängigen Mädchen wird eine selbstbewusste und eigenständige Persönlichkeit. Die Erzählung schildert dabei die Lebensverhältnisse im Dorf in realistischer Weise.
Am Ende steht ein glücklicher Ausgang: Amrei heiratet einen Bauernsohn. Damit findet ihr Weg aus Armut und Waisenschaft seinen versöhnlichen Abschluss.
Stil↑
Das Werk gehört zur Gattung der Dorfgeschichte. Diese Form schildert das Leben der einfachen Landbevölkerung und rückt das bäuerliche Dorf in den Mittelpunkt. Barfüßele reiht sich in Auerbachs großen Zyklus der Schwarzwälder Dorfgeschichten ein.
Auerbach zeichnet die dörflichen Lebensverhältnisse mit großer Genauigkeit. Die realistische Darstellung des Alltags von Mägden, Hirten und Bauern prägt den Ton der Erzählung. Im Zentrum steht weniger ein verwickelter Handlungsfaden als die seelische Entwicklung der Heldin. Der Blick richtet sich auf das Heranreifen Amreis und auf ihre wachsende innere Festigkeit.
Rezeption↑
Das Werk wurde rasch ein internationaler Erfolg. Es erschien in fast allen europäischen Sprachen, viele davon in mehreren Übersetzungen. Englische Fassungen kamen 1857, 1860 und 1890 heraus. Danach folgten unter anderem niederländische, dänische, italienische, französische, finnische, schwedische, norwegische und russische Ausgaben. Sie erstreckten sich bis ins frühe 20. Jahrhundert.
Auch auf der Bühne fand die Erzählung früh ihren Weg. Bereits 1857 ist eine Theaterbearbeitung von Moritz Reichenbach als „Ländliches Charakterbild in 5 Aufzügen" nachweisbar. Ferdinand Freiligrath wurde 1870 durch die Lektüre zu einem gleichnamigen Gedicht angeregt.
Der Stoff wirkte über die Literatur hinaus weiter. Die Oper Barfüßele von Richard Heuberger, mit einem Libretto von Victor Léon, wurde 1905 in Dresden uraufgeführt. 1924 entstand zudem ein Stummfilm, in dem Maria Zelenka die Titelrolle spielte. Damit zählt das Werk zu Auerbachs nachhaltigsten und erfolgreichsten Dorfgeschichten.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →