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Werkseintrag · Die Elenden
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Die Elenden
1862
– Werkseintrag –

Die Elenden

1862 · Roman

Ein ehemaliger Sträfling wird durch eine einzige Geste der Güte zum guten Menschen – und muss sein neues Leben fortan vor einem unerbittlichen Verfolger verbergen.

Überblick↑

Der Roman Die Elenden von Victor Hugo erschien 1862. Hugo vollendete ihn im Exil im Hauteville House auf Guernsey; im selben Jahr kam er bei A. Lacroix, Verboeckhoven & Cie. in Paris heraus. Das Werk wird der Romantik zugerechnet. Es schildert die französische Gesellschaft von der Zeit Napoleons bis in die Herrschaft des Bürgerkönigs Louis Philippe und folgt dem Schicksal eines ehemaligen Sträflings, der sich zu einem guten Menschen wandelt. Der Roman wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Bagno-Sträfling Jean Valjean. Wegen des Diebstahls eines Stücks Brot und mehrerer Fluchtversuche hat er neunzehn Jahre im Zuchthaus verbracht. Als er entlassen wird, ist er gesellschaftlich gebrandmarkt und innerlich verhärtet. Die Begegnung mit dem gütigen Bischof von Digne verändert ihn jedoch von Grund auf: Valjean beschließt, ein moralisch guter Mensch zu werden.

Unter falschem Namen erarbeitet er sich Bildung, Wohlstand und Ansehen, wird sogar Bürgermeister und Fabrikant. In seiner Fabrik findet die verarmte junge Fantine Arbeit, die ihre kleine Tochter Cosette bei einem habgierigen Gastwirt in Pflege gegeben hat. Aus diesem Schicksal erwächst für Valjean eine neue Lebensaufgabe.

Über siebzehn Jahre und mehrere Schauplätze hinweg verfolgt der Roman, wie Valjean immer wieder zu fliehen versucht, von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden. Beharrlich heftet sich ihm der unerbittliche Polizeibeamte Javert an die Fersen. Spätere Teile führen den jungen Studenten Marius Pontmercy ein, der sich in Cosette verliebt, sowie eine Gruppe revolutionärer Studenten am Vorabend eines Pariser Aufstands. Das Geschehen verbindet privates Schicksal mit großen gesellschaftlichen Umbrüchen.

Die Handlung im Detail↑

Geschildert wird die französische Gesellschaft zwischen 1815 und 1832, ein Zeitraum von siebzehn Jahren. Jean Valjean ist nach neunzehn Jahren Haft, die er für den Diebstahl eines Stücks Brot und vier Fluchtversuche erhalten hat, ein verhärteter, gesellschaftlich gebrandmarkter Mann. Durch die Begegnung mit dem Bischof von Digne, Monsieur Myriel, einem gutherzigen Seelsorger, wandelt er sich – nach einem rasch bereuten Diebstahl an dem kleinen Savoyarden Gervais – zu einem guten Menschen. Unter dem Namen Monsieur Madeleine erwirbt er Bildung, Reichtum und Ansehen und wird Bürgermeister und Fabrikant in Montreuil.

In dieser Fabrik findet Fantine Arbeit, eine verarmte junge Grisette, die ein Student namens Félix Tholomyès mit ihrer kleinen Tochter Cosette sitzengelassen hat. Um nicht der Sittenlosigkeit beschuldigt zu werden, gibt sie das Kind dem habgierigen Gastwirt Thénardier in Pflege und arbeitet hart, um dessen immer höhere Forderungen zu erfüllen. Als herauskommt, dass sie ein Kind hat, wird sie aus der Fabrik geworfen. Fantine verkauft erst ihre blonden Haare, dann ihre Schneidezähne und wird schließlich Prostituierte. Nachdem ein Mann sie angegriffen hat, wird sie fälschlich von Inspektor Javert abgeführt. Während des Verhörs rettet Valjean sie; er erkennt, dass sie an einer Lungenentzündung leidet, und bringt sie ins Hospital. Er verspricht ihr, ihre Tochter zurückzubringen.

Als jedoch ein Unschuldiger namens Champmathieu angeklagt wird, der untergetauchte Häftling Valjean zu sein, gibt Valjean sich zu erkennen und verliert alles, was er aufgebaut hat. Fantine stirbt an einem Schock, als Valjean an ihrem Krankenbett von Javert verhaftet wird. Aus der erneuten Haft in Toulon auf dem Schiff Orion kann Valjean fliehen, indem er seinen Tod vortäuscht. Sein Lebensinhalt wird nun die Vaterliebe zu Cosette, die er aus Thénardiers Klauen befreit. Eine Zeit lang leben die beiden versteckt in Paris. Javert kommt wegen der Vermisstenmeldung Cosettes auf Valjeans Spur; beide fliehen und entwischen in ein Kloster. Der Gärtner des Frauenklosters, Fauchelevent, dem Valjean einst als Bürgermeister das Leben gerettet hat, ermöglicht ihnen das Versteck. Nach Fauchelevents Tod nimmt Valjean dessen Namen an und zieht mit Cosette in die Rue du Plumet. Als Fauchelevent gilt er als bekannter Wohltäter, bleibt im Übrigen aber verborgen.

Im dritten Teil tritt der Student Marius Pontmercy auf. Er wächst bei seinem konservativen Großvater auf und studiert Jura. Als er mehr über seinen verstorbenen Vater erfährt, einen ehemaligen General unter Napoleon, entwickelt er eine innige Verehrung für ihn. Der Vater hat Marius einen Brief hinterlassen mit der Anweisung, alles für einen gewissen Thénardier zu tun, der ihn bei der Schlacht von Waterloo gerettet habe. In Wahrheit hatte Thénardier den Vater damals ausgeraubt. Marius ändert seine politische Haltung und verlässt nach einem Streit mit dem Großvater das Elternhaus. Ohne es zu wissen, wohnt er neben den Thénardiers. Er verliebt sich in Cosette, die er bei Spaziergängen im Luxembourg-Garten sieht, weiß aber nicht, wo sie wohnt. Éponine, die ältere Tochter der Thénardiers, die heimlich in Marius verliebt ist, verrät ihm Cosettes Wohnort in der Rue Plumet. Marius schreibt einen langen Liebesbrief, und die beiden treffen sich fortan im Garten. Valjean ahnt zunächst nichts davon.

Als Thénardier herausfindet, wo Valjean lebt, will er ihn mit seiner Bande ausrauben. Der Überfall misslingt, weil Javert Valjean rettet – ohne zu wissen, wen er da rettet. Valjean flieht erneut. Da Thénardier ihm weiter nachsetzt und die angespannte politische Lage eine Enttarnung droht, will Valjean mit Cosette nach England fliehen. Marius, der ohne Cosette keinen Grund mehr zum Weiterleben sieht, schließt sich mit seinen Freunden – den im Klub der Freunde des ABC organisierten Studenten – dem Pariser Juniaufstand von 1832 an und kämpft auf den Barrikaden, in der Hoffnung, dort zu sterben. Er wird verwundet. Valjean erfährt davon und rettet aus Liebe zu Cosette deren Geliebten, indem er den ohnmächtigen Marius durch die Kanalisation trägt.

Während des Aufstands rettet Valjean auch den Polizeiinspektor Javert. Dieser ist in seinem Sinn für Recht und Ordnung so erschüttert, dass er sich das Leben nimmt. Auf den Barrikaden sterben Gavroche, ein Straßenjunge, der sich der Revolution angeschlossen hat, und Éponine, die Marius rettet, indem sie mit ihrem Körper eine Kugel abfängt. Enjolras, der Anführer der Revolutionäre, wird zuletzt gemeinsam mit Grantaire erschossen, der den ganzen Kampf über betrunken geschlafen hatte. Nach der gescheiterten Revolution wird Marius im Haus seines Großvaters gepflegt, der ihn von Herzen liebt. Sobald er genesen ist, heiratet er Cosette.

Nach der Hochzeit offenbart Valjean seinem Schwiegersohn Marius seine wahre Identität als ehemaliger Häftling. Marius versucht daraufhin, ihn von Cosette fernzuhalten, was den ohnehin alten Mann vor Verzweiflung krank werden lässt. Als Marius schließlich erfährt, was für ein Mensch Valjean wirklich ist – ironischerweise durch einen Verleumdungsversuch Thénardiers –, will er ihn um Verzeihung bitten. Marius und Cosette kommen beinahe zu spät: Sie finden Valjean auf dem Sterbebett. Am Ende wird sein Leichnam auf einem Armenfriedhof beigesetzt.

Stil↑

Geprägt ist der Roman von der Romantik, der er zugerechnet wird. Hugo verbindet das Schicksal einzelner Figuren mit einem breiten Gemälde der französischen Gesellschaft über fast zwei Jahrzehnte hinweg. Privates Leid und große geschichtliche Ereignisse – von der Zeit Napoleons über die Schlacht von Waterloo bis zum Pariser Juniaufstand von 1832 – sind eng miteinander verflochten. Die Handlung umspannt zahlreiche Schauplätze und Lebenswege, vom Zuchthaus über die Fabrik und das Kloster bis zu den Barrikaden und der Kanalisation von Paris.

Rezeption↑

Die Elenden wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen. Der Stoff wurde vielfach für Kino und Fernsehen bearbeitet. Schon 1909 entstand ein Kurzfilm, 1913 die Verfilmung Menschen unter Menschen von Albert Capellani. Es folgten zahlreiche weitere Filme, Fernsehfilme und Mehrteiler in verschiedenen Ländern, darunter Fassungen von Raymond Bernard (1933), Jean-Paul Le Chanois (1958) und Robert Hossein (1982). Die anhaltende Zahl der Bearbeitungen über mehr als ein Jahrhundert zeigt, wie stark der Stoff bis in die Gegenwart nachwirkt.

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