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Werkseintrag · Der Glöckner von Notre-Dame
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Der Glöckner von Notre-Dame
1831
– Werkseintrag –

Der Glöckner von Notre-Dame

1831 · Roman

Im Paris des Jahres 1482 verknüpfen sich Schicksale rund um die Kathedrale Notre-Dame: ein missgestalteter Glöckner, eine schöne Tänzerin und ein begehrender Geistlicher.

Überblick

Der historische Roman Der Glöckner von Notre-Dame erschien 1831 und stammt von dem französischen Schriftsteller Victor Hugo (1802–1885). Im Mittelpunkt steht die Pariser Kathedrale Notre-Dame, die Hugo aufwändig schildert und in der wesentliche Teile der Handlung spielen. Vor allem geht es um den missgestalteten Glöckner Quasimodo. Der französische Originaltitel lautet allgemeiner Notre-Dame de Paris. 1482; der deutsche Titel rückt allein die Figur des Glöckners in den Vordergrund und greift damit etwas zu kurz. Der Schriftsteller Alphonse de Lamartine feierte Hugo nach dem Erscheinen als „Shakespeare des Romans".

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Paris des Jahres 1482 fallen das Dreikönigsfest und der Narrentag auf denselben Tag, den 6. Januar. Bei diesem ausgelassenen Volksfest soll im Großen Saal des Justizpalastes ein Theaterstück des Dichters Pierre Gringoire aufgeführt werden, doch das Publikum verliert rasch das Interesse. Stattdessen wählt die Menge nach einem derben Brauch einen „Narrenpapst": Die Wahl fällt auf Quasimodo, das missgestaltete Findelkind, das vom Archidiakon Claude Frollo aufgezogen und zum Glöckner der Kathedrale ausgebildet wurde.

Eine zweite Gestalt zieht an diesem Tag alle Blicke auf sich: die junge Esmeralda, die mit ihrem Tanz Zuschauer gewinnt und Verfolger anlockt. Zwischen ihr, dem Glöckner Quasimodo, dem Archidiakon Frollo und dem Hauptmann Phöbus von der königlichen Leibgarde entspinnt sich ein Geflecht aus Liebe, Begehren und Eifersucht. Der Dichter Gringoire begleitet das Geschehen als eine Art ironischer Beobachter.

Hugo verknüpft mehrere Handlungsstränge, die nach und nach ineinanderfließen. So entsteht ein buntes Bild des französischen Spätmittelalters mit all seinen Bevölkerungsschichten – vom König über die Bürger und Studenten bis hinab zu den Landstreichern und Gaunern des „Wunderhofs".

Die Handlung im Detail

Der Roman beginnt mit einer großen Massenszene: Am 6. Januar 1482 feiert Paris zugleich das Dreikönigsfest und den Narrentag. Hugo nutzt den Anlass, um die Zügellosigkeit dieses Tages und die zeitweilige Umkehrung der ständischen Ordnung zu schildern. Im Großen Saal des Justizpalastes soll ein Sittenspiel des Dichters Pierre Gringoire aufgeführt werden, dem auch der Kardinal von Bourbon und eine flämische Gesandtschaft beiwohnen sollen. Doch der Kardinal erscheint verspätet, das Volk erzwingt den Beginn, und bald reißt eine Kaskade von Störungen die Aufmerksamkeit fort. Schließlich schlägt der Gesandte Jacques Coppenole eine Wahl zum „Narrenpapst" nach flämischer Sitte vor.

Gewählt wird Quasimodo, das missgestaltete Findelkind, das vom Archidiakon Claude Frollo – einem Mann im Ruf eines Hexers – aufgezogen und zum Glöckner von Notre-Dame ausgebildet wurde. Eine wichtige Figur des Festes ist Esmeralda, eine „Ägypterin", deren Tanz das Volk anzieht und auch Frollo anlockt. Als Gringoire ihr folgt, beobachtet er, wie Quasimodo im Beisein einer dunklen Gestalt Esmeralda entführen will. Der Hauptmann Phöbus von der königlichen Leibgarde verhindert dies. Quasimodo wird dafür am Pranger zur Züchtigung verurteilt. Dort begegnet ihm Esmeralda erneut und erbarmt sich des mit Steinen Beworfenen, indem sie ihm Wasser gibt.

Gringoire gerät bei der Suche nach einem Schlafplatz in den „Wunderhof", das Viertel der Landstreicher und Gauner. Sie wollen ihn hängen, doch nach ihrer Sitte wird er freigelassen, wenn eine Frau ihn zum Mann nehmen will. Esmeralda entschließt sich, ihn zu heiraten, um sein Leben zu retten; die Ehe wird durch das Zerbrechen eines Kruges geschlossen. Doch es bleibt eine Ehe ohne Vollzug, denn Esmeralda ist überzeugt, sie könne nach ihrer Entjungferung ihre Mutter nicht mehr wiederfinden.

Esmeralda hat sich unterdessen in ihren Retter Phöbus verliebt. Bei einem Treffen der beiden lauert ihnen der eifersüchtige Frollo auf und sticht den Hauptmann nieder – der jedoch, wie sich später zeigt, überlebt. Esmeralda fällt in Ohnmacht; Frollo kann unbemerkt verschwinden. So wird sie des versuchten Mordes und der Hexerei angeklagt. Durch Folter mit dem Spanischen Stiefel erpresst das Kirchengericht ein Geständnis, und Esmeralda wird zum Tod durch Hängen verurteilt. Frollo sucht sie im Verlies auf, gesteht ihr seine Liebe und will sie zur Flucht überreden. Doch sie erkennt in ihm den Mann, der Phöbus niederstach, und weist ihn von sich.

Am Tag der Hinrichtung gelingt es Quasimodo, Esmeralda zu retten und ihr Kirchenasyl in Notre-Dame zu verschaffen. Dort lebt sie geschützt und fasst eine gewisse Zuneigung zu dem entstellten Glöckner. Frollo aber will sie nicht aufgeben. Er stachelt Gringoire an, dessen Landstreicherfreunde zu einem Sturm auf die Kirche zu bewegen – angeblich, um Esmeralda zu befreien. Quasimodo hält den Angriff unter der Führung von Clopin Trouillefou jedoch für ein Unternehmen gegen Esmeralda und leistet verzweifelten Widerstand.

König Ludwig XI. erfährt von dem Angriff und sieht darin einen Schlag gegen seine Autorität. Er befiehlt seinen Soldaten, die Bettler zu vertreiben und Esmeralda zu hängen. Die Landstreicher werden geschlagen, doch Esmeralda ist nicht mehr in der Kirche: Gringoire und Frollo haben sie unter dem Vorwand, sie zu retten, herausgeführt. Als Verfolgung droht, rettet Gringoire lieber die Ziege Djali und lässt Esmeralda mit Frollo zurück. Dieser schleift sie zum Grève-Platz und stellt sie vor die Wahl: er oder der Tod. Sie erklärt, lieber sterben zu wollen, als sich mit ihm einzulassen. Daraufhin übergibt Frollo sie einer Klausnerin und holt Tristan l'Hermite mit seinen Truppen. Die Klausnerin erkennt zu spät, dass Esmeralda ihre verlorene Tochter ist; sie kann sie nicht mehr schützen, und Esmeralda wird gefangen und gehenkt.

Quasimodo, der Esmeralda überall gesucht hat, findet Frollo auf dem Turm der Kathedrale, wie dieser aus der Ferne die Hinrichtung beobachtet. Von Schmerz und Hass überwältigt, stürzt der Glöckner seinen Herrn in die Tiefe und verschwindet noch am selben Tag spurlos. Etwa zwei Jahre später findet man in der Gruft von Montfaucon zwei ineinander verschlungene Skelette – das der Esmeralda und das des Quasimodo.

Stil

Kennzeichnend für den Roman ist, dass Hugo mehrere Handlungsstränge nebeneinanderführt und nach und nach ineinanderfließen lässt. So entsteht ein breites, vielschichtiges Bild des französischen Spätmittelalters, das alle Bevölkerungsschichten umfasst – vom König bis zu den Gaunern des „Wunderhofs". Die Geschichte des Glöckners Quasimodo ist dabei nur einer dieser Stränge, auch wenn sie oft als die eigentliche Haupthandlung wahrgenommen wird.

Eine besondere Rolle spielt der Schauplatz selbst: Die Kathedrale Notre-Dame ist nicht bloß Kulisse, sondern wird ausführlich und liebevoll geschildert. Immer wieder hält Hugo inne und äußert eigene Ansichten, etwa sein Bedauern über den Verlust alter Bauwerke und die mit ihnen verschwindenden Schönheiten. Solche eingeschobenen Meinungen und Anspielungen durchziehen den ganzen Roman. Für ironischen Ton und eine eigene Form von Humor sorgt der Dichter und Philosoph Pierre Gringoire, der als ständiger Begleiter und Antiheld durch die einzelnen Teile führt.

Rezeption

Bald nach dem Erscheinen 1831 fand der Roman große Anerkennung. Der Schriftsteller Alphonse de Lamartine feierte Victor Hugo als „Shakespeare des Romans". Die Geschichte vom missgestalteten Glöckner und der schönen Esmeralda hat über die Jahrzehnte zahllose Bearbeitungen angeregt und wurde immer wieder zur Grundlage von Verfilmungen gemacht. Zu den bekannten Leinwandfassungen zählen die Verfilmung von 1923, der Film von 1939 sowie der Zeichentrickfilm von 1996. Daneben entstanden Bühnenfassungen und musikalische Werke, sodass der Stoff bis heute lebendig geblieben ist.

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