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Der Schwierige
1921
– Werkseintrag –

Der Schwierige

1921 · Komödie

Ein menschenscheuer Wiener Graf, der das Reden für gefährlich hält, gerät an einem einzigen Tag in ein Gewirr aus Liebschaften, Missverständnissen und gut gemeinten Ratschlägen.

Überblick

Das Lustspiel Der Schwierige von Hugo von Hofmannsthal ist eine Komödie in drei Akten, die in der Wiener Adelswelt nach dem Ersten Weltkrieg spielt. Im Mittelpunkt steht Graf Hans Karl Bühl, ein wortkarger, menschenscheuer Mann, der dem Sprechen und allen großen Worten misstraut, weil sie für ihn nur Missverständnisse stiften. Das Werk erschien 1921 als Buchausgabe bei S. Fischer in Berlin; zuvor war es 1920 in der Wiener Neuen Freien Presse in Fortsetzungen vorabgedruckt worden. Die Uraufführung fand am 7. November 1921 im Residenztheater München statt. Das Stück gilt als eine der bekanntesten Komödien des Autors und zeichnet zugleich das Bild einer untergehenden gesellschaftlichen Welt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Ganz Wien an einem einzigen Tag, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: So eng steckt Hofmannsthal den Rahmen seiner Komödie. Im Mittelpunkt steht Graf Hans Karl Bühl, von Verwandten und Freunden „Kari" genannt. Er ist neununddreißig Jahre alt, unverheiratet und teilt sein Haus mit seiner Schwester Crescence und deren Sohn Stani.

Hans Karl ist ein „Schwieriger", weil er das Reden für gefährlich hält. Gesellschaftliche Abende sind ihm ein Graus, denn er sieht in ihnen nur ein unentwirrbares Knäuel von Missverständnissen. Trotzdem zieht ihn das Leben unaufhörlich hinein. Seine Schwester möchte ihn auf eine Soirée im Haus des Grafen Altenwyl schicken und drückt ihm dabei gleich mehrere heikle Aufträge in die Hand. Es geht um die Heiratspläne seines Neffen, um eine beendete Liebschaft mit der verheirateten Antoinette Hechingen und um die junge Helene Altenwyl, die als kühl umworbene Schönheit im Gerede ist.

Der erste Akt spielt im Stadtpalais des Grafen Bühl, wo ein steter Strom von Besuchern und Bittstellern den menschenscheuen Hausherrn bedrängt. Die beiden Frauen, um die sich alle Gespräche drehen, treten erst beim Fest des zweiten Akts leibhaftig auf. Dort, im Gewühl der Gäste, beginnt das eigentliche Spiel aus halben Sätzen, ausweichenden Worten und vertanen Gelegenheiten.

Die Handlung im Detail

Eröffnet wird das Stück im Arbeitszimmer des Grafen Bühl. Der alte Diener Lukas weist den neuen Diener Vinzenz ein und erklärt ihm die Eigenheiten des Herrn: Wird Hans Karl nervös, kramt er in Schubladen oder sucht einen verlegten Schlüssel. Vinzenz hört kaum zu. Er rechnet sich aus, dass er bei einem alternden Junggesellen eine bequeme Stellung fürs Leben gefunden hat, die er bald nach eigenen Vorstellungen einrichten kann.

Hans Karls Schwester Crescence erkundigt sich, ob ihr Bruder zur Soirée der Altenwyls gehen wird. Er ist unentschlossen und hat soeben abgesagt, weil ihm solche Abende ein Greuel sind. Crescence glaubt den Grund zu kennen: Helene Altenwyl sei seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr in ihn verliebt, werde aber wohl den fremden Baron Neuhoff heiraten. Als sie merkt, wie betroffen ihr Bruder reagiert, bietet sie an, diese Heirat zu hintertreiben. Zugleich bürdet sie ihm eine „Mission" auf: Er soll ihrem Sohn Stani dessen Affäre mit Antoinette Hechingen ausreden, die Antoinette zu ihrem Mann zurückführen und so eine Scheidung verhindern.

Mehrere Besucher folgen. Antoinettes Kammerfrau Agathe kommt, um ein Bündel Liebesbriefe zurückzuholen, das Antoinette einst an Hans Karl geschrieben hat. Sie deutet die Lage als Demütigung ihrer Herrin und nennt als wahren Grund des Abschieds die junge Helene. Der Sekretär Neugebauer findet die Briefe zunächst nicht und meint, der Graf hege eine Abneigung gegen ihn; er erzählt umständlich von seinen eigenen, freudlosen Heiratsplänen. Hans Karl bleibt nachdenklich zurück und fragt sich, warum alle Welt glaubt, ihm Lektionen erteilen zu müssen.

Dann erscheint Neffe Stani, der nichts von der früheren Affäre seines Onkels ahnt und für Antoinette schwärmt. Er versteht die Freundschaft seines Onkels mit dem Grafen Hechingen nicht, den er für einen Langweiler hält; Hans Karl dagegen hat Hechingen im Schützengraben als tapferen, ehrenhaften Mann erlebt. Stani hält seinen Onkel für die mühelose Verkörperung des „großen Herrn" – ein Vorbild, das andere vergeblich nachahmen, etwa der aus Norddeutschland stammende Baron Neuhoff.

Neuhoff selbst tritt auf, nachdem er von der Absage erfahren hat. Mit hemmungslosen Schmeicheleien umwirbt er den Grafen und schwärmt von Helene als einem „stolzen und kostbaren Wesen". Stani hat das anbiedernde Gerede bald satt und komplimentiert ihn geschickt hinaus. Kaum allein mit dem Onkel, kommt Stani auf eine neue Idee: Er will Helene selbst heiraten. Seine Mutter sei begeistert, und an einem Ja zweifelt er nicht. Den Gedanken, Hans Karl könne selbst Interesse an Helene haben, hält er für absurd. Hans Karl stimmt allen Lobreden auf Helene matt zu und murmelt nur vor sich hin.

Bevor er das Haus verlässt, verspricht Hans Karl, doch noch zur Soirée zu kommen, um sich um die Wünsche von Crescence und Stani zu kümmern. Zuvor aber geht er in den Zirkus, um den Clown Furlani zu sehen. Der Diener Vinzenz bleibt zufrieden zurück, ahnungslos, dass er am nächsten Morgen entlassen wird.

Der zweite Akt spielt im Salon des Palais Altenwyl. Begeistert berichtet Hans Karl von dem Clown Furlani, der alle begreifen und allen helfen möchte und dabei doch alles in die größte Verwirrung bringt – ein Spiegelbild seiner selbst. Auf dem Fest drängen die beiden Aufsteiger Neuhoff und ein berühmter Gelehrter in die exklusive Adelswelt und suchen Bühls Nähe. Endlich kommt es zu dem lange erwarteten Gespräch zwischen Hans Karl und Antoinette. Sie ist durch den endgültigen Abschied völlig gebrochen und empört sich über seinen Vorschlag, zu ihrem Mann zurückzukehren. Hans Karls ausweichende Reden missdeutet sie jedoch als Hoffnung auf eine Fortsetzung ihrer Beziehung.

Gerade dort, wo Hans Karl nur Klarheit schaffen will, stiftet sein Reden neue Verwirrung. Im Gespräch mit Helene gibt er ihr einen Abschied, „wo gar nichts war", und scheint sich so um sein eigenes Glück zu reden. Zugleich flammt die in Freundschaft beendete Beziehung zu Antoinette gegen seinen Willen wieder auf. Doch im dritten Akt wendet sich alles: Es kommt zur Verlobung des „schwierigen Paares", Hans Karl und Helene finden zueinander. Die übrigen Beziehungen enden unbefriedigend, im Fall des Grafen Hechingen und seiner Frau Antoinette beinahe tragisch. Bezeichnend für die Scheu der beiden Hauptfiguren ist, dass die Verlobte in den letzten sechs Szenen gar nicht mehr auf der Bühne erscheint.

Stil

Mit seinem Dreiakter hält sich Hofmannsthal an bewährte Formen der europäischen Komödie. Schon der Titel erinnert an die Typenkomödien Molières, in denen eine Figur mit ihrem auffälligen Charakter in zugespitzter Form vorgeführt wird. Der erste Akt beginnt, wie in vielen Komödien üblich, mit einem Gespräch des Dienstpersonals, das die Hauptpersonen einführt und kommende Verwicklungen andeutet. Die beiden weiblichen Hauptfiguren, Antoinette und Helene, sind ständig Gegenstand der Gespräche, treten aber erst im zweiten Akt selbst auf.

Das „Schwierige" am Helden zeigt sich weniger in seinen Worten als in seinem Verhalten und seiner Körpersprache. Sein Bestreben, sich durch allerlei Regeln und Vorsichtsmaßnahmen von der Welt abzuschotten, wird durch einen Aufmarsch von Menschen gründlich durchkreuzt, die Wünsche und Aufträge an ihn herantragen. Der zweite Akt enthält verzögernde Elemente, die hier weniger in äußeren Umständen als im Wesen der Beteiligten selbst liegen.

Im dritten Akt kommt es zwar zum glücklichen Ende, doch die anderen Beziehungen enden unbefriedigend oder fast tragisch. So verschwimmen in dem als Lustspiel bezeichneten Stück die Grenzen zur Tragödie. Hofmannsthal hat sein Werk mit überaus genauen Bühnenanweisungen versehen, die bis zu Vorgaben für die musikalische Untermalung einzelner Szenen reichen und fast an ein filmisches Szenario erinnern. Besonders der zweite Akt mit seinen wie choreografiert angelegten Bewegungen der Paare ruft Bilder aus dem Film hervor.

Ebenso genau sind die Anweisungen für das Spiel der Schauspieler. Im ganzen Stück kommt es zu keiner körperlichen Berührung zwischen dem schwierigen Paar: „Sie wollen sich die Hände geben, keine Hand findet die andere." Eine in einer frühen Fassung vorgesehene Kussszene hat Hofmannsthal in der Endfassung gestrichen, und auch eine Umarmung des verlobten Paares vor Zeugen entfällt – das Paar ist zu eigenwillig, um sich an solche Formen zu halten.

Rezeption

Seine Bühnenlaufbahn begann das Stück mit der Uraufführung am 7. November 1921 im Residenztheater München. Es zählt zu den bekanntesten Komödien Hofmannsthals und wird bis heute als eine seiner reifsten Arbeiten für das Theater angesehen. Über die einzelne Aufführung hinaus gilt das Werk als feinsinniges Porträt einer untergehenden Welt: einer Wiener Adelsgesellschaft, deren Umgangsformen und Sprachkultur mit dem Ersten Weltkrieg ihrem Ende entgegengingen.

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