Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Der Schwarze Korsar
Eingang · Werke · Der Schwarze Korsar
Cover Der Schwarze Korsar
Der Schwarze Korsar
1898
– Werkseintrag –

Der Schwarze Korsar

1898 · Roman

Ein Freibeuter der Karibik schwört Rache am Mörder seiner Brüder – und verliebt sich ausgerechnet in die Frau, die ihm zum Verhängnis wird.

Überblick↑

Der Roman Der Schwarze Korsar ist eine Abenteuergeschichte des italienischen Schriftstellers Emilio Salgari aus dem Jahr 1898. Das Buch eröffnet den Erzählzyklus um die Piraten der Karibik. Die Handlung spielt im 17. Jahrhundert in der Blütezeit der Seeräuberei, in den Jahren nach 1686. Im Mittelpunkt steht Emilio di Roccanera, Herr von Ventimiglia, der als Schwarzer Korsar gefürchtet wird und einen erbitterten Rachefeldzug gegen den Statthalter von Maracaibo führt. Das Werk verbindet Seefahrt, Rache und eine unglückliche Liebe zu einem der bekanntesten Abenteuerstoffe Salgaris.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein italienischer Edelmann, der als Schwarzer Korsar die Meere der Karibik unsicher macht. Zwei seiner Brüder, bekannt als der Rote und der Grüne Korsar, sind durch den flämischen Statthalter Van Guld ums Leben gekommen. Der Schwarze Korsar hat geschworen, ihren Tod zu rächen, und zieht mit seinen Gefährten Carmaux und Van Stiller aus, um seinen Feind und dessen ganze Familie zu vernichten.

Auf seinem Rachefeldzug sammelt er Verbündete unter den Freibeutern und plant den Überfall auf die reiche Stadt Maracaibo. Doch das Schicksal führt ihm eine junge Frau von auffallender Schönheit in den Weg, die er auf einem gekaperten spanischen Schiff gefangen nimmt. Aus der Gefangenschaft erwächst rasch eine tiefe Zuneigung. Zwischen seinem geschworenen Racheeid und dieser Liebe gerät der Korsar in einen Zwiespalt, der sein Verhängnis werden soll.

Die Handlung im Detail↑

Emilio di Roccanera, Herr von Ventimiglia und wegen seines Beinamens als Schwarzer Korsar bekannt, erfährt von seinen Gefährten Carmaux und Van Stiller die schlimme Nachricht, dass sein Bruder, der Rote Korsar, in Maracaibo von seinem großen Feind, dem Statthalter Van Guld, gehängt wurde. Der Schwarze Korsar dringt mit seinen beiden Begleitern in die Stadt ein, um die Leiche zu bergen. Auf dem Weg durch den Urwald nehmen sie einen spanischen Soldaten gefangen und treffen in einer Hütte auf einen kräftigen schwarzen Einsiedler namens Moko, der ihnen fortan hilft. Gemeinsam bergen sie den Leichnam des Bruders.

Als ihre Anwesenheit bemerkt wird, verstecken sie sich in einer Notariatsstube und knebeln den Notar, damit er sie nicht verrät. Eine Gruppe versucht, die Tür aufzubrechen; Carmaux stellt ein Pulverfass davor, zündet es an, und die Männer fliehen über die Dächer von Maracaibo zur Hütte Mokos. Nachdem die Küstenwache ihre Wachsamkeit gelockert hat, kehren sie zum Schiff zurück. Der Schwarze Korsar hält die Totenfeier für seine beiden Brüder, den Roten und den Grünen Korsar, übergibt ihre Leichname dem Meer und schwört Rache an der gesamten Familie Van Gulds.

Auf der Suche nach Verbündeten segelt er zur Insel Tortuga. Unterwegs kapern sie ein spanisches Schiff mit einer schönen und vornehmen jungen Frau an Bord, Honorata Willerman, Herzogin von Weltrendrem. Sie wird als Gefangene nach Tortuga gebracht, wo sie auf die Zahlung ihres Lösegeldes warten soll. Von ihrer Schönheit und ihrem Wesen betört, gibt der Korsar sie frei, und die beiden verlieben sich ineinander.

Für den Überfall auf Maracaibo gewinnt der Korsar mächtige Verbündete unter den Freibeutern, darunter François l'Olonnais. Beim gewaltsamen Sturm auf die Stadt verfolgen der Korsar und seine Männer Van Guld. Sie stoßen auf Eingeborene, die einen Krieg beginnen wollen; die Freibeuter warten die Nacht ab, die Spanier erscheinen und werden von den Eingeborenen getötet. Durch dieses ungeplante Ablenkungsmanöver gelingt es ihnen, den dichtesten Teil des Urwalds mit seinem Ungeziefer, Treibsand und Menschenfressern zu durchqueren.

Auf der weiteren Verfolgung finden sie immer mehr tote Spanier, bis sie am Strand ankommen, wo sie Van Guld auf ein Boot steigen und entkommen sehen. Carmaux entdeckt jedoch eine Schaluppe im Sand, und sie verfolgen den Fliehenden bis zu einer Insel. Dort taucht ein spanisches Schiff auf; die Korsaren versuchen, es bei Nacht zu entern, scheitern aber und geraten in Gefangenschaft. Der Graf von Lerma befreit sie. Der Korsar schließt sich l'Olonnais und Moko an, um Gibraltar an der schmalen Bucht von Maracaibo zu erobern, einen reichen Handelshafen. Als sie in die Festung eindringen, tötet der Korsar den Grafen von Lerma, weil dieser Spanier ist – er hatte geschworen, jeden Spanier in Gibraltar zu töten.

Die Freibeuter erobern die Stadt, doch Van Guld gelingt erneut die Flucht. Im Hafen erwarten den Korsar Morgan und Honorata, und dort erfährt er, dass Honorata die Tochter Van Gulds ist. Zerrissen zwischen der Liebe und dem geschworenen Rachefeldzug gegen die ganze Familie seines Feindes, gespalten zwischen Ehre und Liebe, setzt er die junge Frau unter großem Schmerz in ein Rettungsboot und überlässt sie dem Meer. Der Roman endet mit den Worten Carmaux' an seinen Freund Van Stiller: „Schau hinauf! Der Schwarze Korsar weint.“ Sie war die einzige Liebe seines Lebens.

Stil↑

Das Werk gehört zur Gattung des Abenteuer- und Piratenromans. Salgari verlegt die Handlung in die Karibik des 17. Jahrhunderts und entwirft eine Welt aus Kaperfahrten, nächtlichen Überfällen und Wegen durch den Urwald voller Gefahren. Die Erzählung ist ganz auf Bewegung und Spannung angelegt: Verfolgungen, Fluchten und Kämpfe treiben das Geschehen voran.

Getragen wird der Roman von einem inneren Zwiespalt seiner Hauptfigur. Der Widerstreit zwischen dem geschworenen Racheeid und der aufkeimenden Liebe gibt dem farbigen Abenteuer eine ernste, fast düstere Grundfärbung. Der Beiname „der Schwarze“ verweist ebenso auf die trauernde, verhängnisvolle Seite dieser Gestalt wie auf ihren Ruf als gefürchteter Freibeuter. Als Auftakt eines mehrteiligen Zyklus legt das Buch die Grundlage für die weiteren Geschichten um die Piraten der Karibik.

Rezeption↑

Der Stoff um den Schwarzen Korsar zählt zu den bekanntesten Erzählungen Salgaris und fand über die Jahrzehnte immer wieder den Weg auf die Leinwand. Bereits in der Stummfilmzeit wurde die Geschichte verfilmt. Weitere Bearbeitungen folgten in den 1930er und 1940er Jahren. Eine der bekannteren Fassungen entstand 1976 unter der Regie von Sergio Sollima. Die wiederholten Verfilmungen zeigen, wie lebendig der Abenteuerstoff über einen langen Zeitraum geblieben ist.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten