1862 – 1911
Emilio Salgari
Kurzbiografie↑
Der Italiener Emilio Salgari (1862–1911) gehört zu den bekanntesten Verfassern von Abenteuerromanen seines Landes. Er schrieb spannende Geschichten von Piraten, fernen Ländern und exotischen Völkern, ohne diese Schauplätze je selbst bereist zu haben. Aus seiner Feder stammt mit Il corsaro nero einer der berühmtesten italienischen Abenteuerromane überhaupt. Salgari veröffentlichte umfangreiche Roman-Zyklen, die im malaiischen Dschungel ebenso spielen wie im Wilden Westen. Sein Leben endete tragisch durch eigene Hand.
Biografie↑
Geboren wurde Salgari am 21. August 1862 in Verona, das damals zum Königreich Lombardo-Venetien gehörte. Seine Familie waren kleine Kaufleute: der Vater Luigi stammte aus Verona, die Mutter aus Venedig. In der Schule zeigte er nur mittelmäßige Leistungen, träumte aber davon, Kapitän für Große Fahrt zu werden und ferne Länder kennenzulernen. Besonderen Einfluss übte dabei das Unterhaltungsblatt Giornale Illustrato dei Viaggi e delle Avventure di Terra e di Mare aus, das ab 1878 Geschichten populärer Abenteuerautoren wie Gustave Aimard und Thomas Mayne Reid veröffentlichte.
Angeregt durch diese Lektüre zog er zu seiner Tante nach Venedig. Dort besuchte er das Königliche Institut für Technik und Seefahrt und beendete sein Studium mit mäßigem Erfolg. Nur im Fach Italienisch erbrachte er hervorragende Leistungen. Als er beim Examen durchfiel, verzichtete er auf eine Wiederholung. Um seinen Traum von der Seefahrt dennoch zu verwirklichen, heuerte er als Schiffsjunge auf dem Trabaccolo Italia Una an, mit dem er die Adria bis Brindisi kennenlernte.
Nach diesem kurzen Abenteuer kehrte er 1883 zu seiner Familie nach Verona zurück und begann zu schreiben. Im selben Jahr schickte er die Erzählung I selvaggi della Papuasia an die neu gegründete Zeitschrift La Valigia, die sie in vier Fortsetzungen veröffentlichte. Die Erzählung hatte Erfolg und verhalf ihm zu erstem Ruhm und weiteren Aufträgen. Die Zeitschrift Nuova Arena bot ihm an, seine weiteren Erzählungen zu drucken. Das Blatt gewann dadurch so an Beliebtheit, dass das ältere Konkurrenzblatt Arena Salgari abwarb und fest als Redakteur anstellte.
Im Jahr 1890 lernte er die Laienschauspielerin Ida Peruzzi kennen, die er am 20. Januar 1892 heiratete. Ein Jahr später kam seine Tochter Fathima zur Welt, benannt nach der Heldin eines seiner Romane. In den folgenden Jahren wechselte er häufig den Wohnort, um seinem jeweiligen Verleger nahe zu sein, und pendelte zwischen Turin, Genua und weiteren Städten. 1893 ließ er sich in Turin nieder. Zwei weitere Kinder trugen ebenfalls Namen von Figuren aus seinen Werken: Nadir und Romero.
Zwischen 1893 und 1897 arbeitete Salgari für verschiedene Jugendzeitschriften. In diesen Jahren entstanden beim Verlag Donath in Genua die bekannten Bände des Dschungelzyklus, darunter I misteri della Jungla Nera (1895) und I pirati della malesia (1896). Mit dem Verlag schloss er später einen Vierjahresvertrag. 1898 zog die Familie nach Genua. Dort erschienen der Roman Le stragi delle Filippine und wenig später sein wohl bekanntester Roman Il corsaro nero. In Genua lernte Salgari auch seine Illustratoren Giuseppe Gamba und Luigi Motta kennen.
Im Jahr 1900 kehrte er nach Turin zurück, wo sein viertes Kind Omar geboren wurde, das später ebenfalls Abenteuerromane im Stil des Vaters verfasste. 1906 löste Salgari seinen Vertrag mit Donath gegen Zahlung einer Strafe von sechstausend Lire und schloss einen einträglicheren mit dem Verlag Bemporad in Florenz ab. Im selben Jahr begann er mit Sulle frontiere del Far West einen neuen Zyklus, der im Wilden Westen spielt.
Die letzten Lebensjahre verdüsterten sich. Seine Frau zeigte immer deutlichere Anzeichen einer Geisteskrankheit, und es fiel ihm zunehmend schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Gegen 1909 unternahm er einen Selbstmordversuch: Er stürzte sich in seinen Degen, doch die Klinge glitt ab und verletzte ihn nur leicht. Wieder genesen, machte er sich erneut an die Arbeit, die ihm aber immer schwerer fiel. Er drohte zu erblinden und konnte seine eigene, sehr kleine Schrift kaum noch lesen. 1911 wurde seine Frau in eine Anstalt eingewiesen. Diesen Schlag verkraftete Salgari nicht. Am 25. April 1911 schrieb er drei Abschiedsbriefe und nahm sich anschließend das Leben. Werke wie La rivincita di Yanez und Le straordinarie avventure di Testa di Pietra erschienen erst nach seinem Tod.
Literarische Merkmale↑
Salgari schrieb Abenteuerromane und historische Romane, die seine Leser in ferne Länder und zu exotischen Völkern führten. Piraten, Dschungel und Meere bilden die Schauplätze seiner Geschichten, obwohl er selbst kaum je über die Adria hinausgekommen war. Sein Schreiben speiste sich aus der Lektüre populärer Reise- und Abenteuerliteratur, die ihn schon als Jugendlicher fesselte.
Kennzeichnend für sein Werk sind die groß angelegten Roman-Zyklen. Der eine spielt im malaiischen Dschungel und in der Welt der Piraten, ein anderer im Wilden Westen. Wiederkehrende Helden und Schauplätze verbanden die einzelnen Bände miteinander. Wie stark Salgari mit seinen Figuren lebte, zeigt sich daran, dass er seine eigenen Kinder nach Gestalten aus seinen Romanen benannte.
Rezeption↑
Bereits seine erste veröffentlichte Erzählung fand beim Publikum Anklang und verschaffte ihm rasch Ruhm und neue Aufträge. Zeitschriften warben um ihn, und seine Mitarbeit steigerte deren Beliebtheit spürbar. Sein Roman Il corsaro nero gilt als einer der bekanntesten italienischen Abenteuerromane überhaupt.
Salgaris Wirkung reichte über seinen Tod hinaus. Sein Sohn Omar verfasste später Abenteuerromane im Stil des Vaters. Auch mehrere von Salgaris eigenen Werken erschienen erst postum.
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