1797
Hyperion
Überblick↑
Der Roman Hyperion oder Der Eremit in Griechenland ist das einzige vollendete erzählerische Werk Friedrich Hölderlins. Es handelt sich um einen lyrischen Briefroman. In ihm tritt die äußere Handlung gegenüber den inneren Erfahrungen der Hauptfigur zurück. Hölderlin arbeitete fast sieben Jahre an dem Stoff. Seit 1792 beschäftigte er sich mit ihm und überarbeitete ihn immer wieder. Das Werk erschien in zwei Bänden 1797 und 1799. Es gilt als ein Werk von eigener Art, das sich keiner gewohnten Kategorie zuordnen lässt. Sein Gefühlsreichtum ist in eine seltene sprachliche Klangfülle gebannt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Der junge Grieche Hyperion blickt auf sein Leben zurück. Er berichtet davon in Briefen an seinen deutschen Freund Bellarmin. Er wächst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Südgriechenland auf, umgeben vom Frieden der Natur. Sein weiser Lehrer Adamas führt ihn in die Heldenwelt des Plutarch ein und begeistert ihn für die große griechische Vergangenheit.
Später trifft Hyperion auf den tatkräftigen Freund Alabanda. Dieser gewinnt ihn für die Pläne zur Befreiung Griechenlands. In Kalaurea lernt er Diotima kennen, eine Frau, die ihm die Kraft zur Tat gibt. Zwischen der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, der Liebe und dem Ruf zum Kampf für die Freiheit seines Landes sucht Hyperion seinen Weg. Der Roman erzählt, wie sich seine hohen Hoffnungen an der Wirklichkeit messen müssen.
Die Handlung im Detail↑
Hyperion berichtet rückschauend seinem deutschen Freund Bellarmin von seinem Leben. Er wächst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Südgriechenland im Frieden der Natur auf. Sein weiser Lehrer Adamas führt ihn in die Heroenwelt des Plutarch und dann in das Zauberland der griechischen Götter ein. So weckt er in ihm die Begeisterung für die griechische Vergangenheit.
Sein tatkräftiger Freund Alabanda weiht ihn in die Pläne zur Befreiung Griechenlands ein. In Kalaurea lernt Hyperion Diotima kennen. Sie gibt ihm die Kraft zur Tat. Im Jahre 1770 nimmt er am Befreiungskrieg der Griechen gegen die Türken teil. Doch die Rohheit des Krieges stößt ihn ab. Hyperion wird schwer verwundet, Alabanda muss fliehen, und Diotima stirbt.
Hyperion geht daraufhin nach Deutschland, doch das Leben dort wird ihm unerträglich. Deshalb kehrt er nach Griechenland zurück und lebt dort als Eremit. In seiner Einsamkeit findet er in der Schönheit der Landschaft und der Natur zu sich selbst. So überwindet er die Tragik, die in diesem Alleinsein liegt.
Die Figur der Diotima ist an Platons Diotima angelehnt. Von 1796 an ist sie zugleich von Susette Gontard inspiriert, der Frau des Bankiers, in dessen Frankfurter Haus Hölderlin lebte. Seiner Liebe zu ihr setzte er mit dieser Gestalt ein literarisches Denkmal. Den zweiten Band widmete er ihr mit den Worten „Wem sonst als Dir".
Stil↑
Das Werk ist ein lyrischer Briefroman. Die äußere Handlung hat darin nur untergeordnete Bedeutung. Im Vordergrund stehen die inneren Erfahrungen der Hauptfigur. Hölderlins strömender Gefühlsreichtum ist in eine besondere sprachliche Klangfülle gebannt. Der Roman ist ein Selbstbekenntnis. Trotz mancher jugendlich-schwärmerischen Züge macht er Hölderlins Lebenssicht und sein Seelenleben spürbar.
Die Natur wird verehrt als ein von Gott erfüllter Raum. In den Schlussbriefen feiert Hölderlin sie hymnisch. In der Schilderung Griechenlands durchdringen sich Vergangenheit und Zukunft, Traum und Verheißung. So entsteht ein Werk, das sich mit keinem anderen vergleichen und in keine gewohnte Kategorie einordnen lässt. Es ist nicht die Frucht einer überschwänglichen Eingebung. Es ist das genau durchdachte Ergebnis einer langwierigen Arbeit, die fast sieben Jahre dauerte.
Rezeption↑
Einzelne Teile des Romans haben über die Musik weitergewirkt. Hyperions Schicksalslied aus dem zweiten Band wurde mehrfach vertont. Besondere Bekanntheit erlangte die Fassung von Johannes Brahms, das Schicksalslied op. 54 für gemischten Chor und Orchester aus dem Jahr 1871.
Auch der Schluss des Romans fand seinen Weg in die Musik. Richard Wetz vertonte ihn 1912 als Kantate, Hyperion op. 32 für Bariton, gemischten Chor und Orchester. Die Gestalt Hölderlins und sein Werk beschäftigen die Nachwelt bis heute. Das zeigen immer neue Studien und Auseinandersetzungen mit seinem Leben und Nachleben.
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