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Werkseintrag · Hyperion
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Hyperion
– Werkseintrag –

Hyperion

· Epik

Ein unvollendetes Versepos der englischen Romantik über den Sturz der Titanen – und über den schmerzhaften Augenblick, in dem eine alte Götterordnung einer neuen, schöneren weichen muss.

Überblick

Das Versepos Hyperion ist ein unvollendetes Gedicht des englischen Romantikers John Keats. Es entstand in den Jahren 1818 und 1819. Das Werk greift den Stoff vom Sturz der Titanen aus der griechischen Mythologie auf. Es schildert den Übergang der Weltherrschaft von den alten Göttern an die jüngeren Olympier. Trotz seines fragmentarischen Charakters gilt es als eine der gewichtigsten dichterischen Anstrengungen der englischen Romantik. Zugleich ist es ein Schlüsseltext im Schaffen seines früh verstorbenen Verfassers.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt des Gedichts steht ein göttliches Geschlecht im Umbruch. Die Titanen waren einst Herrscher über die Welt. Nun haben sie ihre Macht an die jüngeren Olympier verloren und müssen sich mit ihrer Niederlage auseinandersetzen. Saturn, ihr König, sitzt verstoßen und beklagt seinen Sturz. Schließlich führt ihn Thea zu den übrigen entmachteten Titanen. Diese beraten untereinander, wie sie auf die neue Lage antworten sollen. Während die einen zum Kampf drängen, neigen andere zur Einsicht in den Wandel.

Eine zweite Achse bildet die Gestalt des Sonnentitanen Hyperion. Er behauptet als Einziger seiner Sippe noch seine Würde. Ihm gegenüber steht der junge Apollo, der in das Amt des Sonnengottes hineinwächst. Keats verschränkt damit zwei Bewegungen: den Niedergang einer alten Götterordnung und das Heraufkommen einer neuen, an Schönheit und Kunst gebundenen Welt.

Die Handlung im Detail

Das Gedicht setzt mit Saturns Klage über den Verlust seiner Macht ein, die ihm Jupiter genommen hat. Thea findet den entthronten König und führt ihn zu den übrigen Titanen, die ebenfalls entmachtet beieinandersitzen und beraten, ob sie die Olympier bekämpfen sollen. In dieser Versammlung gesteht Oceanos, der Titan und Gott des Meeres, dass er bereit sei, seine Herrschaft an den Olympier Neptun abzutreten, weil dieser weitaus schöner sei als er selbst. Clymene, eine junge Titanin, berichtet anschließend von ihrer beinahe schmerzhaften Erfahrung, als sie die wunderschöne Musik des Olympiers Apollo hörte. Schließlich tritt Enceladus, der Titan des Krieges, hervor und versucht, die anderen zum Kampf gegen die neuen Götter zu bewegen.

Die Szene wechselt zu Hyperion, dem Sonnentitanen, der als Einziger seine Macht bislang behauptet hat. Das Gedicht beschreibt zunächst seinen Palast und gibt dann die Ansprache des Uranus wieder, des altvorderen Königs über die Himmel und Vater Saturns, der Hyperion bittet, sich zu den anderen Titanen zu begeben.

Im letzten erhaltenen Abschnitt rückt Apollo in den Mittelpunkt, der neue Gott der Sonne und zugleich der Musik, der Kultur und der Zivilisation. Er steht weinend an einem Strand. Mnemosyne gesellt sich zu ihm, und er erklärt ihr den Grund seiner Tränen: Er sei sich seines ungeheuren Potentials bewusst, doch nicht in der Lage, es zu nutzen. Als er ihr in die Augen schaut, überkommt ihn die Erkenntnis, und er verwandelt sich vollständig in einen Gott. Mitten in diesem Verwandlungsaugenblick bricht das Gedicht ab; es blieb von Keats unvollendet.

Stil

Sprachlich und formal steht Hyperion in der Tradition des großen englischen Versepos. Keats wählt für seinen Titanenstoff einen erhabenen, feierlichen Ton. Er arbeitet mit ausgedehnten, plastisch ausgemalten Szenen: dem klagenden Saturn, dem Palast Hyperions, dem weinenden Apollo am Strand. Die Figuren sind als Standbilder und Redende zugleich angelegt. Lange Reden und innere Monologe tragen die Handlung, während die äußeren Bewegungen knapp bleiben.

Charakteristisch ist die Verschränkung von Mythos und Reflexion. Keats erzählt nicht nur den Götterkrieg nach. Er lässt seine Gestalten auch über Schönheit, Macht und Wandel sprechen. Der Eingriff endet nicht zufällig mit einer Verwandlungsszene. Das Werden eines Gottes wird zum Bild für den Übergang von einer Ordnung zur nächsten. Dass das Gedicht mitten in diesem Augenblick abbricht, prägt zwangsläufig auch sein Bild. Was als Fragment überliefert ist, wirkt wie ein bewusst offen gelassener Torso.

Rezeption

Trotz seines unvollendeten Zustands hat Hyperion als eines der ehrgeizigsten Werke Keats' nachgewirkt. Das Gedicht beschäftigt die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem englischen Romantiker bis heute. Eigene Kapitel sind ihm etwa in John Barnards Monographie John Keats und in Cedric Watts' A Preface to Keats gewidmet. Watts betrachtet das Werk dabei im Zusammenhang mit dem Einfluss Miltons.

Eine besonders sichtbare Spur hat das Gedicht in der modernen Literatur hinterlassen. Der US-amerikanische Schriftsteller Dan Simmons verfasste zwischen 1989 und 1990 sein Science-Fiction-Epos Die Hyperion-Gesänge. Es besteht aus den Romanen Hyperion und Der Sturz von Hyperion. In beiden Büchern tritt John Keats als rekonstruierte Persönlichkeit des historischen Dichters auf. Die Erzählungen sind reich mit Zitaten aus seinem Werk durchsetzt.

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