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Werkseintrag · Das goldene Vlies
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Das goldene Vlies
1821
– Werkseintrag –

Das goldene Vlies

1821 · Tragödie

Ein kostbares Vlies, ein Gott und sein Fluch: Grillparzer erzählt in drei Teilen, wie aus Gastfreundschaft Verrat wird und eine fremde Frau in der neuen Heimat zur Außenseiterin gerät.

Überblick↑

Mit der Trilogie Das goldene Vlies schuf Franz Grillparzer sein umfangreichstes Werk. Es entstand zwischen 1818 und 1820 und wurde am 26. und 27. März 1821 in Wien uraufgeführt. In drei Teilen erzählt es den großen antiken Stoff um den Raub des goldenen Vlieses, die Liebe zwischen Jason und Medea und deren furchtbares Ende. Als Vorlagen dienten das antike Argonautenepos des Apollonios von Rhodos sowie die Medea des Euripides. Grillparzer verbindet diese Stoffe zu einer durchgehenden Geschichte von Gastrecht und Verrat, von Schuld, die sich von Tat zu Tat weiterträgt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Das goldene Vlies ist ein kostbares Kleinod, das von Anfang an Unheil mit sich führt. Am Beginn steht der griechische Herrschersohn Phryxus, der aus seiner Heimat fliehen muss. Auf der Flucht wird ihm in Delphi von einem unbekannten Gott das Vlies übergeben, mit den Worten „Nimm Sieg und Rache hin!“. Phryxus gelangt in das ferne, von Barbaren bewohnte Kolchis, wo er sich eine neue Existenz aufbauen will – doch der dortige König Aietes sieht in ihm einen gefährlichen Fremden.

Der zweite Teil führt den Helden Jason ein. Er soll, ehe er seinen Thron antreten darf, das goldene Vlies aus dem fernen Kolchis holen. Mit dem Schiff Argo und seinen Gefährten, den Argonauten, bricht er auf. In Kolchis begegnet er Medea, der Tochter des Königs Aietes, einer fremden, geheimnisvollen Frau. Zwischen den beiden entsteht eine Liebe, die alle Loyalitäten auf die Probe stellt.

Der dritte Teil verlegt die Handlung nach Griechenland, wohin Jason mit Medea zurückkehrt. Dort, in der vertrauten Heimat des einen und der Fremde der anderen, gerät das Glück der beiden in eine schwere Krise. Die Trilogie erzählt durchgehend, wie eng Liebe, Stolz, Heimatlosigkeit und Schuld miteinander verwoben sind.

Die Handlung im Detail↑

Im ersten Teil, Der Gastfreund, muss der griechische Herrschersohn Phryxus durch das hinterhältige Wirken seiner Stiefmutter fliehen. Um sein Erbe betrogen, ohne Heimat und ohne Anspruch auf den Thron, erscheint ihm auf der Flucht in Delphi ein unbekannter Gott und überreicht ihm mit den Worten „Nimm Sieg und Rache hin!“ das goldene Vlies. Phryxus erreicht das von Barbaren bewohnte Kolchis und will dort neu beginnen. Er entdeckt eine Statue jenes Gottes, der ihm in Griechenland erschien: Es ist Perronto, der Gott der Barbaren und ihres Königs Aietes. Aietes aber sieht in Phryxus eine Gefahr. Er ermordet ihn und seine Gefährten auf hinterhältige Weise und benutzt dabei seine Tochter Medea als unwissendes Werkzeug. Beim Tod des Phryxus erkennt Medea, dass dieser feige und habgierige Mord am Gastfreund nun als Schuld auf dem Vlies lastet. Von düsteren Visionen getrieben, entflieht sie am Ende des ersten Teils aus der Gesellschaft der Barbaren und ihres Vaters.

Der zweite Teil, Die Argonauten, beginnt mit Jason, dem Sohn des verstorbenen Königs Äson. Er fordert von seinem Onkel Pelias den ihm zustehenden Thron. Pelias jedoch bittet ihn listig, vor der Amtsübergabe erst das goldene Vlies aus Kolchis zu holen, da er selbst zu alt sei, um Phryxus zu rächen. Mit dem Schiff Argo gelangt Jason nach Kolchis, begleitet von den Argonauten, unter ihnen sein enger Freund Milo. Aietes sucht mit seinem Sohn Absyrtus die Tochter Medea in einem verlassenen Turm auf, wo sie mit ihren Jungfrauen lebt, und überredet sie, ihm erneut beim Vertreiben der Fremden zu helfen. Medea willigt widerwillig ein und trifft im Lauf der Handlung dreimal auf Jason. Dabei kämpft sie gegen ihre Liebe zu dem Fremden an, doch diese Liebe ist stärker als ihr Wille, Kolchis treu zu bleiben. Sie schützt Jason vor den Barbaren, stellt sich gegen ihre eigene Familie, führt das goldene Vlies dem Feind zu und nimmt es an, dass Jason sie zur Frau macht. Am Ende ist Medea von ihrer Familie verstoßen, Absyrtus nimmt sich das Leben, und Jason segelt mit dem Vlies, mit Medea und ihrer Amme Gora zurück nach Griechenland, um sein Thronerbe anzutreten.

Der dritte Teil, Medea, erzählt von der Rückkehr nach Korinth zu König Kreon, wohin Jason mit Medea, den beiden gemeinsamen Kindern und der Amme kommt und um gastliche Aufnahme bittet. Dort trifft Jason auf seine ehemalige Geliebte, die Königstochter Kreusa. Diese kümmert sich so herzlich um die beiden Kinder, dass Medea eifersüchtig wird; zudem fühlt sie sich in Griechenland als Außenseiterin. Kreon will Medea schließlich fortschicken, Jason und die Kinder jedoch bei sich behalten. Medea wird vertrieben. In ihrer inneren Zerrissenheit beauftragt sie die Amme mit der Tötung Kreusas und ermordet eigenhändig ihre beiden Kinder. Am Ende des Dramas bringt sie das goldene Vlies zum Heiligtum des Apollo nach Delphi zurück.

Stil↑

Angelegt ist das Werk als Trilogie, also als ein zusammenhängendes Drama in drei Teilen. Diese sind ungleich gebaut: Ein knapper erster Teil, Der Gastfreund, dient als Vorspiel und legt das Unheil an, das sich über die beiden folgenden, breiter ausgeführten Teile entfaltet. So entsteht ein großer Bogen, der von der ersten Schuld bis zur letzten Tat reicht.

Tragend ist das Bild des goldenen Vlieses selbst. Es kehrt durch alle drei Teile wieder und verbindet sie: Was als Gabe eines Gottes beginnt, wird durch Raubmord mit Schuld beladen und trägt diese Schuld von Hand zu Hand weiter, bis es am Ende wieder dorthin zurückkehrt, wo es einst übergeben wurde. Grillparzer stellt der griechischen Welt die fremde Welt von Kolchis gegenüber und gewinnt aus diesem Gegensatz von Vertrautem und Fremdem die innere Spannung des Werks. Medea bleibt in beiden Welten eine Fremde – ein Grundzug, der die Tragödie bestimmt.

Rezeption↑

Bis heute gehört die Trilogie zum festen Bestand der Bühnen im deutschsprachigen Raum, wobei besonders der dritte Teil, Medea, immer wieder gespielt wird. Im Jahr 2004 wurde das Drama am Wiener Burgtheater aufgeführt und für vier Nestroy-Theaterpreise nominiert; Birgit Minichmayr und Stephan Kimmig gewannen zwei davon, für Darstellung und Regie. Am Schauspiel Leipzig kamen 2007 alle drei Teile zur Aufführung. 2016 wurden in Oberwil in der Schweiz alle drei Teile als Bildungsprojekt in Grillparzers Originaltext und mit eigener Vertonung gespielt, 2018 stand das Werk am Landestheater Innsbruck auf dem Spielplan.

Auch in der Forschung hat das Werk anhaltend Beachtung gefunden, vor allem die Frage nach dem Bild des Barbarischen und nach dem Verhältnis von Gastrecht und Fremdheit. Ein sichtbares Zeichen der Nachwirkung ist die Benennung der Medeagasse in Wien-Favoriten im Jahr 1958, die sich auf die Dramentrilogie bezieht.

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