1841
Wie Uli, der Knecht, glücklich wird
Überblick↑
Der Roman Wie Uli, der Knecht, glücklich wird von Jeremias Gotthelf (1797–1854) erschien 1841. Ein Folgeband, Uli der Pächter, kam 1849 heraus. Das Buch ist episodenhaft aufgebaut und zugleich ein Erziehungs- und Bildungsroman. Ganz im Zeichen von Gotthelfs Wirken als Lehrer will es den Leser auf den rechten Weg führen – im Umgang mit dem Geld ebenso wie in der Ehrfurcht vor Gott und vor dem Meister. Erzählt wird, wie aus einem haltlosen Knecht durch Arbeit, Sparsamkeit und gute Anleitung ein angesehener Mann werden kann.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Uli, ein junger Knecht auf dem Hof des Bauern Johannes. In letzter Zeit trinkt Uli zu viel und vernachlässigt seine Arbeit. Bäuerin und Bauer sind erzürnt, und der Meister stellt ihm ein Ultimatum: Acht Tage hat Uli Zeit, sich zu entscheiden, sonst wird er entlassen. Zunächst zeigt sich Uli uneinsichtig, doch in einem nächtlichen Gespräch findet der Bauer die richtigen Worte.
Der Meister lehrt ihn eine einfache Weisheit: Jeder Mensch besitze zwei Dinge, Zeit und Kraft, und müsse sie nur richtig einsetzen, um glücklich zu werden. Wer freudig, ehrlich und fleißig sei, dem habe der Teufel wenig anzuhaben. Uli nimmt sich die Lehre zu Herzen, beginnt zu sparen und gewinnt an Ansehen.
Doch der Weg ist voller Versuchungen. Ein neidischer Nachbar, missgünstige Mitknechte, lockende Mädchen und schlecht zurückgezahlte Schulden stellen Ulis guten Willen immer wieder auf die Probe. Die Frage, ob er die Fallstricke des Lebens besteht und es wirklich zu etwas bringt, trägt durch das ganze Buch.
Die Handlung im Detail↑
Der Bauer und die Bäuerin sind zornig auf Uli, weil er trinkt und seine Arbeit schlecht verrichtet. Der Meister stellt ihm ein Ultimatum von acht Tagen. Zunächst ärgert sich Uli über den Bauern, im nüchternen Zustand aber über sich selbst. Er wird aggressiv und fürchtet, Anne Lisi sei von ihm schwanger.
An einem Sonntag soll der Meister erneut mit Uli reden, doch der Besuch der Schwester aus dem Welschland kommt dazwischen. Erst in der Nacht, bei der Wache, findet sich Gelegenheit. Der Bauer hält Uli eine Art Kinderlehre: Uli sei nur in seiner Angst so böse gewesen. Uli jammert, er habe keinen Menschen, dem er fehle, und beginnt zu weinen. Der Bauer tröstet ihn und lehrt ihn, dass Zeit und Kraft, recht genutzt, zum Glück führen; der Pfarrer habe gesagt, man müsse auch am Dienst Freude haben.
In diesem Augenblick kommt ein schwarzes Kalb mit weißem Stern zur Welt und unterbricht das Gespräch. Von nun an bessert sich Uli, arbeitet sorgfältig und aus eigenem Antrieb. Als Anne Lisi auftaucht und ihn zurückgewinnen will, bleibt er hart und ist froh, seine Fesseln los zu sein. Der Bauer rät ihm, weniger auszugehen, dann könne er bis zum Jahresende seine Schulden tilgen.
Uli geht wieder zur Kirche, spart und ist fleißig. Doch sein Aufstieg weckt Neid: Andere Knechte und Mägde sticheln, und ein dem Bauern feindlich gesinnter Nachbar wirft ein Auge auf ihn. Als Spott nichts nützt, lobt der Nachbar ihn – und bringt ihn so dazu, seinen Dienst nach und nach zu verachten. Beim Hornussen, einem Spiel zwischen zwei Dörfern, soll Uli mitspielen. Der Meister rät ab, doch der Nachbar redet es ihm aus. Es kommt zu Streit und Schlägereien. Der Nachbar Resli will Uli als Schuldigen hinstellen, doch der Meister hört zu, regelt die Sache mit Resli und steht Uli bei – unter der Bedingung, dass dieser ihm treu bleibe.
Uli darf nun an Sonntagen in der warmen Stube lesen, was zunächst Streit gibt; die Bäuerin schlichtet. Bald kommen alle Knechte dorthin, bis der Bauer ein Machtwort sprechen muss. Uli hat einen ganzen Jahreslohn erspart, leiht ihn dann aber leichtfertig aus, in der Hoffnung, alles zurückzuerhalten. Die Leute vertrösten ihn. Der Bauer hilft und holt von dreißig Kronen wenigstens fünfzehn zurück, die er Uli in die Ersparniskasse legen lässt.
Mit wachsendem Ansehen kommen auch die Mädchen. Stini, die Meisterjungfer, und Uersi, die Untermagd, kämpfen um ihn, bis Stini ins Gülleloch gestoßen wird – am Ende will Uli keine von beiden. Beim Verkauf einer Kuh macht er Gewinn und trifft unterwegs Käthi, die Nachbarstochter. Er hilft ihr mit ihren Schweinen, kehrt mit ihr ein und meint, sie würde ihn heiraten, wenn er wollte. Der Bauer aber rät ab: Als Hausfrau tauge Käthi nichts, und eine Bauerntochter wäre zu hochnäsig. Uli folgt dem Rat.
In Uli wächst der Wunsch, es zu etwas zu bringen, doch dafür müsste er mehr verdienen. Auf einem Markt trifft der Bauer seinen Vetter Joggeli, dem es schlecht geht und der einen verlässlichen Meisterknecht sucht. Zögernd, weil er Ulis Wert kennt, schlägt Johannes ihn vor. Joggeli erkundigt sich heimlich beim Stallburschen und bei der Bäuerin über Uli; die Bäuerin ist nicht begeistert, doch die Sache ist beschlossen. Nach tränenreichem Abschied zieht Uli nach Ueftigen.
Bei Joggeli trifft Uli auf Vreneli, eine arme, aber edelmütige Verwandte. Als neuer Meisterknecht will Uli vieles besser machen und zieht damit den Hass der anderen Knechte auf sich, zugleich aber die Bewunderung der Meisterleute, der Mägde und besonders Vrenelis. Am ersten Sonntag will er zur Kirche, was erneut Spott bringt; nur Vreneli hält zu ihm. Als Knechte ihn im Dunkeln angreifen, weiß er sich zu wehren – am nächsten Morgen weckt er sie alle, und nur Vreneli und die Mutter wissen, was geschehen ist.
Uli darf sonntags in der Bibel lesen und seinem alten Meister schreiben. Joggelis Tochter Elisi, eingebildet und dumm, kann ihn nicht leiden. Mit der Zeit verbessert Uli den Hof, macht im Stall Vorschläge und fällt durch frühe Arbeit auf. Er soll Kühe verkaufen und neue ankaufen, was ihm mit Gewinn gelingt. Beim Heuen jedoch zeigt sich, dass er kaum Hilfe hat und fast alles allein tun muss. Als die Lage eskaliert, stellt Uli den Meister vor die Wahl: er oder die faulen Knechte Melcher und Karrer. Mit Hilfe der Bäuerin bewegt er Joggeli dazu, die beiden zu entlassen. So setzt sich Uli auf dem neuen Hof durch, und der weitere Aufstieg wird in der Fortsetzung Uli der Pächter erzählt.
Stil↑
Sprachlich ist der Roman stark vom Dialekt geprägt – anders als manche andere Werke Gotthelfs, etwa Jacobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz. So tauchen Begriffe wie «Chacheli» (Tasse) auf, die im Berndeutschen bis heute lebendig sind, aber auch heute eher vergessene Ausdrücke wie «Gunteräri» (Gegenteil), ein vom Französischen beeinflusstes Wort aus dem Sprachgebrauch der Berner Patrizier. Auch die Namen tragen regionalen Charakter, etwa Vreneli. Der Name Uli selbst ist bereits eine Verhochdeutschung; im Dialekt lautet er Ueli, mit dem Diphthong «Ue» gesprochen.
Der Erstdruck von 1841 hatte noch keine Kapitelüberschriften. Diese entstanden erst für eine «verdeutschte» Fassung, die 1846 unter dem Titel Uli, der Knecht. Ein Volksbuch erschien. Gotthelf besorgte diese Bearbeitung selbst, in ständigem Austausch mit dem deutschen Schriftsteller Ferdinand Schmidt. Diese Version ist heute weitgehend vergessen. Die sprechenden Kapitelüberschriften – etwa «Nun kommt der Teufel und säet Unkraut in den guten Samen» – spiegeln den lehrhaften, bildkräftigen Grundton des Buches, der biblische Gleichnisse und bäuerlichen Alltag verbindet.
Rezeption↑
Bekannt wurde Gotthelf in Deutschland zunächst durch die überarbeitete Fassung von 1846, doch schon bald kehrte man zur ursprünglichen Dialektfassung zurück. Ferdinand Vetter verband 1886 für seine Ausgabe im Reclam-Verlag den Urtext von 1841 mit den Kapitelüberschriften von 1846 und erklärte «unverständliche» Dialektwörter in einem Glossar. Dieser Vorlage folgen seither die Neuausgaben.
Das Werk fand auch über den deutschen Sprachraum hinaus Verbreitung. Eine erste französische Übersetzung erschien 1850, eine Neufassung von Raymond Lauener kam 1999 heraus. 1885 erschien eine englische Übersetzung unter dem Titel Ulric, the farm servant. Dass der Stoff in einem Folgeband, Uli der Pächter, fortgesetzt wurde, zeigt, wie sehr die Figur des aufstrebenden Knechts ihre Leser beschäftigte.
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