Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Der Diener zweier Herren
Eingang · Werke · Der Diener zweier Herren
Cover Der Diener zweier Herren
Der Diener zweier Herren
1746
– Werkseintrag –

Der Diener zweier Herren

1746 · Komödie

Ein hungriger Diener verdingt sich heimlich bei zwei Herren zugleich und muss mit immer kühneren Lügen verhindern, dass die beiden je voneinander erfahren.

Überblick

Das Bühnenstück Der Diener zweier Herren ist eine der bekanntesten Komödien des italienischen Dramatikers Carlo Goldoni. Es wurde 1746 in Venedig uraufgeführt und gilt als ein Höhepunkt der Commedia dell’arte. Im Mittelpunkt steht der pfiffige Diener Truffaldino, der sich heimlich bei zwei Herren zugleich verdingt und aus den daraus entstehenden Verwicklungen immer wieder herauswindet.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der findige Diener Truffaldino, der eines Tages auf eine verlockende Idee kommt: Weil ihn sein erster Herr zu schlecht bezahlt, tritt er heimlich auch in den Dienst eines zweiten. Fortan bedient er beide, ohne dass einer vom anderen weiß.

Die Vorgeschichte führt nach Venedig. Florindo wird beschuldigt, den Bruder seiner Geliebten Beatrice getötet zu haben, und ist vor den Anschuldigungen geflohen. Beatrice reist ihm als Mann verkleidet nach, an ihrer Seite ihr Diener Truffaldino. Ohne dass die beiden Liebenden voneinander wissen, nehmen sie im selben Wirtshaus Quartier.

Genau hier nimmt Truffaldinos Doppelspiel seinen Lauf. Vertauschte Briefe, verwechselte Truhen und gefährlich nahe Begegnungen treiben ihn in immer neue Bedrängnis. Daneben spielt eine zweite Liebesgeschichte rund um den Kaufmann Pantalone, seine Tochter Clarice und den jungen Silvio. Wie der schlitzohrige Diener all die Knoten löst, bleibt der eigentliche Reiz des Stücks.

Die Handlung im Detail

Der Diener Truffaldino Battochio kommt nach Venedig im Gefolge seiner Herrin Beatrice Rasponi. Diese ist als Mann verkleidet und gibt sich für ihren getöteten Bruder Federigo aus. Beatrice sucht ihren Geliebten Florindo Aretusi, der beschuldigt wird, ihren Bruder getötet zu haben, und deshalb nach Venedig geflohen ist. Ohne dass die beiden Liebenden voneinander wissen, steigen sie im selben Wirtshaus ab.

Truffaldino, dem seine Herrin zu wenig zahlt, um angemessen leben zu können, tritt ohne Beatrices Wissen auch in Florindos Dienste. So wird er zum Diener zweier Herren. Von nun an muss er beide bedienen, ohne dass einer von der Existenz des anderen erfährt. Daraus ergeben sich zahlreiche Schwierigkeiten, aus denen er sich aber stets wieder herauswinden kann. In seinen Lügen geht er schließlich so weit zu behaupten, der jeweils andere Herr sei tot.

Verflochten ist damit die Geschichte um den venezianischen Kaufmann Pantalone Dei Bisognosi, seine Tochter Clarice, deren Verehrer Silvio, den Sohn des Dr. Lombardi, sowie die Kammerzofe Smeraldina. Die Verwicklungen spitzen sich zu, bis Truffaldino die beiden Liebenden Beatrice und Florindo zufällig wieder zusammenführt. Am Ende wird er für seine Mühen belohnt: Er darf die Kammerzofe Smeraldina heiraten.

Stil

Das Werk steht ganz in der Tradition der Commedia dell’arte, des italienischen Stegreiftheaters mit seinen festen Typenrollen. Die Figur des Truffaldino geht auf die Maske des Arlecchino, des Harlekins, zurück. Darauf verweist auch der Titel, unter dem die italienische Originalfassung ebenfalls bekannt ist: Arlecchino servitore di due padroni. Goldoni schrieb das Stück angeregt durch den berühmten Arlecchino- und Truffaldino-Darsteller Antonio Sacchi.

Kennzeichnend ist das rasche Spiel mit Verwechslungen, Verkleidungen und Verstecken. Die Handlung lebt von der Schlagfertigkeit ihres Helden, der sich aus jeder noch so verfänglichen Lage durch List und Wortwitz befreit. Die Titelrolle gibt dem Darsteller breiten Raum für komödiantisches Spiel und gilt als eine der dankbarsten Rollen des heiteren Theaters.

Rezeption

Schon früh fand das Stück seinen Weg auf die deutschen Bühnen: Johann Wolfgang von Goethe ließ Der Diener zweier Herren in Weimar aufführen. Im 20. Jahrhundert blieb es ein fester Bestandteil des Spielplans. Am 1. April 1924 eröffnete Max Reinhardt damit das renovierte Wiener Theater in der Josefstadt, mit Hermann Thimig als Truffaldino; Gastspiele in Berlin und im Ausland folgten. 1946 wurde Reinhardts Inszenierung bei den Salzburger Festspielen wieder aufgenommen.

Weltberühmt wurde die Aufführung, die Giorgio Strehler 1947 am Piccolo Teatro in Mailand herausbrachte. Den Truffaldino spielte zunächst Marcello Moretti, später Ferruccio Soleri, der in dieser Rolle bis ins hohe Alter auftrat. Diese Inszenierung stand jahrzehntelang auf dem Spielplan und bereiste die halbe Welt.

Bis in die Gegenwart wird das Stück immer wieder neu bearbeitet und gespielt, von niederdeutschen Fassungen über eine Bearbeitung durch Peter Turrini bis zu Open-Air-Inszenierungen. Im deutschsprachigen Raum ist es seit den 1970er Jahren häufig in der Übersetzung von Uwe Schuster und Hartwig Albiro zu sehen. Die englische Bearbeitung One Man, Two Guvnors zeigt, wie lebendig der Stoff bis heute geblieben ist.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten