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Werkseintrag · Der Mantel
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Der Mantel
1842
– Werkseintrag –

Der Mantel

1842 · Erzählung

Ein armer Schreiber in Sankt Petersburg spart sich einen neuen Mantel vom Munde ab – und ahnt nicht, was ihm dieses kostbare Stück an einem frostigen Winterabend einbringen wird.

Überblick

Mit Der Mantel schuf Nikolai Wassiljewitsch Gogol eine der berühmtesten Erzählungen der russischen Literatur. Sie erschien im dritten Band seiner Werkausgabe. Dieser Band wurde Ende 1842 gedruckt und kam in der letzten Januarwoche 1843 in den Verkauf. Die Geschichte gehört zum Zyklus der Petersburger Erzählungen. Sie ging als „Manifest sozialer Gleichheit und der unveräußerlichen Rechte des Menschen, gleich welchen Standes" in die russische Literaturgeschichte ein. Im Mittelpunkt steht der „kleine Mann". Diese Figur erscheint hier in einer Eindringlichkeit, die später viele russische Erzähler geprägt hat.

Inhalt (ohne Spoiler)

Akaki Akakijewitsch Baschmatschkin ist ein armer Titularrat in Sankt Petersburg. In einem staubigen Departement schreibt er Akten ab, und das tut er mit hingebungsvoller Liebe. Sein Jahresgehalt beträgt 400 Rubel. Im Amt zählt er kaum, und die jüngeren Kollegen treiben Späße mit ihm. Eines Tages stellt er fest, dass sein alter Mantel dem Petersburger Winter nicht mehr standhält. Der Schneider Petrowitsch weigert sich, das verschlissene Stück noch einmal zu flicken. Ein neuer Mantel muss her. Die Summe ist für Akaki unerreichbar. Er spart, wo er nur kann: kein Abendtee mehr, leise auf Zehenspitzen gehen, damit die Schuhe nicht verschleißen, seltener Wäsche waschen lassen, zu Hause nur noch den Schlafrock tragen. Als die Festtagsprämie höher ausfällt als erwartet, lässt sich die kostbare Anschaffung verwirklichen. Wie es dem schüchternen Schreiber und seinem neuen Mantel in der eiskalten Hauptstadt weiter ergeht, gehört zu den berühmtesten Wendungen der russischen Erzählkunst.

Die Handlung im Detail

Akaki Akakijewitsch Baschmatschkin ist ein bescheidener Titularrat in einem Petersburger Amt. Er verdient 400 Rubel im Jahr, kopiert Schriftstücke mit Hingabe und spielt in der Behörde eine völlig untergeordnete Rolle. Die jüngeren Beamten treiben Späße mit ihm. In einer berühmten Stelle hört man hinter seinen sanften Worten „Lasst mich, warum kränkt ihr mich?" plötzlich eine andere Stimme: „Ich bin dein Bruder."

Eines Tages bemerkt Akaki, dass sein alter Mantel völlig zerschlissen ist. Er bringt ihn zum Schneider Petrowitsch, doch dieser erklärt, an dem Stück sei nichts mehr zu retten – ein neuer Mantel müsse genäht werden. Akaki muss sich einschränken: Abends trinkt er keinen Tee mehr, er geht auf Zehenspitzen, damit die Schuhe nicht abnutzen, gibt seltener Wäsche zum Waschen und trägt zu Hause nur noch den Schlafrock. Als die Festtagsprämie höher ausfällt als erwartet, geht der Titularrat mit dem Schneider den Stoff kaufen.

An einem frostigen Morgen betritt Akaki das Amt in seinem neuen Mantel. Alle beglückwünschen ihn, am Abend wird er zum Namenstag des Gehilfen eines Tischvorstehers eingeladen. Akaki ist bester Laune. Gegen Mitternacht macht er sich auf den Heimweg. Da treten ihm Männer mit Schnurrbärten in den Weg, rufen „Das ist mein Mantel!" und reißen ihm das gute Stück von den Schultern.

Die Hauswirtin rät ihm, sich an den Bezirkskommissar zu wenden, doch der Gang am nächsten Tag bleibt vergeblich. Im alten Mantel erscheint Akaki wieder im Amt. Vielen tut er leid, die Kollegen sammeln Geld zusammen, doch die Summe ist viel zu klein. Da raten sie ihm, sich an eine „bedeutende Persönlichkeit" zu wenden – einen einflussreichen General. Der jedoch fährt Akaki so wütend an, um seine eigene Wichtigkeit zu zeigen, dass dieser „auf die Straße tritt, ohne zu wissen, wohin".

Petersburg ist eisig und windig, der alte Mantel taugt nichts mehr. Wieder daheim, legt sich Akaki mit Fieber ins Bett. Er erholt sich nicht mehr und stirbt nach wenigen Tagen im Wahn.

Von da an taucht an der Kalinkin-Brücke ein Gespenst „in Gestalt eines Beamten" auf, das den Passanten Mäntel, Pelze und Überröcke von den Schultern reißt. Manche erkennen in dem Toten Akaki Akakijewitsch. Nichts kann ihn zur Ruhe bringen. Eines Abends fährt jene „bedeutende Persönlichkeit" durch die Gegend. Der Tote stürzt sich mit dem Schrei „Deinen Mantel brauche ich!" auf den General, reißt ihm den Mantel von den Schultern – und verschwindet danach für immer.

Stil

Gogol erzählt absichtsvoll umständlich, beinahe holperig, in jenem berühmten Skaz-Ton der russischen Literatur. Es klingt, als spräche ein etwas zerstreuter, gutmütiger Berichterstatter direkt mit dem Leser. Der Einsatz der Erzählung ist voller Wortspiele und Kalauer. Doch in diese betont schlichte, mit Späßen durchsetzte Sprechweise brechen immer wieder pathetische Monologe ein. In ihnen wird die Stimme des Erzählers plötzlich klagend und mitfühlend. Aus dem Spott über den unscheinbaren Schreiber wird so jenes berühmte „humane" Innehalten. Darin wird hinter Akakis leisen Worten die Mahnung „Ich bin dein Bruder" hörbar. Am Ende verlässt die Erzählung den nüchternen Petersburger Alltag und kippt ins Gespenstische, ohne den amtlichen Berichtston ganz aufzugeben.

Rezeption

Die Erzählung ging als „Manifest sozialer Gleichheit und der unveräußerlichen Rechte des Menschen, gleich welchen Standes" in die Geschichte der russischen Literatur ein. Mit der Figur des Akaki Akakijewitsch wurde der „kleine Mann" zu einer der einflussreichsten Gestalten der russischen Erzählkunst. Auch das 20. und 21. Jahrhundert hat Der Mantel immer wieder neu erzählt, vor allem auf der Leinwand. Die Bandbreite reicht von Alberto Lattuadas italienischer Verfilmung 1952 über Jack Claytons Der Mantel nach Maß 1956 und Alexei Batalows russische Fassung 1959 bis zu Juri Norsteins Animationsversion. Auch als Comic (2010) und in weiteren Spielfilmen lebt die Geschichte fort.

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