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Werkseintrag · Der Mann, der Bäume pflanzte
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Der Mann, der Bäume pflanzte
1953
– Werkseintrag –

Der Mann, der Bäume pflanzte

1953 · Kurzgeschichte

Ein einsamer Schäfer sät über Jahrzehnte hinweg Bäume in eine sterbende Berglandschaft der Provence, und ein junger Wanderer wird zum Zeugen dieser stillen Arbeit.

Überblick↑

Die Kurzgeschichte Der Mann, der Bäume pflanzte des französischen Autors Jean Giono erschien 1953. Der Originaltitel lautet L'homme qui plantait des arbres. In Deutschland kam sie im Sanssouci Verlag heraus. Die Erzählung spielt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie handelt von einem Schäfer, der eine karge Berggegend in der Provence über Jahrzehnte wieder aufforstet. Giono ging es darum, die Liebe zum Pflanzen von Bäumen zu wecken. Der Text wurde in viele Sprachen übersetzt und zum Teil kostenlos verbreitet. Es war einer der Texte, auf die der Autor am meisten stolz war.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Jahr 1913 durchwandert ein junger Mann allein das karge Bergland der Provence. Sein Wasser ist ihm ausgegangen, und bei der Suche nach einer Quelle trifft er zufällig auf einen 55-jährigen Schafhirten. Dieser gibt ihm zu trinken und lässt ihn in seiner Hütte übernachten. Neugierig geworden, warum der Mann so einsam lebt, bleibt der junge Wanderer einige Tage. So erfährt er, dass der Hirte, Elzéard Bouffier, unbeirrt Bäume sät, um dem Absterben der ganzen Gegend etwas entgegenzusetzen. In den folgenden Jahren kehrt der Erzähler immer wieder in diese Landschaft zurück. Was aus der stillen Arbeit des einen Mannes wird, entfaltet die Geschichte Schritt für Schritt.

Die Handlung im Detail↑

Auf einer Wanderung durch die karge Provence gerät ein 22-jähriger Mann im Jahr 1913 in Not, weil ihm das Wasser ausgegangen ist. Zufällig trifft er auf den 55-jährigen Schäfer Elzéard Bouffier, der ihm zu trinken gibt und ihn in seiner Hütte aufnimmt. Der junge Mann bleibt einige Tage. Er erfährt, dass Bouffier sich für ein Leben in der Einsamkeit entschieden hat, nachdem er Frau und Sohn verloren hatte. Als der Schäfer erkannte, dass die ganze Gegend aus Mangel an Bäumen absterben würde, beschloss er, etwas dagegen zu tun, und begann, Bäume zu säen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, zu dem der Erzähler eingezogen worden war, sucht er aus dem Bedürfnis nach frischer Luft die Gegend erneut auf. Er trifft wieder auf den Schäfer, der seiner Tätigkeit unverändert nachgeht. In den folgenden Jahren besucht der Erzähler Elzéard Bouffier mehrmals und erlebt, wie der Wald wächst und sich die Landschaft verändert: In den Brunnen gibt es wieder Wasser, und Menschen kehren in die einst verlassenen Dörfer zurück. Mehr als vier Jahrzehnte lang pflanzt Bouffier Bäume. Zwischendurch wechselt er den Beruf und wird Imker, weil die Schafe seine Pflanzungen gefährden. Auch Menschen, die von seiner Arbeit nichts wissen, bedrohen den Wald. Doch liegt er so abgelegen, dass ihm kein großer Schaden zugefügt werden kann.

Zu Beginn und am Ende der Geschichte stellt Giono den außergewöhnlichen Charakter Elzéard Bouffiers in den Mittelpunkt und zollt ihm Hochachtung. Er bezeichnet dessen Tun als frei von Eigennutz und seine Idee als edelmütig. Daraus schließt er, dass das menschliche Dasein trotz allem etwas Wunderbares sein könne. Der Name Elzéard, verwandt mit „Lazarus“, ist hebräischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Gott hat geholfen“. Als „Lazarus-Phänomen“ bezeichnet man ein Ereignis, bei dem etwas Totgeglaubtes wieder zum Leben erweckt wird – so wie hier der Wald.

Stil↑

Erzählt wird die Geschichte durchgehend aus der Sicht des jungen Wanderers, der über Jahrzehnte hinweg von seinen Begegnungen mit dem Schäfer berichtet. Diese Rückschau gibt der Erzählung den ruhigen, bezeugenden Ton eines Augenzeugenberichts. Giono rahmt den Text, indem er Elzéard Bouffier zu Beginn und am Schluss in den Mittelpunkt rückt und ihm ausdrücklich seine Bewegung wächst gleichsam mit dem Wald: aus einzelnen Samen wird über die Jahre eine ganze Landschaft. Auch der Name des Helden trägt Bedeutung. In der Verwandtschaft von „Elzéard“ und „Lazarus“ klingt das Wiedererwachen des totgeglaubten Landes an und verleiht der schlichten Geschichte einen fast gleichnishaften Zug.

Rezeption↑

Große Verbreitung fand die Erzählung dadurch, dass sie in viele Sprachen übersetzt und zum Teil kostenlos weitergegeben wurde. Giono selbst führte gerade dies als Grund ihres Erfolges an. Er merkte an, an dem Text keinen „Centime“ verdient zu haben, und zählte ihn zu jenen, auf die er am meisten stolz war. Die Tochter des Autors, Aline Giono, sprach von „einer Familiengeschichte für eine lange Zeit“. In einem Brief aus dem Jahr 1957 an den Wasser- und Forstverantwortlichen der Stadt Digne stellte Giono jedoch klar: „Ich bin traurig, Sie zu enttäuschen, aber Elzéard Bouffier ist eine erfundene Persönlichkeit.“ Sein Ziel sei es gewesen, die Liebe zum Baum und zum Pflanzen von Bäumen zu entfachen.

Über die Literatur hinaus wirkte die Geschichte durch mehrere Verfilmungen nach. 1987 entstand ein Zeichentrickfilm unter dem Regisseur Frédéric Back. Eine weitere Verfilmung von Werner Kubny aus dem Jahr 1989 trägt den Titel Der Mann mit den Bäumen.

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