1831
Abende auf dem Weiler bei Dikanka
Überblick↑
Das Werk Abende auf dem Weiler bei Dikanka ist das erste Buch des russischen Schriftstellers Nikolai Wassiljewitsch Gogol – abgesehen von einem Gedicht, das er zuvor unter einem Decknamen veröffentlicht hatte. Es versammelt acht Erzählungen aus dem dörflichen Leben der Ukraine, verteilt auf zwei Bände. Der erste erschien 1831, der zweite 1832. Mit diesem Buch trat Gogol in die russische Literatur ein. Seinen Stoff schöpfte er aus der ukrainischen Volksüberlieferung, und so verbinden sich in den Geschichten Lebenslust, Aberglaube und das Eindringen des Unheimlichen in den heiteren Alltag.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Acht Erzählungen führen den Leser in eine frühere Zeit und in die Welt der dörflichen Ukraine. Es ist eine Welt voller praller Lebenslust und voller Aberglaube. Auf den ersten Blick wirkt sie fröhlich, harmonisch und natürlich – doch der Schein trügt, denn immer wieder brechen phantastische, unheimliche Kräfte in den Alltag ein.
Eine Klammer hält das Buch zusammen: Angeblich hat der Imker Rudy Panko die Geschichten gesammelt und herausgegeben. Jeder der beiden Bände beginnt mit einer Vorrede dieses erfundenen Herausgebers, der den Rahmen für die Erzählungen setzt und den Leser auf die ungewöhnliche Welt vorbereitet, in die er ihn führen wird.
Der erste Band enthält die Geschichten Der Jahrmarkt in Sorotschinzy, Der Johannisabend, Mainacht oder Die Ertrunkene und Die verschwundene Urkunde. Der zweite Band versammelt Die Nacht vor Weihnachten, Furchtbare Rache, Iwan Fjodorowitsch Schponka und sein Tantchen und Der verhexte Platz. Es geht um Hochzeiten, Eroberungen und glückliche Ausgänge – doch erreicht wird vieles nur durch List, Täuschung und nicht selten durch das Wirken dunkler Mächte.
Die Handlung im Detail↑
Das Buch ist keine durchlaufende Erzählung, sondern eine Sammlung aus zwei Bänden mit je vier Geschichten. Den Zusammenhalt schafft die erfundene Figur des Imkers Rudij Panko, der als Herausgeber auftritt. In seinen Vorreden – eine zu jedem Band – warnt er den Leser vor der ungewöhnlichen Welt, die er ihm vorstellen wird.
Der erste Band umfasst Der Jahrmarkt in Sorotschinzy, Der Johannisabend, Mainacht oder Die Ertrunkene und Die verschwundene Urkunde. Der zweite Band folgt mit Die Nacht vor Weihnachten, Furchtbare Rache – auch unter den Titeln Schreckliche Rache und Der Zauberer bekannt –, Iwan Fjodorowitsch Schponka und sein Tantchen und Der verhexte Platz.
Allen Geschichten gemeinsam ist eine Doppelwelt, in der sich das Alltägliche mit dem Phantastischen mischt. Die heitere, scheinbar harmonische Dorfwelt wird durch unheimliche Elemente gestört, die in den Alltag einbrechen. Es geht um Hochzeiten, Eroberungen und glückliche Ausgänge, doch erreicht wird das Glück fast immer auf krummen Wegen: durch Lug und Trug, durch verführerische Listen, durch das Wirken des Teufels oder gar durch den Mord an Unschuldigen. So liegt unter der fröhlichen Oberfläche stets ein dunkler, beunruhigender Grund.
Stil↑
Volkstümlich und farbig ist der Ton dieser Erzählungen. Gogol entnahm seinen Stoff der ukrainischen Folklore und schuf daraus, wie es Klaus Städtke nennt, eine „romantische Doppelwelt", die das Alltägliche mit dem Phantastischen vereinigt. Das Heitere und das Schaurige stehen dicht beieinander.
Die Rahmenfigur des Imkers Rudij Panko gibt dem Buch seinen besonderen erzählerischen Halt. Als vorgeblicher Herausgeber spricht er den Leser unmittelbar an und stimmt ihn auf das Kommende ein. Sprachlich fällt der Reichtum an Ukrainismen auf, also an Wörtern aus dem ukrainischen Sprachgebrauch; sie sind am Ende des Werks in einem eigenen Wörterbuch zusammengestellt. In der Erzählung Der Jahrmarkt in Sorotschinzy ist jedem auf Russisch geschriebenen Kapitel ein Motto auf Ukrainisch vorangestellt. So mischt sich auch in der Form das Russische mit dem Ukrainischen, und die Welt des Dorfes klingt schon in der Sprache an.
Rezeption↑
Begeistert nahm das zeitgenössische russische Publikum die Erzählungen auf, und Gogol führte sich mit ihnen in die russische Literatur ein. Nicht jeder teilte den Jubel uneingeschränkt: Puschkin sprach von „Ungereimtheit und wenig Wahrscheinlichkeit". Eine neuere russische Literaturenzyklopädie hebt hervor, dass das ukrainische Volk die eigentliche Hauptfigur der Geschichten sei – geschildert als weise, schlau, freiheitsliebend, edel, kühn und gefühlvoll.
Die Stoffe haben über Gogols Zeit hinaus stark weitergewirkt, vor allem in der Musik. Modest Mussorgski schuf die Oper Der Jahrmarkt von Sorotschinzy, Nikolai Rimski-Korsakow vertonte sowohl Die Mainacht als auch Die Nacht vor Weihnachten, und Pjotr Tschaikowski griff in seiner Oper Pantöffelchen ebenfalls auf Die Nacht vor Weihnachten zurück. Hinzu kommt ein Ballett von Jewhen Stankowytsch nach demselben Stoff. Auch das Kino bediente sich der Geschichten, etwa in den Verfilmungen von Alexander Arturowitsch Rou. So sind Gogols frühe Erzählungen in immer neuer Gestalt lebendig geblieben.
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