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Werkseintrag · A Valediction: Forbidding Mourning
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Cover A Valediction: Forbidding Mourning
A Valediction: Forbidding Mourning
1633
– Werkseintrag –

A Valediction: Forbidding Mourning

1633 · Lyrik

Ein Zirkel, dessen zwei Schenkel verbunden bleiben, wie weit sie sich auch spreizen: Mit kühnen Bildern wirbt John Donne dafür, den Abschied der Liebenden still und ohne Klage zu tragen.

Überblick↑

Bei A Valediction: Forbidding Mourning handelt es sich um ein Gedicht von John Donne, das zur sogenannten metaphysischen Dichtung gerechnet wird. Donne schrieb es um 1611 oder 1612 für seine Frau Anne, kurz bevor er zu einer Reise auf das europäische Festland aufbrach. Das Liebesgedicht umfasst 36 Verse und erschien erstmals 1633 in der Sammlung Songs and Sonnets, zwei Jahre nach dem Tod des Dichters. Sein Thema ist der bevorstehende Abschied zweier Liebender, die für längere Zeit getrennt sein werden. Bekannt wurde das Werk vor allem durch seine ausgedehnten Bildvergleiche und geistreichen Analogien, mit denen Donne die Verbindung des Paares beschreibt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt des Gedichts steht ein Sprecher, der sich von der geliebten Frau verabschiedet, weil eine längere Trennung bevorsteht. Er bittet darum, dass dieser Abschied still und gefasst geschehen möge, ohne Klage und ohne heftige Gefühlsausbrüche. Statt die Trennung zu betrauern, wirbt er für eine Haltung ruhiger Zuversicht.

Donne vergleicht das Auseinandergehen der Liebenden zunächst mit dem Augenblick des Sterbens, in dem sich die Seele leise vom Körper löst. Von dort aus entfaltet das Gedicht eine Reihe kunstvoller Bilder, die zeigen sollen, dass eine echte, geistige Liebe die räumliche Entfernung übersteht. Der Sprecher unterscheidet die Liebe gewöhnlicher Menschen, die auf körperliche Nähe angewiesen ist, von der eigenen, feineren Verbundenheit. So bereitet das Gedicht Schritt für Schritt den Gedanken vor, dass die Trennung die Beziehung nicht zerstört, sondern nur ausdehnt.

Die Handlung im Detail↑

Das Gedicht ist kein erzählendes Werk, sondern entwickelt einen fortlaufenden Gedankengang in Bildern. Es beginnt mit dem Vergleich des Abschieds mit einem sanften Tod: So wie tugendhafte Menschen leise und ohne Widerstand sterben, so sollen auch die Liebenden ruhig und ohne Aufhebens voneinander scheiden. Der Sprecher wünscht sich einen stillen Abschied, weil ein lautes Trauern ihre Liebe gleichsam entweihen würde. Die Trennung wird dabei mit dem Loslösen der Seele vom Körper verglichen. Nach der Deutung von Ramie Targoff meint Donne damit nicht, dass die Trennung endgültig sei wie der Tod, sondern dass sie – ähnlich dem Sterben – zur Bewährungsprobe wird, an deren Ende die Beziehung fortdauert.

In den folgenden Strophen greift Donne astronomische und naturkundliche Bilder auf. Das Erdbeben schreckt und beunruhigt die Menschen, während die weit größeren Bewegungen der Himmelssphären unbemerkt bleiben. Damit stellt er die grobe, sinnliche Liebe der stillen, geistigen Liebe gegenüber. Peter L. Rudnytsky verweist auf die außerordentliche Vielschichtigkeit dieser Bilder; die Rede von der „Bewegung der Erde“ spielt auf die damals neuen Theorien zur Erdbewegung an, während die „Furcht der Sphären“ auf das ältere ptolemäische Weltbild zurückgeht.

Ein weiteres Bild vergleicht die Liebe mit einem Stück Gold. Schlägt man Gold immer dünner, so dehnt es sich aus und bedeckt einen größeren Raum, ohne zu zerreißen. Ebenso weitet sich die Liebe bei der Trennung nur aus, bis sie beinahe allgegenwärtig wird und Teil der Luft selbst zu sein scheint. Theresa M. DiPasquale sieht darin die Fortsetzung eines alchemistischen Motivs, das sich durch das Gedicht zieht.

Den Abschluss bildet eines der bekanntesten Bilder des Werks: der Zirkel, mit dem man einen Kreis zeichnet. Die beiden Liebenden gleichen den beiden Schenkeln eines solchen Zirkels. Der eine Fuß steht fest in der Mitte, während der andere die Kreisbahn abschreitet; je weiter sich der wandernde Fuß entfernt, desto mehr neigt sich der feste ihm nach. Beide bleiben unlösbar verbunden und aufeinander bezogen. Am Ende kehrt der wandernde Fuß zum Ausgangspunkt zurück, und gerade die Treue des festen Fußes sorgt dafür, dass der Kreis vollkommen wird. Achsah Guibbory erkennt in dem Kreis mit einem Punkt in der Mitte zugleich das alchemistische Zeichen für Gold, auf das eine frühere Strophe bereits angespielt hatte.

Stil↑

Kennzeichnend für das Gedicht ist die Vorliebe für den ausgedehnten Bildvergleich, den sogenannten conceit, der die metaphysische Dichtung überhaupt prägt. Donne führt eine gewagte Analogie oft über mehrere Strophen oder ein ganzes Gedicht hinweg fort. Ian Ousby nennt gerade das Zirkelbild ein Beispiel für Donnes Kunst, Metaphern in einer virtuosen Vorführung der Ähnlichkeit zu entwickeln.

Auffällig ist außerdem die genaue, wohlüberlegte Wortwahl. Guibbory bezeichnet Donne als „Meister der einsilbigen Wörter“, die eine Verszeile in Spannung halten, und hebt etwa den Gebrauch des Wortes „beat“ (schlagen) im Bild des gehämmerten Goldes hervor. Durch das ganze Gedicht zieht sich ein alchemistisches Motiv, das die Kritik immer wieder betont hat.

Thematisch ist das Werk ein Liebesgedicht. Meg Lota Brown betont, dass es der Liebe – besonders im Zirkelbild der letzten Strophen – die Fähigkeit zuschreibt, wechselnde Umstände zu bestehen, ohne sich selbst zu verändern. Guibbory sieht darin zugleich die Furcht vor dem Tod, die Donnes Liebesdichtung durchzieht, und eine Feier der körperlichen Liebe als etwas Heiliges. Andere Deuter haben das Gedicht mit weiteren Werken Donnes verknüpft, darunter A Valediction: of my Name, in the Window und A Valediction: of Weeping.

Rezeption↑

Vielfach gilt das Werk als eines der bekanntesten Abschiedsgedichte Donnes. Theodore Redpath lobte seine „stolze und überzeugende Zurückhaltung“ und den gleichmäßigen Fluss seiner Bewegung. Ramie Targoff hebt hervor, was dieses Gedicht von Donnes anderen Abschiedsgedichten unterscheide: Der Dichter hinterlasse der Geliebten weder einen körperlichen noch einen geistigen Teil seiner selbst, sondern die Kraft seiner dichterischen Bilder, die ihre Verbindung als unteilbar erscheinen lassen.

Besonders das Zirkelbild wurde immer wieder besprochen. Geoffrey Galt Harpham zählte es zu den bekanntesten durchgehaltenen Bildvergleichen der englischen Dichtung. Carol Marks Sicherman sah in dem Werk ein Beispiel für Donnes Schreibweise, die mit einem sicheren Anfang beginne, deren erste Gewissheiten sich in der Mitte allmählich neuen Einsichten öffneten und die in einem klaren, fest gegründeten Schluss münde.

Nicht alle Stimmen waren zustimmend. T. S. Eliot kritisierte die Analogie vom gehämmerten Gold, weil sie sich nicht auf eine ausgesprochene philosophische Aussage stütze. Targoff widersprach dem und führte das Bild auf die Schriften des Tertullian zurück, der zu Donnes wichtigsten religiösen Vorbildern zählte. Samuel Johnson wiederum meinte, das Zirkelbild zeige die „Gewalt“, mit der die metaphysischen Dichter die ungleichartigsten Vorstellungen zur Einheit zwängen. So blieb das Gedicht Vorbild und Streitfall zugleich – ein oft angeführtes Beispiel für Glanz wie für Übertreibung der metaphysischen Dichtung.

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