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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Parzival
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Parzival
– Werkseintrag –

Parzival

· Roman

Ein Versroman aus dem frühen dreizehnten Jahrhundert, der den Weg eines Jünglings im Narrenkleid an den Artushof und darüber hinaus zum Gral erzählt.

Überblick

Der Versroman entstand zwischen 1200 und 1210. Er gilt als eines der bedeutendsten Werke der mittelhochdeutschen höfischen Literatur. Wolfram von Eschenbach erzählt in rund 25.000 paarweise gereimten Versen, die in modernen Ausgaben auf sechzehn Bücher verteilt sind, die Geschichte zweier ritterlicher Helden. Der Titelheld Parzival steigt vom Unwissenden im Narrenkleid zum Gralskönig auf. Der Artusritter Gawain besteht zahlreiche Bewährungsproben. Das Werk gehört zur Artusepik, geht aber über sie hinaus: Die Aufnahme Parzivals in die Tafelrunde des legendären britischen Königs ist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum Gral.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt stehen zwei ritterliche Lebenswege, die kunstvoll miteinander verzahnt sind. Parzival wächst fern der höfischen Welt auf. Als ahnungsloser Jüngling im Narrenkleid tritt er in die Welt der Ritter ein. Sein Weg führt ihn an den Artushof und darüber hinaus zur Suche nach dem Gral. Parallel dazu erzählt der Roman von den Aventiuren Gawains, eines vollendet höfischen Ritters, der eine Reihe gefahrvoller Proben zu bestehen hat. Beide Handlungsstränge berühren einander immer wieder und werfen Licht aufeinander. Parzival arbeitet sich an der geheimnisvollen Welt des Grals ab. Gawain bewegt sich in der Welt des Hofes, der Minne und der ritterlichen Tugend.

Die Handlung im Detail

Erzählt werden die Geschicke zweier Hauptfiguren in einer Doppelromanstruktur. Parzival, dessen Name aus dem altfranzösischen Perceval stammt, beginnt seinen Weg als Unwissender im Narrenkleid und entwickelt sich Schritt für Schritt zum Gralskönig. Seine Aufnahme in die Tafelrunde des Königs Artus ist dabei nicht das Ziel, sondern eine Station, die zugleich zur Voraussetzung seiner Bestimmung wird. Daneben steht der Artusritter Gawain, der in seinen eigenen Aventiuren immer wieder geprüft wird.

Eine zentrale Episode dieses zweiten Strangs ist Schastel marveile. Hier verdichten sich mehrere Themen des Romans. Die Gefahren des Minnedienstes werden in einer eher abstrakten Form vorgeführt, und zugleich entsteht eine Szenenfolge, die der Parzivalhandlung gezielt entspricht. Das unterschiedliche Frageverhalten der beiden Helden, Gawains und Parzivals, bildet ein Gegenüber, ebenso die spiegelbildliche Konstellation des Zauberers Klingsor und des Gralskönigs Anfortas. Beide sind der Minne erlegen, doch sie reagieren entgegengesetzt: Anfortas geht den Weg der Buße, Klingsor den Weg der Rache. Klingsor ist zugleich ein Gegenstück zur Gralsbotin Kundrie, und er spiegelt die zerstörerischen Rachegelüste der Orgeluse, die in den Förmlichkeiten der höfischen Gesellschaft wurzeln. So steht er für all jene Fallen, in die ein Angehöriger des Hofes geraten kann. Indem Gawain als rechtschaffener und vollendet höfischer Ritter im Schloss siegt, zeigt der Roman, dass diese Fallen umgangen werden können. Klingsor verschwindet danach aus dem Buch, und mit ihm die dunklen Seiten der beteiligten Figuren.

Stil

Wolfram schreibt in mittelhochdeutscher Sprache und in paarweise gereimten Versen. Der Umfang von etwa 25.000 Versen und die Gliederung in sechzehn Bücher geben dem Roman eine breite, raumgreifende Form. Charakteristisch ist die Doppelromanstruktur. Zwei Handlungsstränge laufen nebeneinander her, greifen ineinander und werden in kunstvoll verzahnten Szenenfolgen aufeinander bezogen. Korrespondierende Szenen machen die innere Architektur des Romans sichtbar, etwa das Frageverhalten der beiden Helden oder die Spiegelung von Klingsor und Anfortas.

Rezeption

Der Stoff ist über die Jahrhunderte vielfach bearbeitet worden, in der Literatur ebenso wie in der bildenden Kunst und in der Musik. In der deutschsprachigen Literatur stehen drei Werke beispielhaft für drei Epochen. Für die Romantik steht der Parcival von Friedrich de la Motte Fouqué aus den Jahren 1831 und 1832. Für die Moderne steht Peter Handkes Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum Sonoren Land von 1989. Für die Postmoderne steht Der Rote Ritter von Adolf Muschg aus dem Jahr 1993, der den Stoff mit einer Fülle intertextueller Bezüge auflädt. Für die Bühne hat Tankred Dorst eine Fassung geschrieben, die 1987 am Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt wurde. Eine weitere stammt von Lukas Bärfuss und kam 2010 am Schauspielhaus Hannover heraus. Daneben gibt es zahlreiche Jugendbücher und andere populäre Bearbeitungen.

Die nachhaltigste Wirkung erreichte der Stoff jedoch im Musiktheater. Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal wurde 1882 uraufgeführt. Es prägt bis heute das Bild, das viele mit dem Namen Parzival verbinden. Auch in jüngerer Zeit ist der Stoff in der Oper aufgegriffen worden, etwa in der Kinderoper Elster und Parzival des österreichischen Komponisten Paul Hertel. Sie wurde 2003 an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt.

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