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Werkseintrag · Die Pest
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Cover Die Pest
Die Pest
1947
– Werkseintrag –

Die Pest

1947 · Roman

Eine algerische Hafenstadt wird von der Pest heimgesucht – und ein Arzt, ein Journalist und ein Priester müssen entscheiden, wie sie der Sinnlosigkeit standhalten.

Überblick

Der Roman erschien 1947 im Pariser Verlag Gallimard, fünf Jahre nach Beginn der Arbeit. Er wurde sofort zu einem großen Erfolg. Albert Camus erzählt darin von einer Pestepidemie in der algerischen Hafenstadt Oran. Er schildert, wie eine ganze Bevölkerung in den Ausnahmezustand gerät. Das Buch gilt als einer der wichtigsten Romane der Résistance und der französischen Nachkriegsliteratur. In Frankreich gehört es zur Pflichtlektüre an den Schulen. Zugleich ist es ein Hauptwerk in Camus' Auseinandersetzung mit der Absurdität. Es ist ein nüchterner Blick darauf, wie Menschen sich gegen physische und moralische Zerstörung stemmen, wenn ihnen ein übermächtiger Gegner gegenübersteht.

Inhalt (ohne Spoiler)

Die Geschichte beginnt in der algerischen Küstenstadt Oran in einem nicht genauer bezeichneten Jahr "194…". Tote Ratten tauchen in den Straßen auf, einzelne Menschen erkranken. Doch die Verwaltung will lange nicht wahrhaben, was sich anbahnt. Erst nach ausgiebigem Streit über die richtige Bezeichnung setzt sich die Erkenntnis durch: Es ist die Pest. Die Stadt wird von der Außenwelt abgeschottet, der Ausnahmezustand bricht herein. Jeder Bewohner muss für sich entscheiden, wie er dem Unglück begegnet.

Im Mittelpunkt steht der Arzt Dr. Bernard Rieux. Er behandelt die Kranken und arbeitet nüchtern gegen die Seuche an. Um ihn herum versammelt der Roman Figuren, die ganz unterschiedlich mit der Situation umgehen. Der Journalist Rambert möchte zu seiner Geliebten außerhalb der Stadt zurückkehren. Der Pater Paneloux erkennt in der Pest eine Strafe Gottes. Und Tarrou wird zum Freund und Mitstreiter Rieux'. Aus diesem Geflecht entsteht die Frage, was Solidarität, Pflicht und persönliches Glück unter einer übermächtigen Bedrohung noch bedeuten können.

Die Handlung im Detail

Erzählt wird der Verlauf der Pest in Oran aus der Sicht des Arztes Dr. Bernard Rieux, der sich allerdings erst am Ende des Romans als Verfasser der Chronik zu erkennen gibt. Zu Beginn tauchen tote Ratten in der Stadt auf, einzelne Menschen zeigen Krankheitszeichen, doch die Verwaltung weigert sich, die Lage ernst zu nehmen. Lange wird über die passende Terminologie gestritten, bis klar wird, dass etwas geschehen muss, bevor die Krankheit die halbe Stadt tötet. Als sich die Seuche tatsächlich als Pest herausstellt, wird Oran von der Außenwelt abgeriegelt. Mehrere tausend Menschen werden im Lauf der Epidemie sterben.

Die Pest bedroht das Leben aller und wird zum gemeinsamen Gegner. Jeder nimmt den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den Schwarzen Tod auf seine Weise auf. Rieux arbeitet wie Sisyphos unermüdlich gegen die Krankheit an. Er gerät in einen Disput mit Pater Paneloux, der die Pest als Strafe Gottes zur Züchtigung der Menschen deutet. Später erkrankt Paneloux selbst, verweigert aber jede medizinische Hilfe, um ganz auf Gottes Willen zu vertrauen, und stirbt an der Seuche.

Der Journalist Rambert ist zufällig in Oran gestrandet und will eigentlich nur zu seiner Geliebten zurückkehren. Da die offiziellen Wege versperrt sind, wendet er sich an Schmuggler, die ihm bei der Flucht helfen sollen. Rieux bittet ihn um Unterstützung im Kampf gegen die Pest, zunächst lehnt Rambert ab. Erst Rieux' Freund Tarrou gelingt es, ihn umzustimmen. Als Rambert schließlich die Möglichkeit erhält, die Stadt zu verlassen, weigert er sich: Er würde sich sein Leben lang schämen und nicht mehr glücklich sein können, wenn er ginge.

Die Pest beginnt allmählich auszuklingen. Doch gerade als das Schlimmste überstanden scheint, erkrankt Tarrou selbst und stirbt. Das Absurde bleibt damit bis zuletzt der heimliche Begleiter der Erzählung: Unschuldige Kinder sterben ebenso wie Menschen, die es verdient hätten. Auch jene werden hinweggerafft, die sich solidarisch zeigen, Freundschaften schließen und so der Sinnlosigkeit ihres Daseins zu entkommen versuchen – wie eben Tarrou, der Freund und Begleiter Rieux'.

Stil

Camus hat den Aufbau seines Romans stark am Schema des klassischen Dramas orientiert. Die Handlung ist in fünf Teile gegliedert, was an die fünf Akte einer Tragödie erinnert. Eben deshalb wurde Die Pest in vielen Ländern auch als Theaterstück aufgeführt. Die Entwicklung der Seuche verläuft parallel zur Hitze der Jahreszeiten: Je heißer es wird, desto stärker greift die Krankheit um sich.

Die Form der Chronik gibt dem Buch seinen nüchternen, sachlich-distanzierten Ton. Erzählt wird scheinbar von außen, mit dem ruhigen Blick eines Berichterstatters, der die Vorgänge ordnet und protokolliert. Erst am Schluss wird klar, dass der Chronist selbst eine der Hauptfiguren ist. Dieser Kunstgriff verleiht dem Geschehen erst seine Distanz und dann seine persönliche Wucht.

Rezeption

Bereits kurz nach der Veröffentlichung im Juni 1947 wurde der Roman ein großer Erfolg. Er gilt als einer der bedeutendsten Romane der Résistance und der französischen Nachkriegsliteratur. Die Chronik ist zum Allgemeingut der europäischen Kultur und damit weltberühmt geworden. In Frankreich gehört sie bis heute zur Pflichtlektüre an den Schulen. Hintergrund des Werks sind Camus' eigene Erfahrungen, insbesondere die des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem distanzierten Blickwinkel ist Die Pest eine Reflexion über den Widerstand der Menschen gegen physische und moralische Zerstörung. Zugleich bildet der Roman einen wichtigen Baustein in Camus' Philosophie der Absurdität.

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