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Porträt Albert Camus
Albert Camus
1913 – 1960
– Autorenporträt –

Albert Camus

1913 – 1960 · 46 Jahre

Französischer Romancier und Philosoph des Absurden, der aus den Armenvierteln Algiers kam und 1957 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Kurzporträt

Albert Camus war ein französischer Schriftsteller und Philosoph. Er zählt zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1913 in Französisch-Algerien als Sohn eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Landarbeiters und einer analphabetischen Putzfrau. Aus ärmlichen Verhältnissen arbeitete er sich zum gefeierten Romancier, Essayisten und Dramatiker empor. 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Mit dem Roman Der Fremde, dem Essay Der Mythos des Sisyphos und Die Pest prägte er das Denken einer ganzen Epoche. Sein Leben endete jäh am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall in der Nähe von Villeblevin.


Biografie

Albert Camus kam am 7. November 1913 in einer kleinen Siedlung nahe der algerischen Stadt Mondovi zur Welt, dem heutigen Dréan. Sein Vater Lucien Camus war ein ungelernter Fuhrmann und Kellermeister. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er eingezogen und 1914 in der Marneschlacht verwundet. Noch im selben Jahr starb er in einem Lazarett in der Bretagne. Die Witwe zog mit Albert und seinem älteren Bruder Lucien in das Armenviertel Belcourt in Algier zu ihrer eigenen Mutter. Die Mutter war Analphabetin und leicht hör- und sprachbehindert. Sie arbeitete als Fabrikarbeiterin und später als Reinigungskraft.

1924 setzte sein Grundschullehrer durch, dass der begabte Junge auf das Gymnasium vorbereitet wurde. Camus bestand die Aufnahmeprüfung. Fortan pendelte er zwischen der ärmlichen Welt von Belcourt und dem bürgerlichen Milieu der Schule, wo er seine Herkunft verbarg. Um seinen Status in der Klasse zu verbessern, trieb er Sport und wurde Torwart beim Fußballverein Racing Universitaire d'Alger. 1930 erkrankte er an Tuberkulose, die ihn lebenslang begleiten sollte. Nach einer Behandlung in Südfrankreich nahm ihn eine kinderlose Tante mit ihrem Mann auf, einem wohlhabenden Metzgermeister. Seine Mutter sah er nur noch selten.

1932 begann Camus ein Philosophiestudium an der Universität Algier und schloss Freundschaft mit dem Professor Jean Grenier. Im selben Jahr lernte er Simone Hié kennen, die er 1934 heiratete. 1935 trat er der Kommunistischen Partei bei und betrieb in deren Auftrag Propaganda unter der muslimischen Bevölkerung. 1936 gründete er mit anderen Linken in Algier das „Théâtre du travail". Er schloss sein Studium mit einer Arbeit über Plotin und Augustinus ab und entfremdete sich von seiner morphiumsüchtigen Frau. Auf einer Europareise, die das Paar retten sollte, entdeckte er in Salzburg deren Affäre mit ihrem Arzt und trennte sich endgültig. Wegen seiner eigenmächtigen antikolonialistischen Agitation wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Wegen seiner Tuberkulose blieb ihm die Laufbahn als Gymnasiallehrer verschlossen.

Ab 1938 arbeitete Camus über seinen Freund Pascal Pia als Reporter bei der linken Zeitung „Alger républicain", vor allem mit Gerichtsreportagen. Parallel begann er den Roman L'Étranger (Der Fremde), das Drama Caligula und den philosophischen Essay Le Mythe de Sisyphe. Anfang 1940 wurde die Zeitung eingestellt. Im Dezember heiratete er in Lyon Francine Faure und ging nach Paris zur Tageszeitung „Paris-Soir". Vor dem deutschen Einmarsch flüchtete er mit der Redaktion nach Clermont-Ferrand und Lyon. 1942 erschienen L'Étranger und Le Mythe de Sisyphe und machten ihn bekannt. Ende 1942 reiste er nach einer Kur nach Paris. Er wurde Lektor beim Verlag Gallimard, schloss sich der Résistance an und arbeitete an der Untergrundzeitung „Combat" mit, deren Chefredakteur er nach der Befreiung 1944 wurde. Mit den Lettres à un ami allemand (1945) setzte er sich trotz seiner Widerstandstätigkeit für die deutsch-französische Versöhnung ein. Im Juni 1944 lernte er die spanische Schauspielerin Maria Casarès kennen, mit der ihn eine lebenslange Liebesbeziehung verband.

Nach Kriegsende kam seine Frau Francine zu ihm nach Paris. Im September 1945 wurden die Zwillinge Catherine und Jean geboren. Francine litt in den folgenden Jahren an Depressionen und unternahm zwei Suizidversuche. Camus galt nun, neben Jean-Paul Sartre, als einer der Vordenker des Existenzialismus. 1947 erschien der große Erfolg La Peste (Die Pest). 1951 folgte die Essaysammlung L'Homme révolté (Der Mensch in der Revolte), die zum Bruch mit Sartre führte. Sartre warf ihm Verrat linker Ideale vor. Camus stand dem Anarchismus und Anarchosyndikalismus nahe. 1956 scheiterten seine Vermittlungsversuche im Algerienkrieg: Den meisten Franzosen erschien sein Plädoyer für die bürgerrechtliche Gleichstellung der Araber zu radikal, den autochthonen Algeriern war seine Vorstellung von einem letztlich französischen Algerien inakzeptabel. 1956 erschien der Kurzroman La Chute (Der Fall). 1957 folgte der Erzählband L'Exil et le Royaume, und im selben Jahr erhielt er den Literaturnobelpreis. 1959 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Am Nachmittag des 4. Januar 1960 starb Camus bei einem Autounfall nahe Villeblevin auf der Fahrt von Lourmarin nach Paris. Sein Verleger-Neffe und Freund Michel Gallimard fuhr den Wagen, dessen Hinterreifen platzte. Das Auto streifte einen Baum und prallte gegen eine Platane. Camus war sofort tot. Bis zuletzt hatte er an dem autobiografischen Roman Le Premier Homme gearbeitet, der als Fragment 1994 postum erschien. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof von Lourmarin. Seit dem Buch Camus deve morire von Giovanni Catelli (2013, deutsch 2023) kursieren Spekulationen, sowjetische Stellen hätten den Wagen manipulieren lassen. Belegt ist dies nicht.


Literarische Merkmale

Camus' Werk verbindet erzählende Prosa, Theater und philosophischen Essay. Im Mittelpunkt seines Schreibens steht die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz. Im Mythos des Sisyphos stellt er das Dasein als fundamental absurd dar, aber dennoch als lebenswert, ja glücklich, wenn der Mensch seine Tragik trotzig annimmt und seine Pflicht erfüllt.

Seine Romane sind in einer klaren, knappen Sprache gehalten. Der Fremde begann als politisch motivierte Erzählung über einen jungen Algerienfranzosen, der zufällig einen Araber erschießt und an dem die Justiz ein Exempel statuiert. In der endgültigen Fassung wurde der Roman zur Meditation über den Sinn der Existenz. Die Pest verbindet die persönliche Lage des von seiner Frau getrennten Autors mit der allgemeinen Lage Frankreichs unter Besatzung und liest sich als Hohes Lied der Pflichterfüllung. Auch in seinen Theaterstücken – Caligula, Le Malentendu, L'État de siège, Les Justes – kreist Camus um Sinnsuche, politische Gewalt und moralische Verantwortung; in Les Justes etwa anhand des Attentats auf den Großfürsten Sergei Alexandrowitsch von 1905.

Als Vorbild nannte Camus in einem Brief an Liselotte Dieckmann ausdrücklich Herman Melville. Neben dem belletristischen Werk gehört der politische Journalismus zu seinem Schreiben: Gerichtsreportagen aus Algerien, die Artikelserie über die Hungersnot 1939 und die in Sammelbänden Actuelles gebündelten Zeitschriftenartikel zeigen ihn als gemäßigt linken Pazifisten, der die französische Kolonialpolitik und die Grausamkeit der Kolonialtruppen anprangerte.


Rezeption

Schon mit dem Étranger und dem Mythos des Sisyphos wurde Camus 1942 zum bekannten Schriftsteller. Die Bücher trafen die Stimmung im besetzten Frankreich, das die Niederlage gegen Deutschland durch eine Flucht ins Alltagsleben zu kompensieren suchte. Die Pest wurde 1947 zum großen Erfolg. Sie half vielen französischen Männern, die letzten Kriegsjahre zu verklären, in denen fast alle aktive oder heimliche Widerständler gewesen sein wollten.

Die Essaysammlung L'Homme révolté (1951) brachte ihm neben viel Beifall auch heftige Polemik ein, vor allem von Jean-Paul Sartre, der ihm den Verrat linker Ideale vorwarf. Der Bruch der beiden Denker wurde zu einem Schlüsselereignis der französischen Nachkriegsintellektualität. Im Algerienstreit von 1956 geriet Camus zwischen alle Fronten: Franzosen war sein Eintreten für die Gleichstellung der Araber zu weitgehend, autochthonen Algeriern seine Vorstellung eines französischen Algeriens nicht weit genug.

1957 erhielt Camus den Literaturnobelpreis „für seine bedeutungsvolle Verfasserschaft, die mit scharfsichtigem Ernst menschliche Gewissensprobleme in unserer Zeit beleuchtet". 1959 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Nach seinem frühen Unfalltod 1960 hielt seine Wirkung an: 1994 erschien das postume Romanfragment Le Premier Homme, 2021 ein über 1500 Seiten umfassender Band mit dem Briefwechsel zwischen Camus und Maria Casarès. Auch sein Tod selbst blieb Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit. Giovanni Catellis Buch Camus deve morire (2013, deutsch 2023 als Camus muss sterben) brachte die Spekulation auf, der Autounfall sei das Werk sowjetischer Geheimdienste gewesen.

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