1524 – 1580
Luís Vaz de Camões
Kurzporträt↑
Luís Vaz de Camões gilt als einer der bedeutendsten Dichter Portugals und der portugiesischen Sprache. Er wurde 1524 oder 1525 geboren und starb 1580 in Lissabon. Sein Versepos Die Lusiaden zählt zu den maßgebenden Werken der Renaissance. Auch als Lyriker nimmt er einen herausragenden Rang in Europa ein. Als Dramatiker steht er im Portugal des 16. Jahrhunderts neben Gil Vicente, António Ribeiro und António Ferreira. In seiner Heimat wird Camões als Nationaldichter verehrt. Sein Todestag, der 10. Juni, ist der portugiesische Nationalfeiertag.
Biografie↑
Gesicherte Nachrichten über das Leben von Camões sind spärlich. Vieles, was überliefert ist, lässt sich urkundlich nicht belegen und gehört möglicherweise der Legendenbildung an. Der mit ihm befreundete Historiker und Schriftsteller Diogo de Couto hinterließ als erster eine Art Biographie. Diese stellt jedoch häufig nicht zu sichernde Tatsachen dar. Die Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat deshalb versucht, aus dem literarischen Werk und den wenigen Quellen ein Lebensbild zu rekonstruieren.
Schon das Geburtsjahr ist unsicher. Genannt werden 1524 oder 1525, als Geburtsort oft Coimbra oder Lissabon. Auch zwischen den Quellen besteht ein Widerspruch: Wikidata setzt die Geburt in den Dezember 1524 an, während die Deutsche Nationalbibliothek nur das Jahr 1524 ohne Tag und Monat führt. Camões war das einzige Kind von Simão Vaz de Camões und seiner Ehefrau Ana de Sá de Macedo. In frühen Jahren verließ der Vater die Familie, um in Indien zu Reichtum zu gelangen. Er starb aber bereits nach einigen Jahren in Goa. Die Mutter heiratete später erneut. Camões entstammte niederem Adel.
Erzogen wurde der junge Camões von Dominikanern und Jesuiten. Später studierte er vermutlich an der Universität Coimbra und erhielt eine klassische Bildung. An dieser Universität war ein Onkel von ihm, Bento de Camões, Prior des Klosters Santa Cruz, Kanzler. Am Hofe König Dom João III. war er als Erzieher von Höflingen tätig. Dort verliebte er sich in Catarina de Ataíde, eine der Hofdamen der Königin. Wegen dieser Liebesgeschichte musste er den königlichen Hof 1546 verlassen.
Ab 1549 diente er als Soldat in Ceuta. In einer Schlacht gegen die Mauren verlor er sein rechtes Auge. Nach Lissabon zurückgekehrt, verletzte er während einer Fronleichnamsprozession am 5. Juni 1550 den königlichen Offizier Gonçalo Borges und wurde daraufhin inhaftiert. Auf mehrere Fürsprachen hin wurde er zu einer hohen Geldstrafe und zu drei Jahren Militärdienst im Ausland verurteilt.
1553 reiste er auf einem Schiff nach Goa. Gleich nach seiner Ankunft wurde er wegen Schulden ins Gefängnis geworfen. Wieder entlassen, nahm er an einer Schlacht an der Malabarküste teil. Am Ende seiner Strafzeit hatte er es in Macau bis zum Führungsoffizier gebracht. Da ihm Unterschlagungen vorgeworfen wurden, reiste er zum Gericht nach Goa, um sich zu rechtfertigen. In dieser Phase seines Lebens begann Camões mit den Arbeiten an seinem Hauptwerk Os Lusíadas. Auf der Rückreise von Goa nach Macau erlitt er am Mekong Schiffbruch. Das Manuskript seines Epos konnte er dabei jedoch retten.
1570 befand sich Camões wieder in Lissabon. Zwei Jahre später veröffentlichte er Die Lusiaden. König Dom Sebastian I. gewährte ihm eine Pension, jedoch ausdrücklich und ausschließlich für die geleisteten militärischen Dienste. Im Alter von 55 oder 56 Jahren starb Camões im Zuge einer Pestepidemie und wurde in einem Massengrab beigesetzt. Sein Grabmal befindet sich heute im Mosteiro dos Jerónimos, dem Hieronymus-Kloster im Lissaboner Vorort Belém. Das Kenotaph ist allerdings leer und nur als symbolische Geste in Bezug auf die dichterische und nationale Größe von Camões zu verstehen.
Literarische Merkmale↑
Sein Schreiben verbindet das große Versepos mit der Lyrik. Mit Die Lusiaden schuf Camões ein Werk der Renaissance, das die Entdeckungsfahrten der Portugiesen in epische Form bringt. Daneben gilt er als einer der herausragenden Lyriker Europas. Im Portugal des 16. Jahrhunderts arbeitete er auch als Dramatiker.
Rezeption↑
In seiner Heimat wird Camões als Nationaldichter Portugals verehrt. Sein Todestag, der 10. Juni, ist der portugiesische Nationalfeiertag und damit fest im öffentlichen Gedenken verankert. Auch sein Grabmal im Hieronymus-Kloster zu Belém zeugt von diesem Rang. Das dort errichtete Kenotaph ist leer und allein als symbolische Geste zu verstehen, die seine dichterische und nationale Größe würdigt. Über seine Heimat hinaus zählt er zu den bedeutendsten Dichtern der portugiesischen Sprache. Sein Epos Die Lusiaden gilt als ein maßgebendes Werk der Renaissance.
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